Solotauchen

Einzelner Taucher schwebt waagerecht über hellem Sandgrund, seitlich an der Hüfte eine kleine Reserveflasche mit eigenem Atemregler; kein zweiter Taucher im Bild.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Solotauchen ist ein Tauchgang, der ganz oder teilweise ohne Partner geplant ist. Im Deutschen heißt dieselbe Sache auch Alleintauchen. Der Begriff bezeichnet eine Absicht, nicht ein Missgeschick: Wer unter Wasser den Partner verliert, taucht nicht solo, sondern hat ein Problem.

Die Abgrenzung, auf die es ankommt

Diese Unterscheidung ist der Kern des Begriffs. Ein geplanter Solotauchgang beginnt an Land mit einer Entscheidung über Ausrüstung, Tiefe und Umkehrpunkte. Ein Partnerverlust beginnt unter Wasser mit einem Schreck, und der Taucher ist in diesem Augenblick auf nichts von alledem vorbereitet. Dass beide Zustände äußerlich gleich aussehen — ein Taucher ohne Begleitung —, ist der Grund, warum das Thema in der Unfallstatistik so schwer auseinanderzuhalten ist.

Das Buddy-System ist jünger, als viele annehmen. Es kam mit der Gerätetauchausbildung der 1950er Jahre auf und war von den Lebensrettungsregeln der Schwimmausbildung beeinflusst, aus denen der Satz „never swim alone“ stammt. Daraus wurde die bis heute gelehrte Doppelformel: niemals die Luft anhalten, niemals allein tauchen.

Was die Verbände daraus gemacht haben

Ab dem Ende der 1990er Jahre haben einzelne Organisationen das Solotauchen als eigene Spezialausbildung anerkannt. SDI war die erste; PADI führte 2011 den Self-Reliant Diver ein.

Die Voraussetzungen zeigen, dass es sich nicht um einen Einsteigerkurs handelt. SDI verlangt für den Solo Diver ein Mindestalter von einundzwanzig Jahren, die Zertifizierung als SDI Advanced Diver oder vergleichbar und den Nachweis über mindestens hundert geloggte Tauchgänge. PADI setzt beim Self-Reliant Diver ein Mindestalter von achtzehn Jahren, den Advanced Open Water Diver und ebenfalls hundert geloggte Tauchgänge an. CMAS führt einen Self-Rescue Diver, der auf dem Zwei-Sterne-Taucher aufsetzt.

Der SDI-Kurs verlangt unter anderem, zweihundert Meter an der Oberfläche in vollständiger Tauchausrüstung zu schwimmen, Notfallverfahren zu zeigen beziehungsweise auf die redundante Luftversorgung zu wechseln — in einer Tiefe, die dabei dreißig Meter nicht überschreiten darf —, die Tauchgangsgrenzen am eigenen Luftverbrauch auszurichten und den Einsatz der Oberflächenmarkierungsboje zu beherrschen. Die Theorieprüfung ist mit mindestens achtzig Prozent zu bestehen.

Nicht alle Verbände gehen mit. Der britische BSAC hat 2006 festgehalten, das zusätzliche Risiko eines geplanten Solotauchgangs sei nicht hinnehmbar.

Die Ausrüstung: ein zweiter, vollständiger Vorrat

Die eine Forderung, die alle Programme teilen, betrifft das Atemgas. Verlangt wird ein vollständiger, für sich stehender Reservevorrat, der ausreicht, um von jedem Punkt des geplanten Tauchgangs an die Oberfläche zu kommen. Die gängigen Lösungen reichen vom Doppelgerät mit Trennventil über unabhängige Doppelflaschen und Sidemount bis zur seitlich angeschnallten kleinen Reserveflasche; ein am Tragegestell befestigtes Kleinstgerät taugt nur für geringe Tiefen.

Bemerkenswert ist, was wegfällt: Ein Oktopus wird für den Solotauchgang nicht gebraucht — er ist eine Einrichtung für den Partner. Dazu kommen redundante Instrumente, Kompass und eine Oberflächenboje mit Rolle.

Die Gasplanung verschiebt sich damit ebenfalls. Der Restdruck, mit dem ein Partnertaucher den Aufstieg beginnt, ist für zwei Atmende gerechnet; der Solotaucher rechnet für einen, muss dafür aber den Ausfall seiner Hauptversorgung vollständig aus sich selbst heraus abfangen können.

Was die Zahlen hergeben — und was nicht

Die Statistik ist der schwächste Teil der Debatte, und zwar auf beiden Seiten. Eine Auswertung von 2010 kommt zu dem Ergebnis, dass siebenundfünfzig Prozent der Todesfälle eintraten, nachdem sich das Partnerpaar während des Notfalls getrennt hatte. Eine Nachprüfung britischer Fälle aus den Jahren 2001 bis 2008 ergab, dass die dort als Solotauchgänge geführten Todesfälle zu etwa drei Vierteln getrennte Partnerpaare betrafen und zu einem weiteren Fünftel Taucher, die weit außerhalb der für das Solotauchen gelehrten Grenzen unterwegs waren.

Umgekehrt gibt es den Einwand gegen den Partner: Eine Umfrage von 2006 kam zu dem Ergebnis, dass zweiundfünfzig Prozent der Partnertaucher sich irgendwann durch das Verhalten ihres Partners gefährdet sahen. Beides zusammen führt zu einem unbefriedigenden, aber ehrlichen Schluss: Wie groß das Risiko des Solotauchens gegenüber dem Partnertauchen tatsächlich ist, ist nie zuverlässig bestimmt worden.

Rechtlich ist das Sporttauchen in den meisten Ländern nicht geregelt. Es gibt Ausnahmen: Die Malediven verbieten das Solotauchen im Sportbereich, Israel verlangt mindestens einen weiteren qualifizierten Taucher.

Wenn, dann so

Die Empfehlungen der Solo-Ausbildung lassen sich auf fünf Punkte bringen: innerhalb der Grenzen des Sporttauchens bleiben, also keine Dekompressionstauchgänge, keine Überkopfumgebung und kein Kreislaufgerät; nicht über die eigene Erfahrung hinausgehen; Stellen mit bekannter Verstrickungs- oder Einschlussgefahr meiden; den Ausstieg so nah halten, dass er an der Oberfläche bequem zu erschwimmen ist; und konservativer planen, als man es mit einem gleich guten Partner täte.

Als Tauchlehrer ergänze ich einen sechsten, der in keiner Standardliste steht: Jemand an Land muss wissen, wo man ist und wann man zurück sein wollte. Das ersetzt den Partner nicht, aber es ist der Unterschied zwischen einem Vermissten und einer Suche, die rechtzeitig beginnt.

Ist Solotauchen verboten?
In den meisten Ländern ist das Sporttauchen nicht gesetzlich geregelt, das Solotauchen also nicht verboten. Es gibt Ausnahmen — die Malediven untersagen es im Sportbereich, Israel verlangt mindestens einen weiteren qualifizierten Taucher. Unabhängig davon kann eine Tauchbasis es für ihren Betrieb ausschließen.
Was braucht man für den Solo-Kurs?
SDI verlangt für den Solo Diver mindestens einundzwanzig Jahre, die Stufe Advanced Diver oder eine vergleichbare Qualifikation und hundert geloggte Tauchgänge. PADI setzt beim Self-Reliant Diver achtzehn Jahre, den Advanced Open Water Diver und ebenfalls hundert geloggte Tauchgänge an. Beide verlangen eine vollständige redundante Atemgasversorgung.
Ist Solotauchen gefährlicher als Tauchen mit Partner?
Das ist nie zuverlässig bestimmt worden. Statistiken zu Solo-Todesfällen enthalten zu einem großen Teil getrennte Partnerpaare und Taucher weit außerhalb der für das Solotauchen gelehrten Grenzen; umgekehrt berichtet eine Umfrage, dass über die Hälfte der Partnertaucher sich schon einmal durch ihren Partner gefährdet sah. Der britische BSAC hält das zusätzliche Risiko trotzdem für nicht hinnehmbar.

Quellen

  • SDI: Solo Diver (deutsche Fassung) — Mindestalter, Vorstufe, Zahl der geloggten Tauchgänge, Kursinhalte, Oberflächenschwimmen, Tiefengrenze der Übung zur redundanten Versorgung, Prüfungsschwelle.
  • Solo diving (englische Wikipedia) — Begriffsbestimmung, Herkunft des Partnersystems, Übersicht der Verbandsprogramme und ihrer Voraussetzungen, redundante Ausrüstung, Position des BSAC, Unfallauswertungen, Rechtslage, Empfehlungen der Solo-Ausbildung.

Zur Quellenlage: Die Zahlen zu den Unfallauswertungen und zur Umfrage unter Partnertauchern sind über die enzyklopädische Quelle wiedergegeben; die zugrunde liegenden Arbeiten aus den Jahren 2006, 2010 und 2011 liegen diesem Eintrag nicht im Original zugrunde. Dieselbe Quelle nennt für die erste Solo-Zertifikation von SDI an zwei Stellen verschiedene Jahre (1999 und 2001); der Eintrag nennt deshalb nur das Jahrzehnt. Die Angaben zu PADI und CMAS stammen ebenfalls aus der enzyklopädischen Quelle, nicht von den Verbänden selbst; allein die SDI-Voraussetzungen stehen auf der Seite des Verbands.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.