U-583 und U-649 in der Ostsee gefunden: warum diese Wracks niemand betauchen sollte

Taucher schwebt frei im blauen Wasser neben dem Bug eines auf Sand liegenden Schiffswracks, darüber ein Fischschwarm
Beim ersten Wracktauchgang bleibt man außen – von dort sieht man beide Geschichten des Wracks. Foto: Pascal Ingelrest / Pexels

Der Fund in Kürze

  • U-583 wurde im Juli 2026 von polnischen Wracktauchern des Vereins Stowarzyszenie Wyprawy Wrakowe rund 90 Kilometer nördlich von Ustka gefunden – in etwa 70 Metern Tiefe.
  • Das Boot vom Typ VII C sank am 15. November 1941 nach einer Kollision mit U-153. 45 Männer starben, Durchschnittsalter rund 24 Jahre.
  • Im selben Jahr wurde U-649 lokalisiert, gesunken am 24. Februar 1943, ebenfalls nach Kollision mit einem deutschen Boot: 35 Tote, 11 Überlebende.
  • Beide Wracks sind Kriegsgräber. Eine Bergung ist nicht geplant – an Bord liegen Torpedos und Sprengstoff. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge warnt vor Plünderungen und hat teilweise Tauchverbotszonen gefordert.

Wenn in der Ostsee ein U-Boot gefunden wird, ist die erste Reaktion unter Tauchern vorhersehbar: Wo genau? Wie tief? Kommt man ran? Bei diesen beiden Wracks ist die Antwort auf die letzte Frage kurz – man sollte nicht.

Was gefunden wurde

Die polnischen Taucher, die die Ostsee seit Jahren systematisch absuchen, haben im Juli 2026 U-583 identifiziert. Das Boot liegt rund 90 Kilometer nördlich der Küste bei Ustka in etwa 70 Metern Tiefe. Es war am 15. November 1941 mit U-153 kollidiert und sofort gesunken; keiner der 45 Männer an Bord überlebte. U-649 ging am 24. Februar 1943 auf ähnliche Weise verloren – auch hier war es kein Feindeinwirken, sondern ein Zusammenstoß mit einem eigenen Boot.

Bei U-649 sind nach Angaben der Finder eine Luke und Torpedorohre offen. Das ist der Grund für die Sorge des Volksbunds: Offene Zugänge laden zum Eindringen ein, und was aus einem U-Boot verschwindet, taucht auf Sammlerbörsen wieder auf.

Kriegsgrab heißt Kriegsgrab

Ein Wrack, in dem Menschen gestorben sind und deren sterbliche Überreste sich noch darin befinden, ist eine Grabstätte – rechtlich je nach Flaggenstaat und Fundort unterschiedlich geschützt, sittlich eindeutig. Für die Praxis heißt das dreierlei:

  • Nichts mitnehmen. Kein Instrument, kein Typenschild, keine Patrone. Was an einem Kriegsgrab liegt, gehört dorthin.
  • Nicht eindringen. Das gilt hier doppelt: wegen der Toten und wegen der Munition. Torpedowaffen und Sprengstoff aus dem Zweiten Weltkrieg werden mit dem Alter nicht sicherer.
  • Nichts anfassen, was nach Munition aussieht. In der Ostsee liegen schätzungsweise Zehntausende Tonnen Kampfmittel aus zwei Weltkriegen. Wer darauf stößt, meldet die Position – und hält Abstand.

Und die tauchtechnische Seite

Auch ohne diese Gründe wäre U-583 kein Sporttauchziel. 70 Meter Tiefe sind Dekompressionstauchen – jenseits der 40-Meter-Grenze des Sporttauchens, mit Trimix, Stagenflaschen, Dekompressionsplanung und einer Oberflächenorganisation, die einen Zwischenfall auffangen kann. Dazu kommt die Ostsee: kaltes Wasser über die ganze Wassersäule, oft schlechte Sicht, mehr als 90 Kilometer bis zur Küste. Das ist eine Expedition, kein Tauchgang.

Bleibt die Frage, warum man so einen Fund trotzdem meldet, wenn niemand hinsoll. Weil die Angehörigen es sind, die nach solchen Booten suchen. Für sie ist die Position das Ende einer Ungewissheit, die in manchen Familien über achtzig Jahre alt ist. Dass diese Wracks unberührt bleiben, ist das, was die Taucher, die sie gefunden haben, ausdrücklich fordern.

Siehe auch: Wracktauchen, Dekompression, Höhlentauchen.

Quellen und weiterführende Links

Über Divemaster Tom 29 Artikel
Tom führt zu Tauchplätzen, Wracks und Tauchreisezielen und schreibt auf, was man vor Ort wissen muss: Einstieg, Bedingungen, Regeln. Lange Jahre Divemaster, heute SSI Open Water Scuba Instructor und CMAS-Tauchlehrer.

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