Nachhaltig tauchen auf einen Blick
- Was Green Fins ist: ein 2004 gegründetes Zertifizierungssystem für nachhaltigen Meerestourismus, umgesetzt von der Reef-World Foundation gemeinsam mit dem UN-Umweltprogramm UNEP.
- Woran es ansetzt: an 15 Umweltstandards für Tauchbasen und Schnorchelanbieter — nicht am guten Vorsatz einzelner Gäste.
- Konkret genannte Punkte: Ankerpraktiken vermeiden, keine Fischfütterung, chemische Verschmutzung vermeiden, Verhaltensregeln beim Tauchen einhalten.
- Der wirksamste Einzelhebel für den Taucher: die eigene Tarierung. Wer nicht kontrolliert schwebt, berührt den Untergrund — Absicht spielt dabei keine Rolle.
- Der zweitwirksamste: die Wahl der Basis. Eine Basis mit Bojenfeld und Briefing richtet mehr aus als hundert Gäste mit guten Absichten.
„Nachhaltig tauchen“ ist einer der Begriffe, die in der Tauchbranche viel benutzt und wenig gefüllt werden. Auf Prospekten steht er neben Fotos von unberührten Riffen, und was ein Gast daraus mitnimmt, ist meistens ein Gefühl und kein Handgriff.
Dabei gibt es eine Ordnung in der Sache, und sie ist überraschend nüchtern: Der größte Teil des Schadens, den Tauchtourismus anrichtet, entsteht nicht am einzelnen Taucher, sondern an der Organisation drumherum. Wo geankert wird, wie viele Boote an einem Riff liegen, ob gefüttert wird, was mit dem Abwasser passiert — das sind Entscheidungen der Basis, nicht des Gastes.
Green Fins: der Ansatz an der Basis
Genau dort setzt Green Fins an. Die Initiative wurde 2004 gegründet und wird von der Reef-World Foundation gemeinsam mit dem UN-Umweltprogramm (UNEP) umgesetzt. Sie beschreibt sich als erstes unabhängiges Zertifikat gegen die Umweltwirkungen des meeresbasierten Tourismus.
Kern sind 15 Umweltstandards, an denen sich zertifizierte Tauch- und Schnorchelanbieter messen lassen. Ausdrücklich genannt werden dabei:
- Ankern vermeiden. Ein Anker auf Korallen zerstört in Sekunden, was Jahrzehnte gebraucht hat. Feste Bojenfelder sind die Alternative.
- Keine Fischfütterung. Sie verändert das Verhalten der Tiere und die Zusammensetzung der Gemeinschaft am Riff.
- Chemische Verschmutzung vermeiden. Das betrifft Abwasser und Reinigungsmittel der Basis ebenso wie das, was Gäste auf der Haut mitbringen.
- Einhaltung des Code of Conduct beim Tauchen selbst.
Der vollständige Code of Conduct ist ein eigenes Dokument, das über die Green-Fins-Seite verfügbar ist; die Übersichtsseite listet die 15 Standards nicht im Einzelnen auf. Wer die vollständige Fassung braucht, lädt sie dort herunter.
Was der einzelne Taucher tatsächlich in der Hand hat
Die folgenden Punkte sind meine Einordnung als Tauchlehrer, nicht Zitate aus dem Green-Fins-Standard — sie decken sich aber mit dem, was jede Riffbasis im Briefing sagt.
1. Tarierung — der Punkt, an dem alles hängt
Es gibt keinen zweiten Faktor, der so viel ausmacht. Ein Taucher, der nicht kontrolliert schwebt, stützt sich ab, tritt auf, wirbelt Sediment auf, das sich auf Korallen legt — und er tut es nicht aus Böswilligkeit, sondern weil er beschäftigt ist.
Der häufigste Grund für schlechte Tarierung ist Übergewichtung. Wer zu viel Blei trägt, gleicht das mit Luft im Jacket aus, korrigiert ständig nach und steht schräg im Wasser — mit der Folge, dass der Flossenschlag nach unten geht. Der Bleicheck ist damit eine Umweltschutzmaßnahme, auch wenn er nie so genannt wird.
2. Nichts anfassen — und die Ausrüstung nicht baumeln lassen
Die Regel kennt jeder. Was seltener gesagt wird: Ein hängendes Manometer, ein loser Oktopus oder eine baumelnde Kamera fasst genauso an, nur ohne dass man es merkt. Streamlining ist deshalb nicht nur eine Frage des Luftverbrauchs.
3. Die Wahl der Basis
Das ist der Hebel, den Gäste unterschätzen. Eine Basis, die an Bojen festmacht statt zu ankern, die Gruppengrößen begrenzt, die im Briefing über Verhalten am Riff spricht und die nicht füttert, richtet mehr aus als jeder einzelne Gast. Wer danach auswählt und es der Basis auch sagt, verändert Anreize.
4. Sonnenschutz und Chemie
Green Fins nennt chemische Verschmutzung ausdrücklich. Zur Wirkung einzelner Sonnencreme-Inhaltsstoffe auf Korallen gibt es eine Diskussion — belastbar ist der einfache Weg: mechanischer Schutz durch Lycra oder Anzug statt Creme. Der wirkt unabhängig davon, wie die Debatte ausgeht.
Was Symbolik bleibt
Ehrlichkeit gehört dazu: Nicht alles, was unter „nachhaltig tauchen“ firmiert, wirkt gleich viel.
Ein Clean-up-Tauchgang, bei dem zwanzig Taucher eine halbe Stunde lang Müll aus einem Hafenbecken holen, ist gut für das Becken und noch besser für das Bewusstsein der Beteiligten — er ändert nichts an der Menge, die nachkommt. Das macht ihn nicht sinnlos, aber man sollte ihn nicht mit Wirkung verwechseln.
Umgekehrt gilt: Die Anreise mit dem Flugzeug zum Riff ist, gemessen an CO₂, in aller Regel der größte Posten einer Tauchreise. Wer darüber schweigt und dafür über Strohhalme spricht, betreibt Symbolik. Der ehrliche Schluss daraus ist nicht, das Fliegen aufzugeben — sondern seltener und dafür länger zu fahren, und die heimischen Gewässer nicht als Notlösung zu betrachten.
Häufige Fragen zum nachhaltigen Tauchen
Siehe auch: Tarierjacket · Bleimenge berechnen
Quellen und weiterführende Links
- Green Fins: About Green Fins – Gründung 2004, Trägerschaft durch Reef-World Foundation und UNEP, 15 Umweltstandards, genannte Verhaltenspunkte, Selbstbeschreibung zur Wirkung
- The Reef-World Foundation: Sustainable Marine Tourism – Trägerorganisation und Standards

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