INT-Anschluss

Tauchflasche INT Anschluss
Tauchflasche mit INT Anschluss

Der INT-Anschluss ist die Bügelverbindung, mit der die erste Stufe eines Atemreglers von außen auf den Abgang des Flaschenventils geklemmt wird. Geläufig sind auch die Namen Bügelanschluss, A-Klemme und englisch Yoke; in der amerikanischen Normung heißt die Verbindung CGA 850. Sein Gegenstück ist der DIN- oder Gewindeanschluss, bei dem die erste Stufe in das Ventil geschraubt wird.

Wie die Verbindung zustande kommt

Der Bügel greift über den Kopf des Flaschenventils. Eine Rändelschraube auf der Rückseite läuft in eine kleine Vertiefung des Ventilkörpers und presst die Eintrittsöffnung der ersten Stufe gegen die plane Stirnfläche des Ventilabgangs. Abgedichtet wird nicht durch den Metallkontakt, sondern durch einen O-Ring, der in einer Nut in genau dieser Stirnfläche liegt. Die englische Wikipedia beschreibt das als Klemmverbindung, die „sealed by an O-ring in a groove in the contact face of the cylinder valve“ ist.

Die Gegenrichtung, der DIN-Anschluss, arbeitet umgekehrt: Dort schraubt sich ein Außengewinde der ersten Stufe in das Innengewinde des Ventils, und der O-Ring sitzt am Reglerstutzen. Beide Ausgangsanschlüsse sind in derselben Norm geregelt, ISO 12209 „Gas cylinders — Outlet connections for gas cylinder valves for compressed breathable air“. Das Ventil selbst mit seinen Bauformen behandelt der Eintrag Flaschenventil.

232 bar — die Druckgrenze des Bügels

ISO 12209:2013 lässt den Bügelanschluss ausdrücklich nur bis zu einem bestimmten Flaschenbetriebsdruck zu: „yoke type outlet connection for SCUBA use up to a maximum cylinder working pressure of 232 bar“. Für den Gewindeanschluss nennt dieselbe Norm „up to a maximum cylinder working pressure of 232 bar and 300 bar“. Damit ist die Arbeitsteilung normativ festgelegt: 300 bar gibt es nur als Gewinde, nie als Bügel.

Die Herstellerseite bestätigt das. Apeks führt die automatische Verschlusseinrichtung der ersten Stufe „in both DIN 300bar and Yoke 232bar“; Halcyon schreibt zum Bügeladapter, er lasse sich „up to 230-bar, according to the ISO norm“ verwenden.

Die Angaben gehen allerdings auseinander. In den Vereinigten Staaten wird für den Bügel ein Betriebsdruck von 3000 psi angesetzt; die ältere internationale Grenze lautete 230 bar, die englische Wikipedia nennt an einer Stelle 240 bar. Maßgeblich ist der Normwert, und bei einer Obergrenze gilt ohnehin der kleinere Wert: 232 bar.

Wo der O-Ring sitzt — und warum das der entscheidende Unterschied ist

Beim Bügel liegt der Dichtring offen in der Ventilstirnfläche. Er ist Transport, Sonne und Sand ausgesetzt, und er wird beim Anklemmen nur von der Klemmkraft in seiner Nut gehalten. Das Divers Alert Network beschreibt diese „external O-rings“ als „prone to cracking or extruding, which can compromise the seal between the first stage and the tank valve, allowing air to escape“. Beim DIN-Anschluss dagegen ist der Ring „captured“ und damit „often spared from undue exposure and wear and tear“.

Der typische Schaden heißt Extrusion. Reicht die Klemmkraft nicht aus, oder biegt ein Stoß gegen die erste Stufe den Bügel für einen Moment auf, öffnet sich ein Spalt zwischen den beiden Dichtflächen, und der Ring wird hindurchgedrückt. Die englische Wikipedia nennt die Folge „a potentially catastrophic leak“ und hält fest, dass das Risiko ungefähr mit dem Flaschendruck steigt. Das ist der sachliche Grund hinter der 232-bar-Grenze: Je höher der Druck, desto eher verlässt der Ring seine Nut.

In der Ausbildung lege ich deshalb Wert darauf, dass der Ventil-O-Ring vor jedem Anschließen angesehen wird — rissig, flachgedrückt oder eingerissen heißt tauschen, nicht tauchen.

Handfest, nicht mit Werkzeug

Die Bügelschraube wird von Hand angezogen, bis Metall auf Metall sitzt. Apeks schreibt: „hand tighten only – do not over tighten“. Zu lose heißt Extrusionsgefahr, zu fest heißt, dass sich die Verbindung nach dem Tauchgang ohne Werkzeug nicht mehr lösen lässt. Einen Drehmomentwert gibt es für diese Schraube nicht; die in Tabellen kursierenden Zahlen in Newtonmetern gehören zum Ventil im Flaschenhals, nicht zum Regleranschluss.

Adapter zwischen beiden Systemen

Eine Richtung ist üblich, die andere verboten.

  • DIN-Regler an INT-Ventil: Ein Bügeladapter wird auf den Gewindestutzen der ersten Stufe geschraubt und macht aus ihr einen Bügelregler. Das Lehrbuch für Forschungstaucher führt ihn als „ISO 12209-3 Adapter DIN → INT bis max. 230 bar“.
  • INT-Regler an DIN-Ventil: Apeks warnt ausdrücklich: „Adaptors from yoke 1st stage to a DIN cylinder valve must never be used. This would allow a greater working pressure to be used than the yoke connector is designed to take.“
  • Einschraubadapter im DIN-Ventil: Sie machen ein Gewindeventil bügeltauglich. Das Divers Alert Network grenzt sie ein: „DIN-to-yoke adapter inserts are compatible only with 200-bar DIN valves because their working pressure is similar to that of K-valves.“

Bügeladapter verlängern den Hebel an der ersten Stufe. Die englische Wikipedia hält sie deshalb für „slightly more vulnerable to O-ring extrusion than integral yoke clamps“.

Wo man ihm begegnet

Die Verbreitung ist regional verteilt. Das Divers Alert Network schreibt: „K-valves with yoke attachment points are the most commonly used valves in recreational scuba diving in the U.S., Mexico, Australia, Southeast Asia and much of the Caribbean. In some parts of the world, however, DIN […] valves predominate.“ Für Europa und den deutschsprachigen Raum gilt das Umgekehrte: Dort ist der Gewindeanschluss der Normalfall, im technischen Tauchen praktisch ausschließlich.

Praktisch heißt das: Wer mit eigenem DIN-Regler in die Karibik, nach Ägypten oder nach Südostasien fliegt, nimmt den Bügeladapter mit. Er wiegt wenig und ist vor Ort nicht immer zu bekommen.

Staubkappe

Die Kappe über der Eintrittsöffnung der ersten Stufe hält Spritzwasser und Schmutz fern; beim Bügel wird sie mit der Bügelschraube festgezogen. Sie dichtet nicht zuverlässig. Vor dem Anschließen wird das Flaschenventil deshalb kurz angelüftet, damit Wasser und Staub aus dem Abgang geblasen werden.

Passt ein INT-Regler an eine 300-bar-Flasche?
Nein. ISO 12209 lässt den Bügel nur bis 232 bar zu, und 300-bar-Ventile haben keinen Bügelsitz, sondern ein längeres Innengewinde. Apeks warnt ausdrücklich davor, mit einem Adapter nachzuhelfen, weil der Bügel dann einem Druck ausgesetzt würde, für den er nicht gebaut ist.
Was passiert, wenn der O-Ring herausgeblasen wird?
Das Atemgas entweicht schnell und laut. An der Oberfläche wird das Ventil zugedreht, der Bügel gelöst und der Ring ersetzt. Unter Wasser ist die einzige verlässliche Antwort die Wechselatmung an der alternativen Luftversorgung des Partners und ein kontrollierter Aufstieg — deshalb gehört dieser Fall in jedes Briefing, bevor er eintritt.
Woran erkenne ich, welchen Anschluss ein Ventil hat?
Ein INT-Ventil hat eine plane Stirnfläche mit sichtbarer O-Ring-Nut und auf der Rückseite eine kleine Vertiefung für die Bügelschraube. Ein DIN-Ventil hat statt der planen Fläche ein Innengewinde und keinen sichtbaren Dichtring. Viele 232-bar-Gewindeventile tragen zusätzlich den Bügelsitz und nehmen beides auf.

Quellen

Zur Quellenlage: Für die amerikanische Angabe von 3000 psi liegt keine zitierfähige Fundstelle vor; sie steht deshalb ohne Zuordnung im Text. Der Wortlaut von CGA V-1 ist kostenpflichtig. Die englische Wikipedia nennt für den Bügel an einer Stelle 240 bar und weicht damit von ISO 12209 ab; der Text folgt der Norm.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.