Der Berstdruck ist der Druck, bei dem eine Tauchflasche versagt. Er ist der höchste der Drücke, die an einer Flasche eine Rolle spielen, und der einzige, dem der Taucher im Betrieb nie begegnet: Seine Messung zerstört die Flasche. Für die Praxis ist er dennoch die wichtigste Vergleichszahl, denn er zeigt, wie groß der Abstand zwischen dem Arbeitspunkt einer Flasche und ihrem Versagen ist.
Die Drücke in ihrer Reihenfolge
Das Lehrbuch für Forschungstaucher von König und Lipp stellt in der Gerätekunde drei Flaschenarten mit ihren Werten nebeneinander:
| Flasche | Fülldruck | Prüfdruck | Mindest-Berstdruck |
|---|---|---|---|
| 200-bar-Flasche | 200 bar | 300 bar | 450 bar |
| 232-bar-Flasche | 232 bar | 300 bar | 480 bar |
| 300-bar-Flasche | 300 bar | 348 bar | 675 bar |
Dieselbe Stelle vermerkt dazu „(von Stufe zu Stufe jeweils Faktor 1.5 bzw. 1.6)“. Der Fülldruck ist dabei der Betriebswert, der Nenndruck die Bezeichnung der Bauart, und der Prüfdruck der Wert, auf den die wiederkehrende Prüfung geht.
Ein Mindestwert, kein Messwert
Die Zahlen in der Tabelle sind Anforderungen an die Bauart, keine Eigenschaften der einzelnen Flasche. Dieselbe Quelle setzt hinzu: „Der tatsächliche Berstdruck neuer 200 bar – Flaschen ist > 500 bar!“ Eine neue Flasche hält also mehr aus, als die Norm von ihr verlangt – wie viel genau, lässt sich an der eigenen Flasche nicht feststellen, weil die Prüfung sie vernichten würde.
Aus dieser Bauart-Natur folgt der zweite Punkt: Der Berstdruck sagt nichts über den Zustand einer gebrauchten Flasche. Was eine gebrauchte Flasche noch trägt, wird über den Prüfdruck festgestellt. König und Lipp halten für die wiederkehrende Prüfung fest: „Unter einer Festigkeitsprüfung ist eine Wasser-Druckprüfung zu verstehen.“ Diese Prüfung bestätigt den Prüfdruck, nicht den Berstdruck.
Die Verwechslung, die im Kurs am häufigsten vorkommt
Prüfdruck und Berstdruck werden regelmäßig gleichgesetzt, und beide werden mit dem Fülldruck verrechnet. Dabei liegen zwei verschiedene Größen vor: Der Prüfdruck ist ein Wert, den jede Flasche in der Prüfung tatsächlich aushält und danach weiter benutzt wird; der Berstdruck ist der Punkt, an dem sie es nicht mehr tut. Zwischen 300 und 450 bar liegt bei der 200-bar-Flasche nach der obigen Tabelle der ganze Rest ihrer Festigkeit.
Als Tauchlehrer sage ich dazu einen Satz, der wichtiger ist als die Zahlen: Der Abstand zum Berstdruck ist keine Erlaubnis, über den Fülldruck hinaus zu füllen. Die Betriebsgrenze ist der Fülldruck. Was darüber liegt, ist Reserve der Konstruktion gegen Korrosion, Beschädigung und Wärme, nicht Spielraum für den Füllbetrieb – und das Flaschenventil hat seine eigene Druckstufe, die davon unabhängig ist.
Welche Normen genannt werden
König und Lipp führen in diesem Zusammenhang DIN 3171 für Stahlflaschen, DIN 3172 für Aluminiumflaschen und DIN EN 250 für die Anforderungen an autonome Leichttauchgeräte an. Die Normbezeichnungen sind dieser Darstellung entnommen; die Normtexte selbst liegen dem Eintrag nicht vor.
Quellen
- König/Lipp, Lehrbuch für Forschungstaucher, Kapitel 3: Gerätekunde (PDF) – die Tabelle mit Fülldruck, Prüfdruck und Mindest-Berstdruck für 200-, 232- und 300-bar-Flaschen, der Zusatz zum tatsächlichen Berstdruck neuer 200-bar-Flaschen, die Wasser-Druckprüfung als Festigkeitsprüfung und die Normbezeichnungen DIN 3171, DIN 3172 und DIN EN 250.
Zur Quellenlage: Alle Zahlen dieses Eintrags stammen aus einer einzigen Fundstelle, dem Lehrbuch für Forschungstaucher. Die zugehörigen Normtexte liegen dem Eintrag nicht vor, weshalb die Normbezeichnungen in der Fassung dieses Lehrbuchs wiedergegeben sind. Der dort genannte Faktor „1.5 bzw. 1.6“ gibt die Sprünge der Tabelle nicht für alle drei Zeilen rechnerisch wieder; die Tabellenwerte stehen deshalb hier so, wie sie dort stehen, und sind nicht aus einem Faktor abgeleitet.
