Der Kompass ist beim Tauchen ein Magnetkompass in einer flüssigkeitsgefüllten Kapsel, mit dem sich unter Wasser ein Kurs setzen und halten lässt. Er braucht weder Strom noch Empfang noch Sicht und funktioniert im trüben Baggersee genauso wie im Blauwasser. Damit ist er das einzige Navigationsmittel, das auch dann noch arbeitet, wenn alles andere ausfällt.
Aufbau
Die Bauteile sind bei praktisch allen mechanischen Modellen dieselben. Tauchliebe beschreibt sie so:
- Kompassscheibe. Sie „dreht sich frei im Gehäuse und zeigt dir die Richtung an“ und trägt Leuchtmarkierungen, damit sie auch bei schlechtem Licht ablesbar bleibt.
- Gradskala. Die 360-Grad-Teilung, auf der der Kurs abgelesen wird.
- Flüssigkeitsfüllung. Sie „dämpft die Bewegung der Scheibe und verhindert ein Zittern“ — ohne sie wäre die Rose bei jeder Flossenbewegung in Schwingung.
- Drehbare Lünette. Der Ring mit den Marken, auf dem der gewünschte Kurs eingestellt und festgehalten wird.
- Sichtfenster. Ein seitliches Fenster, durch das sich der Kurs ablesen lässt, ohne den Kompass zu kippen.
Kurs setzen und halten
Der Kurs wird gesetzt, bevor es unter Wasser geht. Scubapro beschreibt für den Ufereinstieg, man stelle sich „mit dem Rücken zum Wasser“ auf und drehe „den Stellring am Kompass so, dass der Nordpfeil genau auf die Hauptmarkierung zeigt“. Damit ist die Richtung zurück an Land gespeichert, bevor man sie braucht.
Unter Wasser gilt dann eine Regel, an der sich fast alles entscheidet: Der Kompass muss waagerecht liegen. Die Zeitschrift TAUCHEN formuliert es knapp: „Mechanische Kompasse müssen horizontal gehalten werden, um präzise Messungen zu gewährleisten.“ Tauchliebe rät, ihn „immer waagrecht vor dir, am besten mit beiden Händen“ zu halten und die Peilung regelmäßig zu prüfen — schon wenige Grad Neigung verfälschen den Kurs.
Praktisch heißt das: Kompass mittig vor dem Körper, Unterarme angelegt, und die Richtung über den ganzen Körper ändern, nicht über die Hände. Wer den Kompass mit einer Hand vor sich herschwenkt, navigiert seinen Arm, nicht sich selbst.
Der Rückweg
Für die einfachste aller Übungen — Hinweg und Rückweg auf derselben Linie — wird der Kurs um 180 Grad gedreht und die Strecke zurückgeschwommen. Die Entfernung wird dabei fast immer unterschätzt; sie gehört über Flossenschläge oder Zeit mitgezählt. Dafür gibt es die Koppelnavigation.
Wo der Kompass lügt
Ein Magnetkompass zeigt dorthin, wo das stärkste Magnetfeld ist — und das ist unter Wasser nicht immer der Norden. Scubapro warnt ausdrücklich für Wracktauchgänge: „viele Wracks bestehen großteils aus Eisenwerkstoffen. Nimmst du deine Anfangspeilungen zu nahe am Wrack, wird deine Kompassnadel nicht nach Norden, sondern zum Wrack zeigen.“ Die Peilung gehört deshalb genommen, „solange du noch an der Ankerleine und ausreichend über dem Wrack bist“.
Dieselbe Störung geht von Stahlflaschen, Blei, Lampengehäusen und Bootsrümpfen aus. Die weiteren typischen Fehler sind laut Tauchliebe das Schräghalten, das Ignorieren der Strömung, die den Taucher seitlich versetzt, das Unterschätzen von Entfernungen und das Starren auf den Kompass, statt nebenbei Geländemarken mitzunehmen.
Mechanisch oder elektronisch
Viele Tauchcomputer haben inzwischen einen elektronischen Kompass an Bord. Der wesentliche Unterschied liegt in der Lagetoleranz: Elektronische Kompasse können, so TAUCHEN, „unabhängig von der Neigung des Tauchers präzise Messungen liefern, da sie über Neigungssensoren verfügen“. Sie brauchen dafür Strom und gelegentlich eine Kalibrierung.
Ich halte beides für sinnvoll und rate dazu, den mechanischen Kompass auch dann mitzunehmen, wenn der Computer einen eingebaut hat — nicht aus Misstrauen gegen die Elektronik, sondern weil ein Gerät, das für genau eine Aufgabe da ist, sich unter Wasser schneller bedienen lässt als ein Menü.
Üben, bevor es darauf ankommt
Kompassnavigation lässt sich vollständig an Land lernen. TAUCHEN empfiehlt genau das: „Das Einstellen und Folgen eines Kurses sowie das Zurückfinden zum Ausgangspunkt können in einem Park oder auf einem offenen Gelände simuliert werden.“ Wer ein Dreieck auf einer Wiese sauber zurückläuft, hat den schwierigen Teil hinter sich; unter Wasser kommen nur noch Lage und Strömung dazu.
Quellen
- Tauchliebe: Kompass beim Tauchen richtig benutzen — Bauteile, Handhabung, Gegenkurs und die häufigsten Fehler
- Scubapro: Unterwassernavigation lernen — Kurssetzen bei Ufer- und Bootstauchgang, magnetische Störung durch Wracks
- TAUCHEN: Der Tauchkompass — Aufbau, Anwendung, Training — waagerechte Lage, Neigungssensoren elektronischer Kompasse, Trockenübung an Land
Zur Quellenlage: Alle drei Fundstellen sind Praktiker- beziehungsweise Herstellerquellen; eine Norm oder ein Verbandsstandard zum Tauchkompass liegt keiner der Angaben zugrunde. TAUCHEN verweist für die vollständige Bauteilbeschreibung auf die Druckausgabe 10/2024, die hier nicht wiedergegeben ist. Zur magnetischen Missweisung enthält keine der Quellen eine Angabe; sie ist deshalb nicht behandelt.
