Mundstück

Einzelnes schwarzes Silikon-Mundstueck mit Lippenschild, zwei gegenueberliegenden Bisswarzen und Kabelbinder in der Ringnut des Rohrstutzens.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Das Mundstück ist das weiche Formteil aus Silikon oder Gummi, über das ein Taucher die zweite Stufe des Atemreglers, den Schnorchel oder ein Kreislaufgerät im Mund hält. Es ist das kleinste Teil der Ausrüstung mit einer unmittelbaren Sicherheitsfunktion: Reißt es, gelangt Wasser in den Atemweg. Zugleich ist es das Teil, das die meisten körperlichen Beschwerden verursacht.

Aufbau und Befestigung

Ein Mundstück besteht aus drei Teilen, die jeweils eine eigene Aufgabe haben. Der Lippenschild ist der breite, ovale Kragen, der zwischen Zähnen und Lippen liegt und den Mundraum nach außen abdichtet. Die Bisswarzen sind zwei einander gegenüberliegende Zapfen im Inneren, auf die die Backenzähne beißen und die den Halt erzeugen. Nach hinten läuft ein kurzer, zylindrischer Rohrstutzen mit einer umlaufenden Ringnut; in dieser Nut sitzt ein Kabelbinder oder eine kleine Schlauchschelle, die das Mundstück auf dem Anschluss der zweiten Stufe hält.

Das ist die ganze Mechanik. Ein Mundstück lässt sich deshalb ohne Werkzeug und ohne Eingriff in den Atemregler wechseln: Kabelbinder durchtrennen, altes Teil abziehen, neues aufschieben, neuen Kabelbinder in die Ringnut legen und festziehen. Den Kopf des Kabelbinders dreht man dabei nach unten oder zur Seite, damit er nicht an der Lippe scheuert, und schneidet den Überstand bündig ab.

Bauformen

Die verbreitete Bauform hat zwei kurze Bisswarzen und wird mit den meisten Atemreglern ausgeliefert. Daneben gibt es Mundstücke mit verlängerten Bisswarzen, die bis zu den Backenzähnen reichen, und Formen mit einem Gaumensegel, bei denen die obere Partie verlängert ist. Diese Bauform sitzt auch dann fest, wenn der Mund nur geschlossen ist, ohne dass kräftig zugebissen wird; manchen Tauchern löst sie einen Würgereiz aus. Die vierte Gruppe sind individuell angepasste Mundstücke, die wie eine Zahnschiene auf das Gebiss abgeformt werden.

Warum der Kiefer müde wird

Das Mundstück wird nicht gehalten, sondern festgebissen — und zwar über die gesamte Tauchzeit. Divers Alert Network beschreibt den Mechanismus so: „The gripping action required to hold a mouthpiece in place may strain the muscles used for chewing.“ Der Tauchmediziner Costantino Balestra vergleicht die Belastung des Kiefergelenks mit dem, was man erlebt, wenn man den Mund dauerhaft offen hält. DAN hält zugleich fest, dass Tauchen eine Kiefergelenkerkrankung wohl nicht verursacht, eine bestehende aber verschlimmern kann: „Scuba diving does not appear to cause TMD; however, it may exacerbate a preexisting joint condition.“

Der bauliche Grund liegt im Standardmundstück selbst. Es ist kurz und weich gehalten, damit es auf möglichst viele Kiefer passt — und stützt deshalb den hinteren Zahnkontakt nicht, so dass das Gelenk ungleichmäßig belastet wird. Kaltes Wasser verstärkt das Zubeißen zusätzlich; das British Dental Journal nennt es als eigenen Risikofaktor.

Wie häufig das ist, zeigt eine Umfrage unter 1015 französischen Freizeittauchern: 25,2 Prozent gaben Beschwerden im Mundbereich an, 13,4 Prozent entfielen auf das sogenannte Mouth Syndrome, bei Frauen 18,6 Prozent und in der Altersgruppe von 18 bis 34 Jahren 18,9 Prozent. Eine HNO-fachärztliche Übersicht zum Diver’s Mouth Syndrome, das 1982 von Goldstein und Katz erstmals beschrieben wurde, nennt eine Spanne von 24 bis 68 Prozent der Taucher und ebenfalls eine höhere Häufigkeit bei Frauen.

Angepasste Mundstücke

Derselbe Befund führt zur naheliegenden Gegenmaßnahme. DAN schreibt: „By having a customized mouthpiece molded, this can be reduced or even eliminated.“ Ein abgeformtes Mundstück darf aus steiferem Material bestehen, reicht weiter nach hinten und braucht deshalb weniger Muskelkraft. Beim Abformen soll der Kopf nicht neutral, sondern leicht nach hinten geneigt stehen — in der Haltung, die der Taucher unter Wasser einnimmt. Das British Dental Journal verweist auf eine Arbeit von 2001, nach der vollständig maßgefertigte Mundstücke Kiefergelenk- und Kaumuskelbeschwerden deutlich verringern können. Die genannte HNO-Übersicht beziffert die Vorverlagerung des Unterkiefers im Modell mit 8 Millimetern beim Standardmundstück gegenüber 4 Millimetern beim angepassten.

Dagegen steht ein Einwand aus der Tauchpraxis, den man kennen sollte: Ein auf ein Gebiss abgeformtes Mundstück passt nur in diesen einen Mund. Wer seinem Partner in der Wechselatmung die zweite Stufe reicht, gibt ihm ein Teil, das dort nicht sitzt. Als Tauchlehrer rate ich deshalb dazu, die Anpassung auf den Hauptautomaten zu beschränken und den Oktopus mit einem Standardmundstück zu lassen.

Prüfen und wechseln

Das Mundstück ist ein Verschleißteil. Silikon altert unter UV-Licht, Salzwasser und Zahnfleischkontakt, und es reißt fast immer an derselben Stelle: an der Wurzel der Bisswarzen, dort, wo das Material bei jedem Biss gedehnt wird. In der Ausbildung lasse ich die Teilnehmer das Mundstück vor dem Tauchgang zwischen zwei Fingern aufziehen — ein feiner Riss, der trocken nicht zu sehen ist, wird dabei sichtbar. Ein Ersatzmundstück und zwei Kabelbinder wiegen nichts und gehören in jede Reisetasche; am Steg ist das eine Reparatur von zwei Minuten, ohne sie fällt der Tauchgang aus.

Dieselben Überlegungen gelten für den Schnorchel und für jede weitere zweite Stufe. Beim Schnorchel kommt hinzu, dass das Mundstück das vordere Ende des Totraums bildet, der mit jedem Atemzug neu durchspült werden muss. Wie das Mundstück in den Atemweg eingebunden ist, steht im Eintrag zum Atemregler; die Funktion des Teils dahinter beschreibt der Lungenautomat.

Woran erkenne ich, dass ein Mundstück ausgetauscht werden muss?
Risse entstehen fast immer an der Wurzel der Bisswarzen. Wer das Mundstück zwischen zwei Fingern vorsichtig aufzieht, macht feine Einrisse sichtbar, die im entspannten Zustand nicht zu sehen sind. Hart gewordenes, klebriges oder verfärbtes Silikon ist ebenfalls ein Grund zum Wechseln. Der Austausch kostet wenige Euro und braucht nur einen neuen Kabelbinder.
Hilft ein individuell angepasstes Mundstück gegen Kieferbeschwerden?
Divers Alert Network hält fest, dass ein abgeformtes Mundstück die Belastung verringern oder ganz beseitigen kann, weil es aus steiferem Material bestehen darf und weiter nach hinten reicht. Das British Dental Journal verweist auf eine Arbeit von 2001, nach der maßgefertigte Mundstücke Kiefergelenk- und Kaumuskelbeschwerden deutlich verringern können. Der Preis dafür ist, dass das Teil nur in einen einzigen Mund passt.
Warum treten die Beschwerden im kalten Wasser häufiger auf?
Das British Dental Journal nennt kaltes Wasser als eigenen Risikofaktor: Es verstärkt das Zusammenbeißen auf das Mundstück. Divers Alert Network führt zusätzlich an, dass kaltes Wasser das Greifen mit den Lippen erschwert, so dass der Halt noch stärker über die Zähne erzeugt wird.

Quellen

Zur Quellenlage: Die Umfrage aus Frankreich ist nur in der Zusammenfassung frei zugänglich; welche Beschwerden sie unter „Mouth Syndrome“ fasst, geht daraus nicht hervor. Die Modellwerte von 8 und 4 Millimetern sowie der Anteil von 24 bis 68 Prozent stammen aus einer Übersichtsdarstellung, die ältere Arbeiten zusammenfasst; die Originalarbeiten liegen nicht zugrunde. Die Angaben zu Bauformen und Befestigung stammen aus einer Praktikerquelle, nicht aus einer Herstellerunterlage oder einer Norm.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.