Tauchhandschuhe

Ein Paar schwarze Neopren-Tauchhandschuhe mit genoppter Griffbeschichtung und Klettverschluss am Handgelenk liegt auf einem nassen Holzsteg.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Tauchhandschuhe sind Handbekleidung aus Neopren oder wasserdichtem Kunststoff, die die Hände beim Tauchen vor dem Auskühlen und vor Verletzungen an Fels, Wrack und Bewuchs schützt. Sie sind das Ausrüstungsteil, an dem sich Wärmeschutz und Fingerfertigkeit am deutlichsten widersprechen: Jeder Millimeter Material, der die Hand wärmer hält, macht das Greifen, Schnallen und Zeichengeben schwerer. Wer in heimischen Seen taucht, kommt ohne sie nicht aus.

Warum die Hände zuerst frieren

Wasser entzieht dem Körper Wärme ungleich schneller als Luft. Alert Diver nennt dafür den Faktor 20 bis 27. Hände und Finger treffen dabei zwei Umstände zusammen: Sie haben im Verhältnis zu ihrem Volumen eine große Oberfläche, und der Körper drosselt bei Kälte zuerst die Durchblutung der Gliedmaßen, um den Rumpf warm zu halten. Deshalb werden die Finger klamm, lange bevor der Taucher friert.

Als Tauchlehrer sehe ich die Folge regelmäßig im Bergsee: Nicht die Kälte beendet den Tauchgang, sondern die Hand, die den Inflator nicht mehr sicher trifft. Wer sich später unterkühlt fühlt, hat meist schon eine halbe Stunde vorher aufgehört, die Finger richtig zu spüren.

Nassneopren: Stärke, Schnitt, Griff

Der Regelfall ist der Handschuh aus Neopren. DAN gibt die gebräuchlichen Stärken mit 0,5 Millimetern für tropisches Wasser bis 7 Millimetern für kaltes Wasser an. Dazwischen liegt die gesamte heimische Praxis: 3 Millimeter für den Sommersee, 5 Millimeter für die Übergangszeit, 7 Millimeter für den Winter.

DAN fasst den Zusammenhang in vier nüchterne Sätze: Mit Handschuhen ist es wärmer als ohne, trockene Handschuhe sind wärmer als nasse, Dreifinger-Fäustlinge sind wärmer als Fünffingerhandschuhe, und mehr Neopren ist wärmer als weniger. Der Fäustling gewinnt, weil drei Finger sich gegenseitig wärmen statt einzeln auszukühlen — er kostet dafür die Feinmotorik.

Entscheidend ist die Passform. Ein zu weiter Handschuh tauscht seine Wasserschicht bei jeder Bewegung aus und wärmt kaum noch; ein zu enger schnürt die Durchblutung ab und kühlt die Hand erst recht. Die Manschette am Handgelenk soll unter dem Ärmel des Anzugs liegen oder mit ihm überlappen, damit dort kein Kanal für einströmendes Wasser entsteht.

Trockenhandschuhe

Beim Trockentauchanzug gibt es die konsequente Lösung: den Trockenhandschuh, der über ein Ring- oder Manschettensystem an den Anzug angeschlossen wird und die Hand vollständig trocken hält. DAN beschreibt die gebräuchliche Bauart als flexible Schale aus PVC, die über einem Unterzieher getragen wird — die Wärme leistet der Unterzieher, die Dichtheit die Schale.

Ein Punkt daran ist sicherheitsrelevant: DAN verlangt eine Belüftungsverbindung zwischen Handschuh und Anzug, etwa über ein Gewebeband oder einen kleinen Schlauch. Ohne sie wird der Handschuh beim Abstieg zusammengedrückt und klemmt die Hand ein; beim Aufstieg bläht er sich auf. Mit Verbindung folgt der Handschuh dem Anzuginnendruck.

Was Handschuhe kosten

Der Preis ist die Feinmotorik. DAN formuliert es so: Je mehr Neopren um die Finger liegt und je steifer oder voluminöser der Handschuh ist, desto schwerer fällt die Verständigung über Handzeichen und das Schreiben. Dasselbe gilt für jede Schnalle, jeden Karäbiner und jeden Reißverschluss. Wer im Winter taucht, sollte seine Ausrüstung deshalb einmal mit Handschuhen durchgehen, bevor er sie im Wasser braucht — und das Blei so führen, dass es sich auch mit 7 Millimetern an den Fingern lösen lässt.

Wo Handschuhe nicht getragen werden dürfen

An einigen Riffen sind sie untersagt. DAN nennt als Beispiel das Great Barrier Reef und als Begründung, dass Handschuhe ein trügerisches Sicherheitsgefühl geben können — wer die Hände geschützt weiß, fasst eher an. Für ein Korallenriff ist das ein ernster Punkt: Eine berührte Koralle nimmt Schaden, auch wenn der Taucher nichts davon merkt. Vor einer Reise gehört die Regelung des Reviers deshalb in die Planung.

Quellen

  • DAN, Hand Protection — trägt die Stärken von 0,5 bis 7 Millimetern, den Vergleich Fäustling gegen Fünffingerhandschuh, die Bauart der Trockenhandschuhe samt Belüftungsverbindung, den Verlust an Fingerfertigkeit und das Handschuhverbot am Great Barrier Reef.
  • Alert Diver, Hypothermia — der Faktor 20 bis 27 für die Wärmeleitung von Wasser gegenüber Luft.

Zur Quellenlage: Die Angaben zu Stärken und Bauarten stützen sich auf die Darstellung von DAN; eine Produktnorm für Tauchhandschuhe ist dort nicht genannt. Die Zuordnung einzelner Neoprenstärken zu bestimmten Wassertemperaturen ist Praxis, keine Herstellervorgabe.

Welche Neoprenstärke brauche ich in deutschen Seen?
DAN gibt die Spanne der gebräuchlichen Stärken mit 0,5 Millimetern für tropisches Wasser bis 7 Millimetern für kaltes Wasser an. Ein deutscher See liegt im Sommer im mittleren, im Winter am oberen Ende dieser Spanne. Wer unsicher ist, geht eine Stufe dicker und prüft vorher an Land, ob er damit noch alle Schnallen seiner Ausrüstung bedienen kann.
Fünffingerhandschuh oder Fäustling?
Der Dreifinger-Fäustling ist nach DAN wärmer, weil die Finger sich gegenseitig wärmen. Er kostet dafür Feinmotorik. Die Entscheidung hängt davon ab, was im Tauchgang gebraucht wird: Wer navigiert, Wetnotes führt oder mit kleinen Schnallen arbeitet, ist mit fünf Fingern besser bedient.
Warum braucht ein Trockenhandschuh eine Verbindung zum Anzug?
Ohne Druckausgleich wird die Luft im Handschuh beim Abstieg zusammengedrückt; der Handschuh legt sich eng um die Hand und behindert sie. DAN verlangt deshalb eine Belüftungsverbindung zum Anzug — ein Gewebeband oder einen kleinen Schlauch —, damit Handschuh und Anzuginnenraum denselben Druck führen.
Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.