Widdauen-Seen tauchen: Zugang, Tauchzonen und was unter Wasser liegt

Gitterrost-Steg mit schwimmender Plattform auf einem ruhigen Baggersee, im Hintergrund bewaldetes Ufer
Die Steganlage mit Plattform: Einstieg ins Wasser an den Widdauen-Seen in Langenfeld.

Die Widdauen-Seen auf einen Blick

  • Kein öffentlicher See. Die beiden Seen liegen auf Privatgelände. Tauchen darf nur, wer über einen Verein oder eine Tauchschule mit Nutzungsrecht kommt — zum Beispiel in einem Kurs des SSI-Tauchcenters tauchbar aus Leverkusen.
  • Zwei Seen, ein Gelände: Widdauen 1 und Widdauen 2 in Langenfeld-Reusrath, eingerahmt von A 59 und A 542. Der Hitdorfer See nebenan ist ein eigenes Gewässer mit eigener Basis.
  • Tiefe: Widdauen 2 erreicht laut Tiefenkarte des Landesumweltamts NRW 21,13 Meter. In Widdauen 1 liegt die tiefste Stelle bei rund 19 Metern.
  • Tauchzonen: In beiden Seen sind große Teile gesperrt — Naturschutz, Angelzone, Uferschutz. Getaucht wird nur in den ausgewiesenen Zonen und nur über die befestigten Einstiege.
  • Füllen: Keine Füllstation am See, der Betrieb von Kompressoren ist dort verboten. Flaschen kommen gefüllt mit.
  • Notfall: Alle Zufahrten tragen Tornummern. Wer die 112 wählt, nennt „Gut Widdauen, Langenfeld“ und die Tornummer.

Die Widdauen-Seen sind zwei geflutete Kiesgruben zwischen Langenfeld, Monheim und Leverkusen-Hitdorf — und einer der wenigen Plätze im Rheinland, an denen man ohne Badebetrieb, ohne Ruderboote und ohne Tagesausflügler ins Wasser kommt. Der Grund dafür ist derselbe, an dem die meisten Anfragen scheitern: Das Gelände ist privat, eingezäunt und nur für berechtigte Vereine und Tauchschulen geöffnet.

Wer hier tauchen will, braucht deshalb nicht in erster Linie eine Wegbeschreibung, sondern einen Zugang. Danach kommt die zweite Frage, die an diesen Seen wichtiger ist als anderswo: Wo darf man überhaupt ins Wasser? Beides steht in diesem Beitrag vorn.

Schattiger Pfad zwischen Bäumen, der auf einen Steg am See zuführt
Kurze Wege: Vom Gelände zwischen den Seen geht es zu Fuß zum Steg. Eigene Aufnahme.

Zwei Seen auf Privatgelände — und keiner davon ist öffentlich

Die Seen gehören zum Gut Widdauen im Langenfelder Ortsteil Reusrath. Die Notfallkarte der Seenverwaltung führt sie als „Widdauen Seen Privatgelände, Tauch- und Angelgewässer“. Beide sind beim Abbau von Sand und Kies entstanden; zwischen ihnen liegt das Gelände des früheren Kieswerks, von dem aus die Einstiege zu Fuß erreichbar sind. Eingerahmt wird das Gelände von der A 59 und der A 542 mit dem Autobahnkreuz Monheim/Langenfeld.

Das Gelände ist verpachtet. Tauchberechtigungen vergeben nicht die Seen selbst, sondern die Vereine und Tauchschulen, die dort Nutzungsrechte haben. Für Einzeltaucher heißt das: Es gibt keine Tageskarte am Tor und kein Kassenhäuschen. Der Weg ins Wasser führt über eine Mitgliedschaft, über eine Gastberechtigung in Begleitung eines berechtigten Tauchers oder über einen Kurs.

Der einfachste dieser Wege ist der Kurs. Ich bilde an den Widdauen-Seen für das SSI-Tauchcenter tauchbar aus Leverkusen aus; die tauchbar bietet die SSI-Ausbildung vom Einsteiger bis zum Tauchlehrer an. Wer als Gast mit einer Tauchschule an den See kommt, braucht dieselben Nachweise wie überall: ein Brevet, das zum geplanten Tauchgang passt, und eine gültige Tauchtauglichkeit.

Nicht verwechseln: Der Hitdorfer See liegt rund einen Kilometer südlich, zu Fuß etwa 20 Minuten entfernt, auf Leverkusener Stadtgebiet. Er ist ein eigenes Gewässer mit eigener Tauchbasis. Viele Tauchplatzportale werfen die drei Seen durcheinander, nennen Tiefen, die zu keinem von ihnen passen, oder beschreiben Widdauen mit Zugangsregeln von vor fünfzehn Jahren.

Tauchzonen und Sperrflächen: Der Plan entscheidet, nicht der Einstieg

Beide Seen sind nicht vollständig betauchbar. Das ist der Punkt, der Neulingen am häufigsten entgeht, weil man die Grenzen von Land aus nicht sieht.

Widdauen 2, auf den Karten auch „Widdauensee Ost“, liegt im Osten des Geländes. Die Tiefenkarte, die das Landesumweltamt NRW — heute Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK) — im November 2001 hat erstellen lassen, weist eine maximale Tiefe von 21,13 Metern aus. Große Flächen des Sees liegen zwischen 10 und 20 Metern, die Uferbänke fallen vergleichsweise schnell ab. Die Tauchzone liegt im nördlichen Teil; der südliche Bereich ist auf der Karte als „zum Tauchen gesperrt“ schraffiert. Die Steganlage als Taucheinstieg liegt am Westufer, auf der Seite des früheren Kieswerks. Von der Ostseite aus nutzen Vereine eigene Einstiege an den Toren 14, 17 und 19.

Widdauen 1 liegt westlich davon, zwischen A 542 und A 59. Der Tiefenplan zeigt ein bewegtes Bodenrelief mit steilen Kanten und einer tiefsten Stelle bei rund 19 Metern. Hier ist der Anteil der Sperrflächen noch größer: Ein großer Teil des Sees ist als Naturschutzbereich zum Tauchen gesperrt, dazu kommen ein weiterer gesperrter Bereich und eine Angelzone im Süden. Betaucht wird der nördliche Teil über den Taucheinstieg am Ostufer.

Daraus folgt eine einfache Regel: Vor dem ersten Tauchgang an Land auf die Karte sehen — mit dem Tauchlehrer, dem Verein oder dem Buddy, der den See kennt. Wer einfach losschwimmt, landet schnell in einer Zone, in der er nichts verloren hat.

Befestigter Einstieg aus Betonplatten mit Metallgeländer am Seeufer, klares Flachwasser
Befestigter Einstieg mit Geländer. Die Uferzonen daneben bleiben tabu. Eigene Aufnahme.

Was unter Wasser wartet

Die Widdauen-Seen sind keine Objektseen mit versenkten Bussen und Flugzeugen. Ihr Reiz ist die naturbelassene Unterwasserlandschaft: Unterwasserwiesen im Flachwasser, Kanten, an denen es in die Tiefe geht, und eine Fischfauna, die man an einem Badesee in dieser Dichte selten sieht.

Im Flachwasser wachsen nach Angaben der Basis am Hitdorfer See unter anderem Ähriges Tausendblatt, Glänzendes und Krauses Laichkraut, Wasserpest und Seerosen. Zwischen den Pflanzen stehen Schwärme von Rotaugen und Barschen, dazu kommen Hechte, Karpfen, Aale und Krebse. Die Vereine am See berichten, dass Hechte dort ganzjährig zu sehen sind, Barsche und Karpfen vor allem in der warmen Jahreszeit. Auch Süßwasserquallen werden aus den Seen gemeldet — harmlose, etwa münzgroße Tiere, die ihre Medusen nur in heißen Sommern bei Wassertemperaturen über 25 Grad bilden.

Dazu kommt, was Vereine und Schulen im Lauf der Jahre eingebracht haben: Übungsplattformen in verschiedenen Tiefen, Reste von Booten, Schilder, Tontöpfe und Skulpturen. Für die Ausbildung sind die Plattformen das Wichtigste — dort lassen sich Übungen auf festem Grund machen, ohne den Boden aufzuwirbeln, und der Schritt zur Übung im freien Wasser ist kurz.

Bei den Sichtweiten nennen die Tauchschulen am See Werte bis zu zehn Metern. Das ist ein guter Tag, kein Durchschnitt. Nach der Algenblüte im Frühsommer, nach Starkregen oder wenn eine Gruppe vor einem den Grund aufgewirbelt hat, sind es deutlich weniger. Und wie in jedem tiefen Baggersee bildet sich im Sommer eine Sprungschicht: Oben ist das Wasser angenehm, darunter bleibt es kalt. Wer mit dem Nassanzug im Juli auf 15 Meter geht, merkt den Unterschied sofort.

Ruhige Wasserfläche mit bewaldetem Ufer und Hochspannungsmasten am Horizont, Weidenzweige im Vordergrund
Ruhiges Wasser, kein Badebetrieb: Die Seen sind Tauch- und Angelgewässer. Eigene Aufnahme.

Anfahrt, Tore und der Ernstfall

Angefahren wird über die Straße Gut Widdauen in Langenfeld-Reusrath. Die übliche Zufahrt zum Gelände zwischen den beiden Seen ist Tor 5. Dort liegen die Parkflächen und das frühere Betriebsgelände, von dem aus die Einstiege zu Fuß erreichbar sind — über eine Steganlage mit Leiter und befestigte Einstiege. Wer mit einer Tauchschule kommt, bekommt Treffpunkt und Tor vorher genannt.

Die Tornummern sind mehr als eine Wegbeschreibung. Das Gelände hat 19 nummerierte Zufahrten, dazu Feuerwehrzufahrten an mehreren Seiten. Die Notfallkarte der Seenverwaltung ist nach genau diesen Nummern aufgebaut. Wer im Ernstfall die 112 wählt, sagt deshalb nicht „am Baggersee bei Langenfeld“, sondern: „Widdauen-Seen, Gut Widdauen in Langenfeld-Reusrath, Tor 5“ — und schickt jemanden zum Tor, der die Rettungskräfte einweist. Die Notfallkarte nennt diese Reihenfolge ausdrücklich: Bergung, Vitalfunktionen prüfen, Erste Hilfe, Lagerung, Notruf, Einweisung der Rettungskräfte.

Weil es am See keine Tauchbasis mit Personal gibt, gehört die Notfallausrüstung zur Gruppe: Sauerstoff, Erste-Hilfe-Material, ein geladenes Telefon. Das gilt für jeden Vereins- oder Clubausflug, nicht nur für Kurse. Wer die ersten Minuten nach einem Zwischenfall noch einmal durchgehen will, findet das im Beitrag über den Buddy-Check vor dem Tauchgang und über Signalmittel an der Oberfläche.

Füllen: Der Betrieb eines Kompressors ist am Tauchsee aus Wasserschutzgründen verboten. Flaschen werden vorher gefüllt. Die nächste Füllstation ist die Tauchbasis am Hitdorfer See. Für einen Kurstag heißt das praktisch: zwei gefüllte Geräte pro Person einplanen, nicht eines und eine Zwischenfüllung.

Was sonst gilt: kein Baden, kein Camping, Fahrzeuge nur auf den gekennzeichneten Flächen, Grillen ausschließlich mit Gasgrill. Die Uferzonen außerhalb der Einstiege werden nicht betreten — sie sind der Grund, warum das Flachwasser hier so bewachsen ist.

Zwei Tauchflaschen mit Atemreglern und ein Jacket auf einem Tisch neben einer Schotterfläche
Aufrüsten auf dem Gelände zwischen den Seen. Gefüllt wird vorher, nicht am See. Eigene Aufnahme.

Aus der Praxis: warum ich hier ausbilde

Ich bin in den letzten zwei Jahren mindestens 40 bis 50 Mal im Jahr an den Widdauen-Seen gewesen, fast immer mit Kursen. Die Frage, warum ausgerechnet dort, beantwortet sich am Tor: Hinter dem Zaun ist Ruhe. Kein Schwimmer taucht neben der Gruppe auf, kein Tretboot fährt über die Plattform, und niemand steht mit dem Handtuch am Einstieg und fragt, was wir da machen. Für Tauchschüler ist das mehr wert als jede Sichtweite, weil die Aufmerksamkeit dort bleibt, wo sie hingehört — beim Atmen, bei der Tarierung, beim Buddy.

Der zweite Grund sind die kurzen Wege. Vom Aufrüsten bis zum Steg sind es ein paar Minuten zu Fuß, und die Plattformen liegen so, dass man eine Übung auf festem Grund beginnen und sie danach im freien Wasser wiederholen kann. Genau diese Wiederholung macht aus einer bestandenen Übung eine, die auch im Urlaub sitzt.

Worauf ich bei Gästen achte, die zum ersten Mal hier sind, sind drei Dinge. Erstens die Sperrzonen: Sie werden an Land auf der Karte gezeigt, nicht unter Wasser erklärt. Zweitens die Kälte in der Tiefe: Ein See, der oben nach Sommer aussieht, ist unter der Sprungschicht ein Kaltwassersee. Wer friert, atmet mehr, denkt langsamer und tariert schlechter — Handschuhe, Kopfhaube oder gleich der Trockenanzug sind hier keine Frage des Komforts. Drittens die Gasplanung: Weil am See nicht gefüllt wird, muss der Umkehrdruck am Anfang festgelegt werden und nicht erst, wenn der Finimeter sinkt.

Und wer nach dem Kurs wiederkommen will, sollte sich früh um einen dauerhaften Zugang kümmern. Die Seen sind nicht deshalb so angenehm, weil sie besonders tief oder besonders klar wären, sondern weil nicht jeder hineindarf. Das hat seinen Preis in Organisation — und ist jeden Tauchgang wert.

Häufige Fragen zu den Widdauen-Seen

Darf man in den Widdauen-Seen tauchen?
Ja, aber nicht auf eigene Faust. Die Seen liegen auf Privatgelände und sind nicht öffentlich zugänglich. Tauchen dürfen Mitglieder der Vereine mit Nutzungsrecht, Gäste in deren Begleitung und Teilnehmer an Kursen von Tauchschulen, die dort ausbilden — etwa der SSI-Tauchcenter tauchbar aus Leverkusen. Eine Tageskarte am Tor gibt es nicht.
Wie tief sind die Widdauen-Seen?
Widdauen 2 erreicht laut Tiefenkarte des Landesumweltamts NRW 21,13 Meter, große Teile des Sees liegen zwischen 10 und 20 Metern. In Widdauen 1 liegt die tiefste Stelle bei rund 19 Metern. Beachte, dass in beiden Seen große Bereiche zum Tauchen gesperrt sind.
Welche Voraussetzungen brauche ich?
Außerhalb eines Kurses ein Brevet, eine gültige Tauchtauglichkeit und die Genehmigung über einen Verein oder eine Tauchschule mit Nutzungsrecht. Für Tauchgänge tiefer als 18 Meter brauchst du bei SSI und PADI eine Weiterbildung über den Open Water Diver hinaus. Da es am See keine Basis mit Personal gibt, sollte jede Gruppe ihre eigene Notfallausrüstung mitbringen.
Kann ich an den Widdauen-Seen Flaschen füllen?
Nein. Der Betrieb eines Kompressors ist am See verboten. Bring deine Flaschen gefüllt mit; für zwei Tauchgänge planst du am besten zwei Geräte ein. Die nächste Füllstation ist die Tauchbasis am Hitdorfer See.
Wo liegt die Zufahrt, und was sage ich im Notfall?
Die Seen liegen am Gut Widdauen in Langenfeld-Reusrath, zwischen A 59 und A 542. Die übliche Zufahrt zum Gelände zwischen den Seen ist Tor 5. Im Notfall wählst du 112, nennst „Widdauen-Seen, Gut Widdauen, Langenfeld-Reusrath“ und die Tornummer, an der du dich befindest, und schicken jemanden zum Tor, der die Rettungskräfte einweist.

Siehe auch: Blausteinsee · Boschmolenplas in Panheel · Kaltwassertauchen für Einsteiger · Tauchen im Oktober: was im See passiert

Quellen und weiterführende Links

  • tauchbar – SSI-Tauchcenter in Leverkusen – Kurse an den Widdauen-Seen, SSI-Ausbildung vom Einsteiger bis zum Tauchlehrer
  • Landesumweltamt NRW: Widdauensee Ost (See 2), Karte 1: Tiefenzonen und Karte 2: 3D-Tiefenzonen, Maßstab 1:3.500, November 2001 – maximale Tiefe 21,13 m, Tiefenzonen, Tauchzone, gesperrter Bereich, Standort der Steganlage
  • Seenverwaltung Widdauen: Notfallkarte Widdauen Seen Langenfeld, Stand 04/2018 – Privatgelände, Tauch- und Angelgewässer, Tornummern, Feuerwehrzufahrten, Notfallplan
  • Tiefenplan Widdauen See 1 mit Tauchzone und Tornummern, 2018 – tiefste Stelle, Naturschutz- und Sperrbereiche, Angelzone, Taucheinstieg
  • Tauchbasis Café Strandgut: Flyer Widdauen Seen – erkunden, tauchen, genießen – Zugang über Tor 5, Steganlage mit Leiter, Pflanzen und Fischarten, Gasgrillregel
  • Seeordnung für den Tauchsee Widdauen 2 (Einstiege Tor 14, 17 und 19) – Kompressorverbot, Sperrzonen, Fischschutz- und Angelzone, Verbot von Baden und Camping
  • LANUK NRW: Ökologie von Stehgewässern – Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen, Nachfolgebehörde des Landesumweltamts, zur Untersuchung des Ökosystems von Seen und Talsperren
  • ELWAS-WEB – Wasserdaten NRW – Kartenanwendung des Landes zu Oberflächengewässern, Grundwasser und Wasserrahmenrichtlinie
  • TIM-online (Geobasis NRW) – amtliche Karten, Luftbilder und Höhenmodelle der Bezirksregierung Köln, um Lage, Ufer und Zufahrten nachzusehen
  • GTÜM e. V.: Liste zertifizierter Ärzte – Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin, Ärztinnen und Ärzte für die Tauchtauglichkeitsuntersuchung nach GTÜM-Richtlinien
  • NABU: Süßwasserquallen in heimischen Seen – zur Biologie von Craspedacusta sowerbii und dazu, warum die Medusen nur in heißen Sommern auftauchen

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