Der Sicherheitsstopp ist ein zusätzlicher Halt am Ende eines Tauchgangs innerhalb der Nullzeit, üblicherweise drei Minuten in etwa fünf Metern Tiefe. Er ist nicht rechnerisch erforderlich — anders als ein Dekompressionsstopp — sondern eine freiwillige Sicherheitsmarge.
Der Unterschied zum Dekompressionsstopp
Ein Dekompressionsstopp ist verbindlich: Er ergibt sich aus dem Tauchprofil, und wer ihn auslässt, verlässt das Modell, nach dem der Tauchgang geplant wurde. Ein Sicherheitsstopp dagegen wird nach einem Tauchgang eingelegt, der ohnehin innerhalb der Nullzeit lag. Rechnerisch ist er entbehrlich — deshalb heißt er Sicherheitsstopp und nicht Dekompressionsstopp.
In der Praxis verschwimmt der Unterschied, weil beide auf derselben Tiefe stattfinden und der Tauchcomputer sie ähnlich anzeigt. Der Unterschied liegt darin, was passiert, wenn man ihn auslässt: beim Sicherheitsstopp nichts Berechenbares, beim Dekompressionsstopp ein Tauchgang außerhalb des Modells.
Was die Verbände vorgeben
| Organisation | Tiefe und Dauer | Verbindlichkeit |
|---|---|---|
| PADI | meist 5 m, drei Minuten oder länger | „zusätzliche Vorsichtsmaßnahme“, keine Pflicht |
| SSI (Sporttauchen) | 5 m, drei bis fünf Minuten | im Open-Water-Kurs für jeden Tauchgang gelehrt und Prüfungsstoff; im Standard nicht geregelt |
| SSI (XR, technisches Tauchen) | 3 bis 6 m, drei bis fünf Minuten | Soll-Vorschrift, im Notfall oder bei einer Rettung verzichtbar |
| VDST | ca. 5 m bzw. letzte Dekostufe, drei Minuten | empfohlen |
| NAUI | ca. 4,6 m, drei Minuten | Bestandteil des Kursstandards |
| BSAC | ca. 6 m, mindestens eine Minute | ausdrücklich optional |
| TDI | mindestens drei Minuten | verbindlich bei allen Nullzeittauchgängen |
Bemerkenswert ist die Spanne der Verbindlichkeit. Ausgerechnet PADI, wo der Sicherheitsstopp im Kurs am stärksten eingeübt wird, formuliert ihn in den Standard Safe Diving Practices als „added precaution“ — und BSAC nennt ihn wörtlich optional und weist darauf hin, dass es Umstände geben kann, unter denen es vernünftiger ist, ihn wegzulassen. Verbindlich ist er nur dort, wo man ihn am wenigsten vermuten würde: in den TDI-Standards für das technische Tauchen.
Bei SSI zeigt sich dasselbe Muster innerhalb eines Verbands. Die Scuba Training Standards, verbindlich für jeden SSI-Instructor, regeln den Sicherheitsstopp überhaupt nicht — er taucht dort nur als zu erlernende Fertigkeit in einer Liste auf. Die XR Training Standards für das technische Tauchen dagegen schreiben ihn ausdrücklich vor: „Am Ende eines jeden Tauchgangs sollte ein 3-5-minütiger Sicherheitsstopp in einer Tiefe zwischen 3 und 6 Metern durchgeführt werden, wenn Gas, Komfort und Sicherheit dies zulassen.“ Die bekannten fünf Meter stehen dagegen im Kursmaterial: Das Open Water Diver Instructor Manual nennt „drei bis fünf Minuten auf 5 m“ und macht die Aussage, man solle bei jedem Tauchgang einen solchen Stopp einlegen, sogar zur Prüfungsfrage.
Warum er wirkt
Der Sicherheitsstopp liegt genau in der Tiefe, in der die relative Druckänderung am größten ist. Zwischen fünf Metern und der Oberfläche fällt der Umgebungsdruck von 1,5 auf 1 bar; das Gasvolumen wächst dabei um die Hälfte. Drei Minuten auf dieser Tiefe verlangsamen den kritischsten Abschnitt des Aufstiegs, ohne dass der Taucher eine Rate abschätzen müsste.
Historisch ist er genau als diese Alternative entstanden. Der AAUS-Workshop „Biomechanics of Safe Ascents“ empfahl 1989 in seiner Zusammenfassung, die damalige Aufstiegsrate von 60 Fuß pro Minute beizubehalten und stattdessen einen Halt von drei bis fünf Minuten im Bereich von 10 bis 30 Fuß einzuführen — mit der Begründung, sehr langsame Raten seien unter Wasser schwer zu halten. Ein Stopp ist praktikabler als eine Rate.
Dass die Kombination besser ist als die Rate allein, stützt die Untersuchung von Marroni und Kollegen für das DAN-Europe-Projekt Dive Safety Laboratory: Von acht geprüften Aufstiegsprofilen ab 25 Metern schnitt eine mittlere Rate mit gestuften Stopps am besten ab, die langsamste gleichmäßige Rate ohne Stopps dagegen am schlechtesten.
Nicht zu verwechseln mit dem Deep Stop
Ein Deep Stop ist ein zusätzlicher Halt in großer Tiefe, etwa auf halbem Weg zwischen Grund und erstem regulären Stopp. Er wird beim Tauchen mit Luft und Nitrox heute nicht mehr empfohlen; die CMAS rät ausdrücklich davon ab. Der Sicherheitsstopp im flachen Bereich ist davon nicht berührt — er bleibt Stand der Ausbildung.
Als Tauchlehrer rate ich dazu, ihn auch dort zu machen, wo ihn niemand vorschreibt. Er kostet drei Minuten, er bringt die Verlangsamung genau dort, wo sie physikalisch am meisten wiegt, und er zwingt zu einer Minute ruhiger Tarierung, bevor es an die Oberfläche geht.
Siehe auch: Aufstiegsgeschwindigkeit · Dekompressionsstopp · Deep Stop · Nullzeit
Quellen und weiterführende Links
- PADI: Standard Safe Diving Practices – Sicherheitsstopp als „added precaution“, 5 m und drei Minuten
- SSI: Open Water Diver Instructor Manual, deutsche Ausgabe vom 06.08.2026 – „Führe einen Sicherheitsstopp von drei bis fünf Minuten auf 5 m durch“, zugleich Prüfungsfrage. Nicht frei im Netz abrufbar
- SSI: Scuba Training Standards und Verfahren, Version 2026.2 (20.08.2026) und XR Training Standards und Verfahren, Version 2025.2 (03.08.2026) – der Sporttauchband regelt den Sicherheitsstopp nicht, der XR-Band schreibt 3–5 Minuten auf 3–6 m vor. Nicht frei im Netz abrufbar
- SSI Education & Media System – Lehrmaterial, Empfehlung 5 m, drei bis fünf Minuten
- VDST: Sicherheitsstandards, gültig ab 01.01.2026 – drei Minuten auf ca. fünf Metern
- NAUI Standards and Policies Manual v2.0, Januar 2026 – Hover auf ca. 4,6 m für drei Minuten als Kursstandard
- BSAC: Safe Diving, revidiert Juni 2020 – mindestens eine Minute auf ca. 6 m, ausdrücklich optional
- TDI Diver Standards, Part 2, Version 0126 – mindestens drei Minuten bei allen Nullzeittauchgängen
- Lang & Egstrom (Hrsg.): Biomechanics of Safe Ascents Workshop, AAUS 1990 – der Stopp als praktikable Alternative zur langsameren Rate
- Marroni u. a., Undersea Hyperb Med 2004 (PMID 15485086) – acht Aufstiegsprofile im Vergleich
- Aufstiegsgeschwindigkeit beim Tauchen: was die Verbände wirklich vorgeben
