Buddy-System

Zwei Taucher im Deep Diver Specialty halten in großer Tiefe Sichtkontakt und prüfen ihre Instrumente.
Buddykontakt und Instrumentenkontrolle schaffen Reserven in größerer Tiefe.

Das Buddy-System ist die Grundregel des Sporttauchens: Getaucht wird zu zweit, und beide Partner übernehmen füreinander Verantwortung — von der Planung über die gegenseitige Ausrüstungskontrolle bis zum gemeinsamen Auftauchen. Der Partner heißt im Tauchjargon Buddy, nach dem amerikanischen Wort für Kumpel.

Was der Partner leisten soll

Die deutsche Wikipedia definiert den Buddy als „den Partner, mit dem gemeinsam ein Tauchgang vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet wird“, und nennt ihn „ein wesentlicher Sicherheitsfaktor beim Tauchen“. Die Aufgabenliste reicht vom Helfen beim Anlegen der Ausrüstung über die Funktionsprüfung, die Nothilfe bei Luftmangel, die Unterstützung bei Krämpfen und die Bergung bei Bewusstlosigkeit bis zur Beobachtung des Partners auf Anzeichen von Tiefenrausch.

Der letzte Punkt in dieser Liste ist die emotionale Unterstützung — und er wird gern belächelt. Zu Unrecht: Die meisten Zwischenfälle, die ich im Kurs sehe, beginnen nicht mit einem technischen Defekt, sondern damit, dass jemand unter Wasser unruhig wird. Ein Partner, der das rechtzeitig bemerkt und eine Hand auf den Arm legt, verhindert mehr als jedes Reserveteil.

Kontakt halten

Das System steht und fällt damit, dass die beiden einander wahrnehmen. Die Wikipedia beschreibt den Normalfall: „während des Tauchgangs wird laufend mittels Tauchzeichen Kontakt zum Buddy gehalten“. Für schlechte Sicht nennt sie den Ausweg: „Bei schlechten Sichtverhältnissen kann der Kontakt mit dem Buddy unter anderem mit einer Partnerleine gewährleistet werden.“ taucher.de spricht von derselben Sache als Sicherheitsschnur.

Praktisch heißt Kontakt: in Sichtweite, auf gleicher Höhe, und so nah, dass man den anderen in wenigen Flossenschlägen erreicht. Nebeneinander statt hintereinander — wer vorausschwimmt, sieht seinen Partner nie.

Vor dem Einstieg: der Buddy-Check

Die gegenseitige Funktionsprüfung heißt Buddy-Check und ist der Teil des Systems, der am zuverlässigsten wirkt, weil er an Land stattfindet. Dazu gehört auch der Griff zum Oktopus des Partners: Wer im Ernstfall danach greifen soll, muss vorher gewusst haben, wo er hängt.

Zu zweit, zu dritt, in der Gruppe

Auch größere Gruppen tauchen nicht als Gruppe. „Auch bei Tauchergruppen mit mehreren Personen werden üblicherweise Buddyteams gebildet“, hält die Wikipedia fest. Das Dreierteam ist der schwierigste Fall: Es funktioniert, verlangt aber eine klare Absprache, wer wen im Blick behält, sonst passt am Ende jeder auf den auf, von dem er annimmt, ein Dritter tue es schon.

Als Grundprinzip nennt die Wikipedia die „gegenseitige Rücksichtnahme auf Erfahrung und Fähigkeiten des Anderen“. taucher.de wird deutlicher: „Ein Vertrauensverhältnis zwischen den einzelnen Tauchpartnern ist für ein funktionierendes Buddy-System unabdingbar.“ Ein Team richtet sich nach dem schwächeren der beiden — nach seiner Tiefengrenze, seinem Luftverbrauch, seinem Tempo.

Wo das System endet

Das Buddy-System ist kein Naturgesetz, sondern eine Konvention, und es hat eine Gegenposition. Solotauchen stellt laut Wikipedia „besondere Anforderungen an Ausbildung und Ausrüstung“; dazu heißt es weiter: „Einige Tauchorganisationen lehnen das Solotauchen vollständig ab, andere bieten jedoch spezielle Kurse dafür an.“ Wer allein taucht, ersetzt den Partner durch Redundanz am eigenen Körper — er schafft ihn nicht ab.

Und es hat eine stille Schwachstelle: Ein Buddy-Team, das sich unter Wasser verliert, hat den Sicherheitsgewinn eingebüßt, ohne dass es einer der beiden sofort merkt. Deshalb gehört in jedes Briefing die Abmachung, was bei verlorenem Kontakt geschieht — eine vorher vereinbarte kurze Zeit suchen, dann auftauchen und sich an der Oberfläche wiederfinden. Diese Regel ist nur so gut wie die Absprache davor.

Quellen

  • Wikipedia: Buddy (Tauchen) — Definition, Aufgabenliste des Partners, Tauchzeichen und Partnerleine, Buddyteams in Gruppen, Solotauchen als Gegenposition
  • taucher.de: Buddy — Ziel des Systems als beidseitiger Sicherheitsgewinn, Vertrauensverhältnis als Voraussetzung, Sicherheitsschnur bei schlechter Sicht

Zur Quellenlage: Beide Fundstellen sind allgemeine Nachschlagewerke, keine Verbandsstandards. Eine ausdrückliche Vorgabe von SSI, CMAS, PADI oder TDI zum Buddy-System — etwa zur zulässigen Teamgröße oder zur Dauer der Suche bei verlorenem Kontakt — ist hier nicht aufgeführt; die entsprechenden Abschnitte geben Ausbildungspraxis wieder und nennen deshalb keine Zahl.

Wie weit darf ich mich vom Buddy entfernen?
Eine allgemeingültige Meterzahl gibt es nicht, und die hier aufgeführten Quellen nennen keine. Der brauchbare Maßstab ist funktional: so nah, dass man den Partner sieht und ihn mit wenigen Flossenschlägen erreicht, bevor ihm die Luft ausgeht. Bei schlechter Sicht schrumpft dieser Abstand auf Armlänge — oder es kommt die Partnerleine zum Einsatz.
Funktioniert das Buddy-System auch zu dritt?
Ja, aber es verlangt mehr Absprache. Die Wikipedia beschreibt, dass auch in größeren Gruppen Buddyteams gebildet werden. Beim Dreierteam muss vor dem Einstieg klar sein, wer wen im Blick behält und wie sich die drei nebeneinander anordnen, sonst entsteht die typische Kette, bei der der Mittlere nach beiden Seiten schaut und die Äußeren nach niemandem.
Was mache ich, wenn ich meinen Buddy unter Wasser verliere?
Was im Briefing vereinbart wurde. Üblich ist, sich einmal langsam um die eigene Achse zu drehen, die nähere Umgebung und die Blasen über sich abzusuchen und nach einer kurzen, vorher festgelegten Zeit kontrolliert aufzutauchen — weil sich beide an der Oberfläche sicher wiederfinden, unter Wasser aber nicht. Die konkrete Dauer legen die Ausbildungsverbände unterschiedlich fest; sie gehört deshalb vor jedem Tauchgang besprochen.
Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.