Kein anderes deutsches Tauchportal sagt es so deutlich: An ägyptischen Tauchbasen läuft die Fachsprache auf Englisch. Der Nutzen des Arabischen liegt woanders — bei Höflichkeit, Zahlen und den Sätzen für den Ernstfall.
Ehrlich vorweg: Der Guide in Hurghada sagt regulator, BCD und safety stop. Selbst die offizielle ägyptische Tauchkammer CDWS schreibt auf ihrer arabischen Seite السنوركل – as-snorkel, also das englische Wort in arabischen Buchstaben. Wo die Behörde das Lehnwort benutzt, tut es der Guide erst recht. Im echten Tauchnotfall gilt deshalb: Englisch sprechen. Kammerpersonal und Basis verstehen decompression sickness, chamber und oxygen sicher – ein holprig ausgesprochenes arabisches Fachwort möglicherweise nicht.
Warum Lesen hilft: der Tankwagen am Kai
Das Bild oben habe ich im Hafen von Safaga aufgenommen. Ein Lastwagen steht am Kai, ein dicker Schlauch führt über die Pier ins Hafenbecken hinunter. Wer die Schrift auf dem Tank nicht lesen kann, hat freie Auswahl an Erklärungen: Da entsorgt jemand Abwasser. Da wird Bilgenwasser abgepumpt. Da tankt ein Boot Sprit – mitten zwischen den anderen.
Auf dem Tank steht ناقلة مياه صالحة للشرب – nāqilat miyāh ṣāliḥa li-š-šurb, Tankwagen für Trinkwasser. Der Schlauch füllt die Wassertanks der Boote, die unten am Kai liegen. Nichts weiter.
Genau dafür lohnen sich die paar Wörter. صالح للشرب (ṣāliḥ li-š-šurb) heißt „genießbar, trinkbar“ und steht auch an Hähnen und auf Schildern; das Gegenteil ist غير صالح للشرب (ghayr ṣāliḥ li-š-šurb) – kein Trinkwasser. Wer die beiden Zeilen auseinanderhalten kann, spart sich am Roten Meer eine Menge falscher Schlüsse – in die eine wie in die andere Richtung.
Zum Mitnehmen
Tauchwörterbuch Arabisch als PDF herunterladen – vier Seiten A4 mit 99 Einträgen in Originalschrift, Lautschrift und Deutsch. Ohne Anmeldung, Weitergabe ausdrücklich erwünscht.
So liest du die Lautschrift
| ع → ‘ | Kein deutscher Laut. Kehle kurz pressen. Wer ihn weglässt, wird trotzdem verstanden. |
| ح → h | Scharfes, gehauchtes h tief aus dem Rachen – kräftiger als das deutsche h. |
| خ → ch | wie in Bach |
| غ → gh | wie das französische r in Paris |
| ج → g | In Ägypten immer hartes g wie in gehen, nicht dsch. Das ist typisch ägyptisch. |
| ق → ’ | Im ägyptischen Dialekt meist Knacklaut: wa’t statt waqt. |
Großbuchstaben markieren die betonte Silbe.
Was der Taucher sagen muss
| أنا تعبان / تعبانة ana ta‘-BAAN / ta‘-BAA-na | Ich fühle mich nicht wohl. (m./w.) |
| أنا بردان / بردانة ana bar-DAAN / bar-DAA-na | Mir ist kalt. (m./w.) |
| إلحقوني! el-ha-’UU-ni | Hilfe! |
| أنا محتاج دكتور ana meh-TAAG dok-TOOR | Ich brauche einen Arzt. (w.: meh-TAA-ga) |
| فين غرفة الضغط؟ feen GHOR-fet ed-DAGHT | Wo ist die Druckkammer? |
| كلّم دان KAL-lem daan | Ruf DAN an. |
| عندي وجع ‘AN-di WA-ga‘ | Ich habe Schmerzen. |
| مش قادر أتنفّس mesh ’AA-der at-na-NAF-fes | Ich bekomme schlecht Luft. |
| شوية شوية shwAY-ya shwAY-ya | Langsam, ganz gemächlich. |
| حالة طارئة! HAA-la TAR-’a | Notfall! |
Höflichkeit und Alltag — der nützlichste Teil
Diese Wörter braucht man an der Basis mehr als jede Fachvokabel. Sie kosten nichts und ändern den Ton eines ganzen Tauchtags.
| السلام عليكو es-sa-LAA-mu ‘a-LEE-ku | Hallo – die Standardbegrüßung |
| إزيّك؟ ez-ZAY-yak (zu einer Frau: ez-ZAY-yek) | Wie geht’s? |
| الحمد لله el-HAM-du-lel-LAA | Gott sei Dank – die übliche Antwort darauf |
| شكراً · لو سمحت SHOK-ran · law sa-MAHT | Danke · Bitte, Entschuldigung |
| أيوه · لأ AY-wa · la’ | Ja · Nein |
| مفيش مشكلة ma-FIISH MOSH-ke-la | Kein Problem |
| معلش ma‘-LESH | Macht nichts, schon gut – das ägyptischste aller Wörter |
| خلاص · يلا cha-LAAS · YAL-la | Fertig, alles klar · Los geht’s |
| بكام ده؟ bi-KAAM da | Wie viel kostet das? |
| إمتى؟ · بكرة · النهارده EM-ta · BOK-ra · en-na-HAR-da | Wann? · morgen · heute |
| بقشيش ba’-SHIISH | Trinkgeld – in Ägypten fester sozialer Bestandteil, kein Almosen. Bootscrew, Kompressorwart und Guide erwarten es. |
Und ein praktischer Fallstrick beim Ablesen von Preisen: Die arabische ٥ sieht aus wie unsere 0, und die Null ٠ ist nur ein Punkt. Gelesen werden die Zahlen aber wie bei uns von links nach rechts.
Woran man eine zugelassene Basis erkennt
Die Chamber of Diving and Watersports ist die offizielle ägyptische Tauchkammer. Sie verlangt von ihren Mitgliedsbasen einen sichtbaren Aushang mit Stornoregelung, Notfallplan, Notrufnummern sowie Umwelt- und Sicherheitsregeln. Hängt dieser Aushang nicht da, ist das ein Warnzeichen – es ist der einfachste Prüfpunkt, den man als Gast hat.
Weiter schreibt die CDWS vor, dass an jedem Tauchort eine Sauerstoffeinheit bereitsteht, die mindestens 15 Liter pro Minute für mindestens zwanzig Minuten liefert, dazu Personal mit Erste-Hilfe- und Sauerstoffschulung. Beim Schnuppertauchen gilt: erst vier Grundfertigkeiten in maximal zwei Metern, danach höchstens zwölf Meter Tiefe. Beim Schnorcheln höchstens zwölf Gäste je Guide.
Ein Qualitätsmerkmal, das gerade deshalb aussagekräftig ist, weil es freiwillig ist: Green Fins. Das Umweltprogramm wird in Ägypten von der CDWS umgesetzt und kostet die Basis eine zusätzliche Gebühr. Wer zertifiziert ist, hat sich dafür entschieden.
Was verboten ist
Das ägyptische Umweltgesetz stellt das Beschädigen, Zerstören und Mitnehmen lebender Organismen einschließlich Korallen unter Strafe: Geldstrafe und bis zu einem Jahr Haft, dazu die Einziehung der benutzten Ausrüstung. Die CDWS führt zusätzlich Fisch- und Haifütterung sowie das Missachten der Bojenregeln als Verstoß, der die Basis selbst trifft.
Ein gesetzliches Handschuhverbot gibt es nicht – das ist eine verbreitete Fehlinformation. Es steht im Green-Fins-Verhaltenskodex, den ägyptische Basen ausgeben, und die Begründung ist einleuchtend: Handschuhe verleiten zum Anfassen.
Zwei Punkte, die nichts mit Tauchen zu tun haben und trotzdem in jeden Ägypten-Ratgeber gehören: Die Einfuhr von Drohnen ohne vorherige Genehmigung der ägyptischen Zivilluftfahrtbehörde ist untersagt, mit Beschlagnahme und Strafverfolgung. Und Militär- und Polizeieinrichtungen, ihre Fahrzeuge und ihr Personal dürfen nicht fotografiert werden – am Roten Meer betrifft das Marinehäfen, Kontrollpunkte und militärisch genutzte Inseln.
Druckkammern und Notruf
Druckkammern gibt es in Dahab, Sharm el-Sheikh, El Gouna, Hurghada, Safaga, Marsa Alam und Hamata. Die Einzelnummern stehen hier bewusst nicht: Mehrere der von der CDWS veröffentlichten Mobilnummern sind unvollständig und so nicht wählbar. Eine geratene Notrufnummer wäre gefährlicher als keine.
Was man sich stattdessen einspeichert, sind die beiden Regionalnotrufnummern der CDWS für Tauchunfälle: Süd-Sinai – Sharm, Dahab, Nuweiba – unter +20 127 360 0001, und Rotes Meer – Hurghada, El Gouna, Safaga, Marsa Alam – unter +20 127 360 0002. Dazu die DAN-Europe-Hotline +39 06 4211 5685; eine eigene ägyptische DAN-Nummer gibt es nicht. Ägyptische Notrufe: 122 Polizei, 126 Touristenpolizei, 123 Rettungsdienst, 180 Feuerwehr; seit 2022 wird zusätzlich die 112 aufgebaut.
Häufige Fragen
Quellen und weiterführende Links
- CDWS, Rules & Regulations und Audit-Manual, Fassung Oktober 2025, abgerufen am 16.09.2026
- CDWS, Medical Facilities (Druckkammerliste), abgerufen am 16.09.2026
- Ägyptisches Umweltgesetz Nr. 102 von 1983 (Naturschutzgebiete, Korallen)
- Auswärtiges Amt, Ägypten – Reise- und Sicherheitshinweise, abgerufen am 16.09.2026
Siehe auch: Tauchwörterbuch-Übersicht · Tauchwörterbuch Englisch · Nitrox
