Korallenriff

Ein tropischer Riffhang mit verzweigten und tafelförmigen Steinkorallen, davor ein Schwarm kleiner Riffbarsche.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Ein Korallenriff ist eine im Meer von riffbildenden Nesseltieren aufgebaute Kalkstruktur, die groß genug wird, um ihre Umgebung physikalisch und ökologisch zu prägen. Aufgebaut wird sie im Wesentlichen von Steinkorallen, die in Symbiose mit einzelligen Algen leben. Für Taucher ist das Riff der meistbesuchte Lebensraum überhaupt — und der empfindlichste, den sie betauchen.

Wer das Riff baut

Die Wikipedia definiert das Korallenriff als „eine von hermatypischen (riffbildenden) Nesseltieren gebildete Riffstruktur im Meer, die groß genug wird, um einen bedeutenden physikalischen und ökologischen Einfluss auf ihre Umgebung auszuüben“, und nennt als Baumeister die Steinkorallen (Scleractinia). Das Kompaktlexikon der Biologie bei Spektrum beschreibt dasselbe von der Bauweise her: Das Riff werde „hauptsächlich durch Kalk abscheidende, in Kolonien lebende Steinkorallen“ aufgebaut.

Entscheidend ist, dass die Koralle das nicht allein leisten kann. In ihrem Gewebe leben Zooxanthellen — nach Spektrum „gelbbraune einzellige Endosymbionten“, die fotoautotroph sind und „wesentlich zur Ernährung der Polypen“ beitragen. Die Koralle ernährt sich also zu einem erheblichen Teil von dem, was ihre Untermieter aus Sonnenlicht erzeugen. Daraus folgt alles Weitere.

Warum Riffe dort liegen, wo sie liegen

Weil die Algen Licht brauchen, sind riffbildende Korallen an die durchleuchtete Wasserschicht gebunden. Spektrum gibt den Bereich mit „meist bis 25 m, bei klarem Wasser bis 170 m“ an. Und weil die Symbiose Wärme verlangt, liegen die Riffe in den Tropen: Spektrum nennt Temperaturen von über 20 °C als Wachstumsbedingung, die Wikipedia formuliert es von der anderen Seite — Korallen überlebten Wassertemperaturen, die 20 °C „nur sehr selten unterschreiten“.

Das erklärt, warum ein Riffhang genau die Zone bewohnt, in der auch der Sporttaucher unterwegs ist. Es erklärt auch, warum Sichtweite am Riff selten das Problem ist: Wo Korallen wachsen, ist das Wasser klar, denn trübes Wasser nimmt ihnen das Licht.

Die drei Riffformen

Die klassische Einteilung geht auf Charles Darwin zurück und unterscheidet drei Gestalten:

  • Saumriff — es liegt unmittelbar an der Küste; die Wikipedia beschreibt es als Riff, das sich „in direkter Küstennähe, entlang des Festlandes“ erstreckt.
  • Barriereriff — es ist der Küste vorgelagert und von ihr durch eine Lagune getrennt, nach der Wikipedia „durch eine 30 bis 70 Meter tiefe Lagune“. Das größte Beispiel ist das Great Barrier Reef, nach Spektrum „mit rund 2000 km Länge“.
  • Atoll — nach Spektrum ein ringförmiges Riff, das eine zentrale Lagune umschließt; die Wikipedia ergänzt die hufeisenförmige Variante.

Wie langsam solche Gebilde entstehen, macht eine Zahl bei Spektrum anschaulich: Ein 50 Meter hohes Riff ist danach etwa 1800 Jahre alt. Das ist der Maßstab, an dem jede Flossenberührung zu messen ist.

Korallenbleiche

Gerät die Koralle unter Stress, wirft sie ihre Algen ab. Die NOAA beschreibt den Vorgang so: Wenn Korallen durch veränderte Bedingungen wie Temperatur, Licht oder Nährstoffe unter Stress geraten, stoßen sie die symbiotischen Algen aus. Zurück bleibt das weiße Kalkskelett, das durch das durchscheinende Gewebe sichtbar wird. Wichtig, weil oft missverstanden: „When a coral bleaches, it is not dead“ — eine gebleichte Koralle ist nicht tot und kann sich erholen, solange der Stress nicht schwer und dauerhaft ist.

Das Ausmaß, das solche Ereignisse erreichen können, zeigt die Wikipedia am Great Barrier Reef: 2016 blichen dort bei der bis dahin schwersten dokumentierten Bleiche „rund 90 % der Riffe zumindest teilweise“ aus.

Was das für den Tauchgang bedeutet

Am Riff entscheidet die Tarierung darüber, ob ein Tauchgang Spuren hinterlässt. Wer nicht sicher schwebt, stützt sich ab — und stützt sich am Riff immer auf Lebendes. Als Tauchlehrer halte ich es für die wichtigste Riffregel überhaupt, die Tarierung im Freiwasser zu üben und nicht über der Koralle. Dazu kommen die Ausrüstung, die eng am Körper geführt gehört, damit nichts nachschleift, und ein Blick auf die Regeln des Reviers: An einigen Riffen sind Tauchhandschuhe untersagt, weil sie das Anfassen erleichtern. Wo Strömung steht, gehört der Abstand zum Riff eher größer gewählt, nicht kleiner.

Quellen

Zur Quellenlage: Spektrum und die Wikipedia sind Lexikonquellen, keine meereskundliche Primärliteratur; die Tiefenangabe „bis 170 m“ stammt allein aus dem Spektrum-Eintrag. Die NOAA-Seite nennt keine allgemeingültige Temperaturschwelle für das Einsetzen der Bleiche.

Ist eine gebleichte Koralle tot?
Nein. Die NOAA hält ausdrücklich fest, dass eine gebleichte Koralle nicht tot ist. Sie hat ihre symbiotischen Algen abgestoßen und damit ihre wichtigste Nahrungsquelle verloren; erholt sie sich rechtzeitig, nimmt sie die Algen wieder auf. Bleibt der Stress schwer und dauerhaft, stirbt sie.
Warum gibt es Korallenriffe nur in warmen Meeren?
Riffbildende Steinkorallen leben in Symbiose mit Zooxanthellen, die Licht und Wärme brauchen. Spektrum nennt Temperaturen von über 20 °C als Wachstumsbedingung, die Wikipedia formuliert, dass Korallen Temperaturen überleben, die 20 °C nur sehr selten unterschreiten. Ohne diese Symbiose entsteht kein Riffwachstum in nennenswerter Geschwindigkeit.
Was unterscheidet Saumriff, Barriereriff und Atoll?
Das Saumriff liegt unmittelbar an der Küste. Das Barriereriff ist ihr vorgelagert und durch eine Lagune getrennt, nach der Wikipedia 30 bis 70 Meter tief. Das Atoll ist ein ring- oder hufeisenförmiges Riff um eine zentrale Lagune, bei dem die Insel in der Mitte fehlt.
Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.