Checkliste

Zwei Taucher gehen an Deck eines Tauchboots vor dem Einstieg eine laminierte Checkliste durch.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Eine Checkliste ist eine feste, abzuarbeitende Reihenfolge von Prüfpunkten, die vor dem Tauchgang Ausrüstung, Planung und Absprachen durchgeht. Sie unterscheidet sich vom bloßen Erinnern dadurch, dass sie unabhängig von Tagesform und Routine immer dieselben Punkte in derselben Folge abfragt — und dass ihre Wirkung beim Tauchen messbar belegt ist.

Was die Studienlage hergibt

Die tragende Arbeit stammt von Ranapurwala und Mitautoren und ist 2016 im International Journal of Epidemiology erschienen. Es handelt sich um eine cluster-randomisierte Studie: An vier Standorten wurden zwischen Juni und August 2012 insgesamt 1043 Taucher einbezogen — 617 in der Interventionsgruppe, 426 in der Kontrollgruppe —, die zusammen 2041 Tauchgänge an 70 Standort-Tagen absolvierten. Die Interventionsgruppe arbeitete vor dem Tauchgang eine Checkliste ab, die Kontrollgruppe nicht.

Das Ergebnis: Gegenüber der Kontrollgruppe sanken die schweren Zwischenfälle um 36 Prozent, die leichten um 26 Prozent und alle Zwischenfälle zusammen um 32 Prozent. Die Autoren übersetzen das in eine anschauliche Größe: etwa ein Zwischenfall weniger je 25 Tauchgänge.

Das ist bemerkenswert, weil es sich nicht um eine Befragung handelt, sondern um eine randomisierte Zuteilung — das Studiendesign, das in der Tauchforschung selten zu haben ist. Vor dieser Arbeit stand in der DAN-Darstellung von 2013 noch ausdrücklich, dass die Wirksamkeit von Tauch-Checklisten nicht formal untersucht sei.

Woher das Verfahren kommt

Die Checkliste ist keine Erfindung des Tauchsports. DAN verweist auf die Luftfahrt, in der ihre Benutzung verpflichtend ist, und auf die Chirurgie, wo die Sicherheitschecklisten der Weltgesundheitsorganisation die Verständigung im Operationsteam verbessern sollen. Das gemeinsame Muster: Es geht nicht darum, Unwissenheit auszugleichen, sondern darum, dass erfahrene Leute unter Zeitdruck und Gewohnheit Schritte überspringen, die sie genau kennen.

Die gebräuchlichen Merkformeln

Die Ausbildungsverbände haben dafür jeweils eigene Eselsbrücken entwickelt, und sie decken sich nicht. DAN nennt zwei davon: PADI benutzt BWRAF — BCD, Weights, Releases, Air, Final OK —, also Tarierjacket, Blei, Verschlüsse, Luftversorgung und abschließende Verständigung. NAUI arbeitet mit SEA BAG — Site survey, Emergency, Activity, Buoyancy, Air, Gear and go —, das weniger eine Schrittfolge am Partner ist als eine allgemeine Sicherheitsübersicht vor Ort. Die AAUS empfiehlt einen Vorab-Check in eigenem Format.

Welche Formel ein Taucher benutzt, ist zweitrangig; dass er eine benutzt und sie nicht nach dem zweiten Punkt abbricht, ist der Punkt. Eine Merkformel gehört zum Verband, in dem sie gelernt wurde — wer Formeln verschiedener Verbände mischt, verliert die Vollständigkeit, die jede einzelne von ihnen hat. Die Partnerkontrolle selbst steht unter Buddy-Check.

Mehr als die Ausrüstung

Die DAN-Checkliste geht über das Material hinaus. Sie enthält einen Tauchplan mit Tiefe und Gasbedarf für die einzelnen Phasen des Tauchgangs, eine kurze Verständigung darüber, wie auf unerwartete Ereignisse reagiert wird, und ein Protokoll nach dem Tauchgang, in dem die tatsächlichen Daten festgehalten werden. Besonders nützlich ist das nach langen Pausen — DAN hebt ausdrücklich die Fälle hervor, in denen zwischen zwei Tauchgängen Monate oder Jahre liegen.

In der Ausbildung sehe ich den größten Nutzen genau dort, wo die Routine am größten ist. Anfänger arbeiten die Liste ab, weil sie es so gelernt haben. Taucher mit hunderten Tauchgängen kürzen sie ab, und das ist der Moment, in dem der nicht geöffnete Flaschenhahn oder das vergessene Blei passiert.

Reicht nicht der Buddy-Check?
Der Buddy-Check ist der Teil, der die Ausrüstung des Partners betrifft. Eine Checkliste im weiteren Sinn deckt darüber hinaus Planung, Gasbedarf, Absprachen für den Notfall und das Protokoll nach dem Tauchgang ab. Beides schließt einander nicht aus — der Buddy-Check ist ein Abschnitt der Liste, nicht ihr Ersatz.
Muss die Liste auf Papier stehen?
Die zitierte Studie hat mit einer ausgehändigten Checkliste gearbeitet, nicht mit einer auswendig gelernten Formel. Ob das Blatt, die laminierte Karte oder der Bildschirm das Trägermedium ist, untersucht sie nicht. Entscheidend ist, dass die Punkte vorgegeben sind und nicht aus dem Gedächtnis rekonstruiert werden.
Wann wird die Liste abgearbeitet?
Vollständig ausgerüstet und vor dem Einstieg, nicht beim Aufbauen und nicht im Wasser. Wer schon im Wasser steht, kann das Blei nicht mehr holen und die Flasche nicht mehr tauschen. Nach dem Tauchgang kommt das Protokoll dazu.

Quellen

Zur Quellenlage: Der Volltext der Studie ist kostenpflichtig; die Zahlen stammen aus der frei zugänglichen Zusammenfassung und der Darstellung bei DAN. Eine Risikoverhältniszahl mit Vertrauensbereich ist dort nicht angegeben, nur die prozentualen Unterschiede.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.