Buddy-Check

Zwei ausgeruestete Taucher stehen am Bootsheck einander zugewandt, einer prueft den Inflatorschlauch an der Tarierweste des anderen.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Der Buddy-Check ist die gegenseitige Ausrüstungskontrolle zweier Tauchpartner unmittelbar vor dem Abtauchen. Geprüft werden Tarierweste, Bleisystem, Schnallen und Gurte, die Gasversorgung und zum Schluss die übrige Ausrüstung. Er ist zugleich der Augenblick, in dem jeder lernt, wie die Ausrüstung des anderen aufgebaut ist — und das ist sein eigentlicher Zweck.

Die Merksprüche und wem sie gehören

Einen für alle Verbände gültigen Merkspruch gibt es nicht, und genau hier wird in Kursen am häufigsten durcheinandergebracht.

PADI arbeitet mit BWRAF: BCD, Weights, Releases, Air, Final Check. PADI selbst führt in seinem Blog ein gutes Dutzend Eselsbrücken dafür auf, von „Big White Rabbits Are Fluffy“ bis „Because We Really Are Friends“ — welche man benutzt, ist Geschmackssache, die Reihenfolge ist es nicht.

SSI beschreibt den Prüfumfang in seinen öffentlich zugänglichen Texten der Sache nach, ohne ein Akronym zu nennen: Die Tarierweste wird auf ordentliches Aufblasen und Ablassen geprüft, das Blei auf festen Sitz, alle Schnallen und Clips — einschließlich des Flaschengurts — auf sicheren Schluss, die Atemregler werden getestet und die Luft aufgedreht, und zuletzt wird geschaut, ob alles stromlinienförmig anliegt und nichts fehlt, Kamera und Lampe eingeschlossen.

Der VDST als deutscher CMAS-Verband hat keinen Merkspruch, sondern eine Prüfungsordnung. Die Partnerkontrolle taucht dort erst auf der zweiten Stufe auf: Beim DTSA* wird das „vollständige und korrekte Anlegen und Überprüfen der Ausrüstung“ verlangt, beim DTSA** ausdrücklich „der eigenen Ausrüstung und der des Tauchpartners„. Im technischen Bereich verwendet der VDST die Begriffe „Predive Sequence“ und „Bubblecheck“ — Letzteren fordert er mehrfach wörtlich: „Nach dem Abtauchen, auf 5 Meter Tiefe, visuelle Kontrolle der Ausrüstung auf Undichtigkeiten (Bubblecheck) durch einen Tauchpartner.“ Für die Gasanalyse gilt dort das Vier-Augen-Prinzip.

GUE schließlich benutzt GUE EDGE, und das ist kein Ausrüstungscheck, sondern eine Teamabsprache: Goal, Unified team, Equipment match, Exposure, Decompression strategies, Gas strategies, Environmental issues. Der eigentliche Gerätecheck liegt bei GUE davor und danach — Flaschenventile ganz auf und Flaschendruck gegen den erwarteten Wert, dann nach dem Einstieg der Bubble Check und als letzter Schritt vor dem Abtauchen der Modified S-Drill, damit sich der Langschlauch nicht verfängt.

Was dabei tatsächlich geprüft wird

Hinter allen Merksprüchen steht derselbe Kern, den DAN verbandsneutral in fünf Schritten beschreibt:

  • Tarierweste: Inflator und Deflator betätigen, die Ablassventile ziehen, den Flaschengurt auf festen Sitz prüfen.
  • Blei: Sitz und Menge — und zwar so, dass der Partner weiß, wo das Blei steckt.
  • Schnallen und Abwurfsysteme: gemeinsam durchgehen, wie die Ausrüstung im Notfall abgelegt wird. Ein Bleigurt hat einen Auslösepunkt, ein integriertes System kann mehrere haben.
  • Luft: Ventil ganz auf, beide Atemregler atmen — Hauptregler und Oktopus —, dabei auf das Finimeter sehen.
  • Endkontrolle: restliche Ausrüstung, nichts hängt lose, Maske und Flossen da.

Warum den Partner und nicht sich selbst

Die naheliegende Antwort — vier Augen sehen mehr — ist nicht die, die die Verbände geben. Alle drei begründen es mit dem Notfall. DAN: Man müsse wissen, wie die Ausrüstung des Partners abzunehmen ist, wenn es darauf ankommt. PADI: Unkenntnis der fremden Konfiguration verlangsamt die Reaktion. SSI: Der Check sei der Moment, in dem man mit der Ausrüstung des Partners vertraut wird. Der Check ist also weniger Qualitätssicherung als Vorbereitung auf den Ernstfall — und deshalb wird er im Wasser nicht nachgeholt, sondern vorher gemacht.

Die drei Fehler, die mir am häufigsten begegnen

Das Ventil eine Vierteldrehung zurück. Die Gewohnheit hat einen historischen Grund, den Peter Buzzacott bei DAN erklärt: Frühe Messingventile hatten keinen Puffer zwischen Spindel und Gehäuse; kühlte das Ventil im Tauchgang ab, ließ es sich anschließend nicht mehr schließen, wenn man es nicht vorher ein Stück zurückgedreht hatte. Seine Empfehlung für heute ist eindeutig: „Always open your tank valve all the way. You don’t need to turn the knob back a bit anymore; those days are long gone.“ Buzzacott spricht dabei von einer halben Umdrehung; im deutschen Sprachraum hält sich hartnäckig die Viertelumdrehung. Der Schaden ist derselbe — ein halb offenes Ventil fühlt sich an wie ein ganz offenes, liefert an der Oberfläche genug und versagt erst unter Belastung oder in der Tiefe.

Den Regler atmen, ohne aufs Finimeter zu sehen. Der Mechanismus dahinter wird selten erklärt. Bei geschlossenem Ventil steht in den Niederdruckschläuchen noch Gas, das an der Oberfläche für mehrere völlig unauffällige Atemzüge reicht, und das Finimeter zeigt den vollen Standdruck. Gareth Lock formuliert deshalb die richtige Prüfung: den Regler so lange atmen, bis die Niederdruckschläuche leer wären, und dabei bestätigen, dass die Nadel nicht fällt. Buzzacott sagt dasselbe kürzer — ein paar Atemzüge nehmen, und wenn sich die Nadel nicht bewegt, ist alles in Ordnung.

Den Check nur abnicken. Dazu gibt es Zahlen. In einer prospektiven Auswertung von 426 Tauchern benutzten 8 Prozent eine schriftliche Checkliste, 71 Prozent gingen sie auswendig durch, 21 Prozent gar nicht. Wer eine schriftliche Liste verwendete, hatte 69 Prozent weniger schwere Zwischenfälle und 53 Prozent weniger Zwischenfälle insgesamt. Anders gesagt: Der Unterschied liegt nicht zwischen Check und keinem Check, sondern zwischen einem abgehakten und einem tatsächlich durchgeführten. In der Ausbildung lasse ich deshalb jeden Handgriff wirklich machen — Inflator drücken, Ventil anfassen, Nadel ansehen —, statt die Fragen der Reihe nach zu bejahen.

Quellen

Welcher Merkspruch ist der richtige?
Der des Verbandes, in dem man taucht — und wichtiger als das Akronym ist, dass die Reihenfolge eingehalten wird. BWRAF ist belegt PADI, GUE EDGE ist belegt GUE und meint ohnehin die Teamabsprache, nicht den Gerätecheck. Der VDST hat keinen Merkspruch, sondern eine Prüfungsordnung, und die öffentlich abrufbaren SSI-Texte beschreiben den Umfang ohne Akronym. Wer im Team aus verschiedenen Verbänden taucht, einigt sich vorher auf eine Reihenfolge.
Warum reicht es nicht, den Regler kurz zu atmen?
Weil in den Niederdruckschläuchen auch bei geschlossenem Ventil noch Gas steht. Das reicht an der Oberfläche für mehrere unauffällige Atemzüge, und das Finimeter zeigt dabei den vollen Standdruck. Gareth Lock empfiehlt deshalb, so lange zu atmen, dass die Schläuche leer wären, und dabei zu bestätigen, dass die Nadel nicht abfällt. Ein unvollständig geöffnetes Ventil fällt sonst erst unter Belastung oder in der Tiefe auf.
Muss ich das Ventil eine Vierteldrehung zurückdrehen?
Nein. Die Gewohnheit stammt aus der Zeit früher Messingventile ohne Puffer zwischen Spindel und Gehäuse, die sich nach dem Abkühlen im Tauchgang sonst nicht mehr schließen ließen. Peter Buzzacott sagt dazu bei DAN: Ventil immer ganz öffnen, das Zurückdrehen sei nicht mehr nötig. Der Preis der alten Gewohnheit ist hoch, weil sich ein halb offenes Ventil anfühlt wie ein ganz offenes.