Enzo Maiorca

Apnoetaucher gleitet als Silhouette an einer senkrechten Abstiegsleine ins dunkle Tiefblau des Mittelmeers
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Enzo Maiorca (21. Juni 1931 bis 13. November 2016) war ein italienischer Apnoetaucher, der die Tiefenrekorde im Tauchen ohne Gerät zwischen 1960 und 1988 von 45 auf 101 Meter verschob. Sein Wettstreit mit dem Franzosen Jacques Mayol wurde zum bekanntesten Duell des Freitauchens und zur Vorlage eines Kinofilms. Geboren und gestorben ist er in derselben Stadt: Syrakus auf Sizilien.

Die Rekordfolge

Maiorca begann 1960, Tiefenrekorde systematisch anzugehen. Im September jenes Jahres tauchte er 45 Meter tief, im November desselben Jahres 49 Meter. Im November 1966 standen 62 Meter, im August 1973 waren es 80 Meter. Sein tiefster Tauchgang gelang ihm 1988 mit 101 Metern — nach einer langen Pause und mit dem erklärten Ziel, Jacques Mayols Marke von 105 Metern zu unterbieten. Das gelang nicht; es blieb sein letzter Rekordversuch.

Dass ein Mensch in solche Tiefen gelangt, ohne dass der Brustkorb Schaden nimmt, liegt an einer Reaktion, die er mit Meeressäugern teilt: Mit zunehmendem Druck strömt Blut aus Armen und Beinen in Richtung Körpermitte und füllt den Raum, der sich in der zusammengedrückten Lunge auftut. Die Rekorde dieser Jahre haben die Fachwelt erst darauf gestoßen, wie weit diese Anpassung reicht.

Das Duell mit Jacques Mayol

Maiorcas ersten ernsthaften Gegenspieler stellte der Brasilianer Amerigo Santarelli, der 1963 aufhörte. Danach wurde Jacques Mayol der Gegenpart, und der Wettlauf zwischen den beiden zog sich über Jahrzehnte. Luc Besson verfilmte ihn 1988 als „Im Rausch der Tiefe“; die Figur, die Maiorca nachempfunden ist, heißt dort Enzo Molinari und wird von Jean Reno gespielt. Maiorca selbst hielt die Darstellung für unvorteilhaft und widersprach dem italienischen Kinostart des Films bis 2002.

Die beiden standen auch für zwei Herangehensweisen. Mayol suchte den Zugang über Atem- und Entspannungstechniken, die er aus dem Yoga übernahm. Maiorca kam vom Sport und vom Meer — er hatte mit vier Jahren schwimmen gelernt und war über die Harpunenfischerei zum Tieftauchen gekommen.

Der Bruch mit der Harpune

1967 hörte Maiorca mit der Harpunenfischerei auf. Auslöser war die Begegnung mit einem Zackenbarsch, nach der ihm bewusst wurde, dass er ein lebendes Wesen tötete. Aus dem Jäger wurde ein Fürsprecher des Meeres: 1994 zog er für zwei Jahre in den italienischen Senat ein und setzte sich dort für den Meeresschutz ein; an der Einrichtung des Meeresschutzgebiets Plemmirio vor seiner Heimatstadt Syrakus hatte er Anteil.

Warum er ins Lexikon gehört

Das Apnoetauchen ist heute eine geregelte Sportart mit Disziplinen, Sicherheitsleinen und Wettkampfregeln. Die Tiefen, um die es dabei geht, sind in einer Zeit entstanden, in der niemand wusste, wo die Grenze liegt und ob es überhaupt eine gibt. Maiorca und Mayol haben das Feld in Zwanzig-Meter-Schritten vermessen, und die Physiologie ist ihnen hinterhergelaufen. Wer verstehen will, warum im Freitauchen so viel Wert auf Sicherungspersonal und feste Abläufe gelegt wird, findet in dieser Vorgeschichte die Begründung.

War Maiorca der erste Mensch in 100 Metern Tiefe?
Nein. Diese Marke erreichte Jacques Mayol zuerst; Maiorca kam 1988 mit 101 Metern an seine persönlich tiefste Marke, blieb damit aber unter Mayols 105 Metern.
In welcher Disziplin wurden diese Rekorde getaucht?
In der Form des Tieftauchens mit Abstiegshilfe, wie sie in jenen Jahren üblich war. Die heutigen Wettkampfdisziplinen des Apnoetauchens mit ihren getrennten Regelwerken und Verbandsanerkennungen sind erst später entstanden; ein unmittelbarer Vergleich mit heutigen Rekordlisten ist deshalb nicht möglich.
Wie nah ist der Film an den Tatsachen?
Der Film ist eine freie Bearbeitung, kein Dokumentarfilm. Maiorca hielt die ihm nachempfundene Figur für unvorteilhaft gezeichnet und widersprach dem italienischen Kinostart bis 2002.

Quellen

  • Wikipedia: Enzo Maiorca — Lebensdaten 21. Juni 1931 bis 13. November 2016 in Syrakus, Rekordfolge ab September 1960, der Versuch von 1988 gegen Mayols 105 Meter, Senatsmandat ab 1994
  • Wikipedia (englisch): Enzo Maiorca — Zwischenmarken November 1966 und August 1973, Amerigo Santarelli, der Bruch mit der Harpunenfischerei 1967, die Filmfigur Enzo Molinari und der Widerspruch bis 2002, Plemmirio
  • Planet Wissen: Apnoe-Tauchen — die Blutverschiebung zur Körpermitte und Mayol als erster Freitaucher in 100 Metern

Zur Quellenlage: Die Rekordtiefen stehen in beiden Wikipedia-Fassungen übereinstimmend; einzelne Zwischenmarken sind nur in jeweils einer der beiden verzeichnet und oben entsprechend zugeordnet. Bei der Parteizugehörigkeit des Senatsmandats weichen die Fassungen voneinander ab — die deutsche nennt das Movimento Sociale Italiano, die englische die Alleanza Nazionale; der Eintrag nennt deshalb nur das Mandat. Eine Primärquelle zu den Rekorden, etwa eine zeitgenössische Verbandsurkunde, liegt nicht vor.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.