In Italien ist die Signalboje kein guter Rat, sondern Pflicht — und am Gardasee gilt dafür ein anderes Gesetz als am Meer. Wer beides kennt, spart sich Ärger, der teuer werden kann.

Zwei Dinge vorweg. GAV steht für giubbotto ad assetto variabile und ist das Tarierjacket – dieses Kürzel fällt in jedem Briefing. Und die Signalboje ist Pflicht: rote Flagge mit weißem Diagonalstreifen, auf 300 Meter sichtbar, der Taucher bleibt im 50-Meter-Radius, Boote halten 100 Meter Abstand. Der Kassationshof hat 1997 entschieden, dass die Pflicht für jeden Taucher gilt und nicht nur für Harpunenfischer.

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Der Gardasee folgt anderen Regeln als das Meer

Das ist der Befund, der deutschsprachigen Tauchern am häufigsten fehlt. Am Gardasee gilt nicht das seerechtliche Dekret, sondern der abgestimmte Text der Regionalgesetze von Lombardei, Trentino und Venetien. Dessen Artikel 21 verlangt im Grundsatz Boje mit derselben Flagge plus Begleitboot – aber Absatz 2 stellt ausdrücklich klar: Beim Ufertauchgang genügt die Boje allein.

Dazu kommen fünf konkrete Verbotszonen: Fährrouten, Hafenzufahrten, Badezonen, Schilfgürtel und Wasserski-Bahnen. Die Sanktion steht im Gesetzestext noch in Lire – 200.000 bis 1.000.000, umgerechnet rund 103 bis 516 Euro. Das ist eine Umrechnung, keine amtliche Zahl.

Am Meer greift dagegen die seerechtliche Regelung, und der Verstoß ist keine Bagatelle: Nach Art. 1231 des Schifffahrtsgesetzbuchs und Art. 650 Strafgesetzbuch drohen Haft bis zu drei Monaten oder Geldstrafe.

Die Wörter, die man kennen muss

il GAV = giubbotto ad assetto variabileTarierjacket. Umgangssprachlich auch il jacket, englisch ausgesprochen.
l’erogatoreAtemregler, mit primo und secondo stadio
la bombolaTauchflasche – niemals tanica sagen, das ist ein Kanister
la frustader Schlauch, wörtlich „Peitsche“
la zavorra / il piomboBlei insgesamt / das einzelne Bleistück
la curva di sicurezzaNullzeit – so definiert es die FIPSAS
la sosta di sicurezzaSicherheitsstopp, drei Minuten auf fünf Metern
la boa segnasubdie gesetzlich vorgeschriebene Oberflächenboje
il pedagnoverankerte Markierungsboje aus Grundgewicht, Leine und Schwimmkörper – nicht dasselbe wie boa. Wer „ci immergiamo sul pedagno“ hört, steigt an der gesetzten Boje ab.
l’assettoTarierung, in drei Abstufungen: positivo, neutro, negativo

An der Basis buchen

Vorrei prenotare due immersioni dalla barca per domani.Ich möchte für morgen zwei Bootstauchgänge buchen.
Vorrei una bombola con nitrox 32. Quanto costa il supplemento?Ich hätte gern eine Flasche mit Nitrox 32. Was kostet der Zuschlag?
Il prezzo è per immersione o per giornata?Gilt der Preis pro Tauchgang oder pro Tag?
Che cosa è incluso nel prezzo? La bombola, la ricarica e la zavorra sono comprese?Was ist im Preis enthalten? Sind Flasche, Füllung und Blei dabei?
A che ora è il ritrovo e a che ora il briefing?Wann ist der Treffpunkt und wann das Briefing?
Fate anche immersioni da riva?Macht ihr auch Ufertauchgänge?
Che cosa succede se l’immersione viene annullata per il maltempo? Rimborsate?Was passiert bei Wetterstorno? Erstattet ihr?
Si può pagare con la carta oppure solo in contanti?Karte oder nur bar?

Was der Guide im Briefing sagt

Restiamo in curva di sicurezza, niente decompressione.Wir bleiben in der Nullzeit, keine Deko.
Scendiamo lungo la sagola del pedagno, tutti insieme.Wir tauchen alle gemeinsam an der Leine der Markierungsboje ab.
Scendete lentamente e compensate spesso.Taucht langsam ab und macht oft Druckausgleich.
A cento bar avvisatemi, a cinquanta bar iniziamo la risalita.Bei hundert bar Bescheid sagen, bei fünfzig beginnt der Aufstieg.
La risalita è lenta, massimo nove metri al minuto.Der Aufstieg ist langsam, höchstens neun Meter pro Minute.
Prima di risalire lancio il pallone di segnalazione.Vor dem Auftauchen schieße ich die Signalboje ab.
Non toccate niente e non asportate nulla dal fondale: siamo in area marina protetta.Nichts anfassen, nichts mitnehmen: Wir sind im Meeresschutzgebiet.
Se ci perdiamo di vista: un minuto di ricerca, poi si risale in superficie.Bei Trennung: eine Minute suchen, dann auftauchen.

Die Sätze, die sitzen müssen

Non mi sento bene, salto questa immersione.Mir geht es nicht gut, ich lasse diesen Tauchgang aus.
Non riesco a compensare l’orecchio destro. Oggi non mi immergo.Ich bekomme das rechte Ohr nicht frei. Heute tauche ich nicht.
Ho freddo, preferisco una muta più spessa.Mir ist kalt, ich hätte lieber einen dickeren Anzug.
Vorrei restare sopra i venticinque metri.Ich möchte über fünfundzwanzig Metern bleiben.
Ho un problema con l’erogatore: eroga in continuo.Der Regler bläst ab.
Consumo abbastanza in fretta: avvisatemi quando sono a cento bar.Ich verbrauche schnell, sagt mir bei hundert bar Bescheid.
Domani volo. Quando posso fare l’ultima immersione?Ich fliege morgen. Wann darf ich den letzten Tauchgang machen?
A quanti bar torniamo indietro?Bei wie viel bar kehren wir um? – Für den Umkehrdruck gibt es kein festes italienisches Substantiv, man fragt nach der Zahl.

Attest, Schutzgebiete, Notfall

Das italienische Attest heißt amtlich certificato di idoneità sportiva non agonistica, wird vom Hausarzt oder Sportmediziner ausgestellt und gilt ein Jahr. Rechtlich hängt die Pflicht am organisierten Vereinssport – die Basen verlangen es trotzdem über das Check-in-Formular. Wer eines braucht, kennt jetzt den genauen Wortlaut, der daraufstehen muss.

Die aree marine protette arbeiten mit Zonen A bis D und unterscheiden zwischen geführtem Tauchgang und freiem Tauchgang mit Genehmigung. Die Kosten trägt in der Regel das Tauchcenter und legt sie um: Im Meeresschutzgebiet Tavolara zahlt es 300 Euro Antragsgebühr plus 1,50 Euro je Gast und Tauchplatz.

Ein Punkt aus der italienischen Leitlinie, der kurz und eindeutig ist und deshalb hierher gehört: nessuna ricompressione in acqua – keine Rekompression im Wasser. Die erste Maßnahme ist Sauerstoff, mindestens 15 Liter pro Minute, dazu die telefonische Beratung durch einen Taucharzt.

Häufige Fragen

Wofür steht GAV?
Für giubbotto ad assetto variabile, wörtlich „Jacke mit veränderlicher Tarierung“ – das Tarierjacket, international BCD. Der Inflator heißt förmlich V.I.S., Variable Inflating System; an der Basis sagt man meist einfach l’inflator.
Brauche ich am Gardasee ein Begleitboot?
Beim Ufertauchgang nicht. Der abgestimmte Regionaltext verlangt im Grundsatz Boje plus Begleitboot, stellt aber in Absatz 2 ausdrücklich klar, dass beim Tauchgang vom Ufer die Boje allein genügt.
Was ist der Unterschied zwischen boa und pedagno?
Die boa segnasub ist die vorgeschriebene Oberflächenboje mit Flagge. Das pedagno ist eine gesetzte Markierungsboje aus Grundgewicht, Leine und Schwimmkörper, mit der ein Wrack oder eine Kante markiert wird – an ihr taucht man ab. Die aufblasbare Dekoboje heißt wieder anders: boa di decompressione.
Wird mein deutsches Tauchtauglichkeitszeugnis akzeptiert?
In der Praxis meist ja. Normiert ist das aber nicht – es ist Basispraxis, keine Rechtslage. Wer sichergehen will, fragt vorher per Mail nach, ob das GTÜM-Formular genügt oder ob ein italienisches Attest verlangt wird.

Quellen und weiterführende Links

  • D.P.R. 1639/1968 Art. 130 in der Fassung des D.P.R. 219/1983, heute gebündelt in Art. 91 DM 146/2008 (Signalboje); Cassazione civile Sez. I, 09.09.1997 Nr. 8780
  • Koordinierter Text der Regionalgesetze Lombardei 20/1994, Trentino 9/2001 und Venetien 52/1989 und 20/1992, Art. 21 (Gardasee)
  • DM 24.04.2013 Art. 3 und DM Gesundheitsministerium 08.08.2014 (ärztliches Attest)
  • FIPSAS, Tabellenwerk 2017 (Terminologie, Nullzeit)

Siehe auch: Tauchwörterbuch-Übersicht · Nullzeit · Sicherheitsstopp