Das Backplate ist eine starre Rückenplatte aus Metall oder Kunststoff, die beim Tauchen die Tragefunktion einer Tarierweste übernimmt. An ihr werden der Wing als Auftriebskörper, das Harness als Begurtung und die Flasche befestigt. Aus drei austauschbaren Teilen entsteht so ein Tariersystem, das ein Jacket in einem einzigen Stück abbildet.
Was die Platte im System leistet
DAN beschreibt das System knapp: „Backplate systems consist of three basic components: a rigid (usually metal) plate, a harness system and a back-inflation air cell.“ Die Platte ist dabei das Rückgrat. Sie verbindet Flasche, Auftriebskörper und Taucher zu einer verwindungsfreien Einheit, und weil sie aus Metall besteht, trägt sie einen Teil des Bleis, das sonst am Gurt hängt. DAN beziffert den Abtrieb einer Edelstahlplatte mit rund sechs Pfund.
Der zweite Punkt ist die Modularität. Bei einem Jacket sind Tragen, Tarieren und Flaschenbefestigung in einem Bauteil vereint; beim Backplate sind es drei Teile, die einzeln getauscht werden können. SSI beschreibt das als den praktischen Vorteil: Das System lasse sich auf den einzelnen Taucher zuschneiden, und „the wing can also be easily swapped for a wing with a greater lift capacity“.
Maße, Falz und Lochbild
Eine Standardplatte ist höher als breit. Halcyon gibt für die Standardgröße 26 cm × 39,3 cm an, für die kurze Ausführung 23,1 cm × 35,6 cm und für die lange 26,7 cm × 45 cm. Übliche Materialstärke sind 3 mm; bei schweren Edelstahlplatten werden auch 6 mm angeboten.
Die Platte ist nicht flach. Über die Hochachse läuft ein erhabener Mittelfalz, ein zentraler Kanal, der bei Doppelgeräten die Schrauben der Flaschenschellen aufnimmt und die Muttern versenkt, damit sie nicht in den Rücken drücken. Die untere Kante ist zusätzlich abgewinkelt, damit die Platte dem Rücken folgt.
Im Falz sitzen oben und unten die Befestigungsbohrungen. Ihr Abstand ist herstellerübergreifend genormt: 11 Zoll, also 27,94 cm, von Mitte zu Mitte. Dive Rite und xDeep nennen dieses Maß gleichlautend, xDeep dazu einen Bohrungsdurchmesser von 12 mm. Dass ausgerechnet ein Zollmaß zum weltweiten Standard wurde, erklärt PADI mit einer Anweisung von Lamar Hires: „Just drill into the plate two inches down from the top and two inches up from the bottom.“ Viele Platten haben oben nicht eine, sondern mehrere übereinanderliegende Bohrungen; Apeks begründet das mit der Höhenverstellung von Flasche und Auftriebskörper.
Dazu kommen die Schlitze. Waagerechte Schlitze links und rechts des Falzes nehmen die Flaschenbänder auf — klassisch je einer oben und unten, bei Apeks je vier, was der Hersteller mit besserer Seitenstabilität der Flasche begründet. Oben sitzen schräg und gerade stehende Schlitze für die Begurtung, im unteren Drittel innere und äußere Schlitze für den Hüftgurt und in der Mitte unten ein breiter Schlitz für den Schrittgurt, bei Apeks zwei Zoll breit.
Edelstahl, Aluminium, Carbon
Das Material entscheidet über das Gewicht und damit über den Trimm und den Bleibedarf. Herstellerangaben für die jeweilige Standardgröße:
- Edelstahl 304: Halcyon 2,22 kg, Apeks WTX 2,15 kg
- Aluminium: Halcyon 0,77 kg, Apeks WTX 780 g
- Carbon: Halcyon 0,54 kg
Im Markt kursieren weitere Spannen — für Edelstahl werden 2,5 bis 5 kg genannt —, die deutlich über den herstellerbelegten Einzelwerten liegen. Wer sein Blei nach einer solchen Spanne plant, rechnet mit einer Zahl, die für sein Modell nicht belegt ist; maßgeblich bleibt die Herstellerangabe zur eigenen Platte. Zur Bleiersparnis nennen deutsche Fachhändler 2,5 bis 5 kg beziehungsweise rund 3 kg gegenüber einem Jacket. Auch das sind Praktikerangaben, keine Messwerte.
Die Materialwahl ist damit eine Abwägung: Edelstahl bringt Trimmgewicht dorthin, wo es im Kaltwasser mit Trockenanzug hilft. Aluminium und Carbon sparen Fluggepäck, verlangen aber mehr Blei am Gurt.
Wie Flasche und Wing daran sitzen
Bei einer Einzelflasche liegt zwischen Platte und Flasche ein Single Tank Adapter (STA), an dem die Flaschenbänder angreifen. Die Montagereihenfolge steht im Halcyon-Handbuch: „Place the wing on top of the STA through the bolts, then the backplate on top of the wing.“ Der Auftriebskörper wird also zwischen Platte und Adapter geklemmt und von den beiden Bolzen gegen Verrutschen gesichert. Beim Doppelgerät entfällt der Adapter: Die Platte wird über die Schrauben der Flaschenschellen mit Flügelmuttern an die Flaschen geschraubt, der Wing liegt dazwischen.
xDeep formuliert für diesen Arbeitsschritt eine Warnung, die man nicht überlesen sollte: „An incorrectly connected tank may unexpectedly detach from the harness.“ Halcyon verlangt deshalb vor jedem Tauchgang eine letzte Kontrolle der Bandspannung, weil Nylonbänder nachgeben, wenn sie nass werden.
Woher das System kommt
Die erste Metallplatte baute nach Darstellung von PADI der Höhlentaucher Greg Flanagan im Jahr 1979 an der University of Florida — aus einem entwendeten Stoppschild aus Aluminium und Gurtband eines Marine-Harness. Anlass waren die unhandlichen Bauchtaschen, die er im Höhlentauchkurs mit einem Jacket kombinieren musste. 1984 brachte Lamar Hires die Bauart bei Dive Rite in den Handel. Die zugehörige Konfiguration entwickelte in den achtziger und neunziger Jahren Bill „Hogarth“ Main im Umfeld des Woodville Karst Plain Project; 1998 gründete Jarrod Jablonski GUE, 2000 Halcyon. Der oft gehörte Satz, das System stamme von Halcyon, geht also um gut zwanzig Jahre fehl.
Wann sich der Umstieg lohnt — und wann nicht
In der Ausbildung sehe ich den Umstieg meistens dann, wenn jemand anfängt, Stages zu tragen, auf ein Doppelgerät geht oder mit dem Trockenanzug unzufrieden im Wasser liegt. Genau dort spielt das System seine Stärken aus: freier Oberkörper für seitlich geführte Flaschen, bessere Aussicht auf eine waagerechte Wasserlage, Passform über alle Körpergrößen.
SSI nennt aber auch die Kehrseite, und sie ist ehrlicher als die meisten Werbetexte: Das System könne „less comfortable“ sein, besonders für Ungeübte, und der Rückenauftrieb habe „a tendency to push the diver’s head forward on the surface“. DAN formuliert dasselbe schärfer — Rückenauftriebskörper drehen den Taucher an der Oberfläche eher auf das Gesicht, vor allem wenn sie zu groß oder zu voll sind. Wer an der Oberfläche wartet, bleibt mit einem Wing in Rückenlage, nicht aufrecht.
Zwei weitere Punkte gehören in die Abwägung. Zum Kern des Systems gehören keine integrierten Bleitaschen; sie sind Zubehör, etwa Halcyons Taschenpaar mit zusammen 10 lbs Kapazität und Notabwurf. Und die Montage will gelernt sein: SSI hält fest, das korrekte Zusammenbauen sei „a skill in its own right and something that all divers‘ who begin using such a system should be taught from the outset“.
Quellen
- DAN, Alert Diver: Backplate Buoyancy Systems — Dreiteilung des Systems, Abtrieb der Edelstahlplatte, Vor- und Nachteile des Rückenauftriebs
- SSI: Welcher Auftriebskörper ist der beste? — Vergleich mit dem Jacket, Trimm, Oberflächenlage, Lernaufwand
- PADI: The Story Behind the Backplate — Flanagan 1979, Dive Rite 1984, Herkunft des 11-Zoll-Maßes. Verbandsredaktion mit erzählendem Charakter, keine Quellenforschung
- Halcyon: Stainless Steel Backplate und Aluminum Backplate — Maße und Gewichte je Größe
- Apeks: WTX Backplate — Schlitzbild, Bohrungen, Schrittgurtschlitz, Gewichte
- Dive Rite: Single Tank Adapter und xDeep: ZEN Manual (PDF) — 11-Zoll-Maß, Bohrungsdurchmesser, Warnung zur Flaschenbefestigung
- Halcyon: BC Owner’s Manual (PDF) — Montagereihenfolge mit STA, Kontrolle der Bandspannung
- 232bar.at und Tauchwerkstatt — deutsche Händlerquellen zur Bleiersparnis. Werbliche Tendenz, Zahlen ohne Messgrundlage
Zur Quellenlage: Die Gewichts- und Maßangaben stammen aus Herstellerdokumentation und gelten jeweils nur für das genannte Modell. Die im Markt kursierenden Spannen für Edelstahlplatten (2,5 bis 5 kg) liegen über allen hier belegten Einzelwerten und stammen aus Wiki- und Praktikerquellen. Zur Bleiersparnis gegenüber einem Jacket liegt keine Messreihe vor, sondern nur Händlerangaben.
