Ein Halbtrockenanzug ist ein Nassanzug mit dichteren Abschlüssen: Dichtmanschetten an Armen, Beinen und Hals und ein wasserdichter Reißverschluss halten den Wasseraustausch klein. Trocken wird er nicht — Wasser gelangt weiterhin hinein, es wird nur kaum noch gewechselt. Er schließt die Lücke zwischen dem 7-mm-Nassanzug und dem Trockentauchanzug.
Was ihn vom Nassanzug unterscheidet
Konstruktiv ist es wenig, in der Wirkung viel. Die deutschsprachige Wikipedia nennt zwei Merkmale: einfache oder doppelte Dichtmanschetten aus Neopren an den Ärmeln, an den Füßen und am Gesicht oder Hals sowie einen wasser- oder gasdichten Reißverschluss. Beim gewöhnlichen Nassanzug sind genau das die Stellen, an denen das Wasser eintritt.
Der Gewinn liegt nicht darin, dass weniger Wasser im Anzug steht, sondern dass es dort stehen bleibt. Wärme geht im Nassanzug vor allem dann verloren, wenn bei jeder Bewegung kaltes Wasser nachströmt und erwärmtes hinausgedrückt wird. Die Manschetten unterbinden diesen Durchzug weitgehend.
Übliche Stärken
Die Wikipedia führt für Halbtrockenanzüge Materialstärken zwischen 5 und 8 mm. Im Handel ist die Bezeichnung 8/7 mm gebräuchlich — acht Millimeter am Rumpf, sieben an Armen und Beinen, wo mehr Beweglichkeit gebraucht wird. scuba.com ordnet den 8/7-mm-Halbtrockenanzug in seiner Temperaturübersicht zwei Bereichen zu: als Alternative zum 7-mm-Nassanzug zwischen etwa 10 und 16 °C und als Alternative zum Trockenanzug zwischen etwa 5 und 10 °C.
Das sind Richtwerte aus einer Kaufberatung, keine Norm. Die vollständige Zuordnung von Wassertemperatur und Anzugstärke steht beim Tauchanzug.
Die Abgrenzung nach beiden Seiten
| Nassanzug | Halbtrockenanzug | Trockenanzug | |
|---|---|---|---|
| Wasser im Anzug | ja, wird ausgetauscht | ja, bleibt weitgehend stehen | nein |
| Was wärmt | das geschäumte Neopren | das geschäumte Neopren | Luftschicht und Unterzieher |
| Ventile | keine | keine | Ein- und Auslassventil |
| Eigene Ausbildung | nein | nein | ja, eigener Spezialkurs |
Die dritte und vierte Zeile hängen zusammen: Weil der Halbtrockenanzug keine Ventile trägt, muss unterwegs auch nichts an ihm bedient werden. Er verhält sich für den Taucher wie ein Nassanzug — was die Tarierung angeht wie das Verhalten im Notfall. Das ist sein eigentliches Argument gegenüber dem Trockenanzug: mehr Wärme ohne zusätzliche Technik.
Worauf es beim Sitz ankommt
Bei keiner Bauart wirkt sich ein schlechter Sitz so unmittelbar aus. Ein Halbtrockenanzug, dessen Manschetten nicht anliegen, ist ein schwerer und steifer Nassanzug ohne dessen Vorteile. Beim Anprobieren gehören deshalb die Manschetten zuerst geprüft: Sie müssen rundum auf der Haut aufliegen, ohne einzuschnüren, und dürfen sich beim Anziehen nicht umschlagen.
Als Tauchlehrer rate ich außerdem, den Reißverschluss im Laden mehrfach zu schließen. Ein wasserdichter Reißverschluss läuft deutlich schwerer als ein gewöhnlicher, und wer ihn allein nicht zubekommt, hat am kalten Seeufer ein Problem, das der Anzug nicht wieder einbringt.
Auftrieb
Für die Tarierung gilt dasselbe wie beim Nassanzug: Das Gas im Neopren erzeugt Auftrieb, und dieser Auftrieb geht mit der Tiefe zurück, weil die Gasbläschen zusammengedrückt werden — siehe Gesetz von Boyle-Mariotte. Weil ein 8/7-mm-Anzug dicker ist als der gewohnte 5- oder 7-mm-Nassanzug, verlangt der Umstieg einen neuen Bleicheck.
Quellen
- Wikipedia: Tauchanzug — einfache oder doppelte Dichtmanschetten aus Neopren an Ärmeln, Füßen und Gesicht oder Hals, wasser- oder gasdichter Reißverschluss, Materialstärke 5 bis 8 mm. Wiki-Quelle, ohne Normbezug.
- scuba.com: Wetsuit Thickness Guide — Einordnung des 8/7-mm-Halbtrockenanzugs in die Temperaturbereiche um 10 bis 16 °C und 5 bis 10 °C. Kaufberatung des Handels; die Aufteilung acht Millimeter am Rumpf und sieben an den Gliedmaßen ist die im Handel gebräuchliche Lesart der Bezeichnung und steht dort nicht ausgeschrieben.
- SSI: Dry Suit Diving — Beleg dafür, dass der Trockenanzug einen eigenen Spezialkurs verlangt, der Halbtrockenanzug dagegen nicht.
