Spool

Schwarzer Fingerspool mit dicht aufgewickelter weisser Leine und durchgehendem Mittelloch liegt auf dem Holzdeck eines Tauchbootes.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Ein Spool ist eine kleine, mechanisch einfache Leinenspule ohne Kurbel und ohne Bremse, von der ein Taucher Leine abzieht und wieder aufwickelt — meist, um eine Oberflächenboje zu setzen.

Der Spool ist das Gegenstück zum Reel: Wo dieses ein Gehäuse, einen Knauf und eine Bremse hat, hat der Spool nichts davon. Genau darin liegt sein Vorteil. Ein Bauteil, das sich nicht bewegen kann, kann auch nicht klemmen — und ein klemmendes Abspulgerät ist beim Setzen einer Boje die gefährlichste aller Störungen.

Aufbau

Ein Spool besteht aus einem Stück: zwei breiten runden Seitenscheiben, einer tiefen Nut dazwischen für die Leine und einem durchgehenden Loch in der Mitte. Durch dieses Loch steckt der Taucher einen Finger, auf dem die Spule frei dreht — daher der im Deutschen gebräuchliche Name Fingerspool. Am Leinenende sitzt in der Regel ein Doppelkarabiner, mit dem der Spool an der Boje eingeklinkt und außerhalb des Einsatzes am Jacket verstaut wird.

Die englische Wikipedia hebt diese Bauweise ausdrücklich hervor: Eine Spule, die mit einem Gewicht versehen auf dem Finger oder in der hohlen Hand dreht, könne nicht blockieren und gelte deshalb als die sicherere Lösung gegenüber einer Rolle mit Sperrklinke.

Leine und Leinenstärke

Übliche Längen für Fingerspools liegen im Bereich einiger Dutzend Meter. Ein Händlerleitfaden nennt als Beispiele einen Fingerspool mit 30 Metern und einen kompakten Spool mit Dyneema-Leine von 90 Metern. Derselbe Leitfaden gibt die im technischen Tauchen gebräuchlichen Leinenstärken wieder: #18 als leichteste Leine für Distanzleinen, #24 als mittleres und meistverwendetes Maß und #36 als schwerste Leine, die bei der Wrackdurchdringung bevorzugt wird. Für Leine aus geflochtenem Nylon hält er fest, dass sie nicht schwimmt.

Für das Setzen einer Boje aus dem Sicherheitsstopp genügen kurze Längen. Ein Spool mit hundert Metern Leine, der aus fünf Metern Tiefe eingesetzt wird, bringt nur eines mit — mehr lose Leine, als man im Wasser kontrollieren kann.

Handhabung

Die Sicherheitsregeln zum Umgang sind bei Spool und Reel dieselben, und DAN formuliert die wichtigste davon unmissverständlich: „Divers should never clip the reel or spool to themselves during deployment.“ Klemmt die Leine, während der Spool am Taucher hängt, zieht der Auftrieb der aufsteigenden Boje unmittelbar am Taucher — der schnelle Aufstieg ist dann nicht mehr zu bremsen. Dasselbe gilt an der Oberfläche: Ein Boot oder ein Passant, der an der Bojenleine zieht, zieht am Taucher.

DAN nennt drei weitere Punkte: Die Leine ist straff und mit möglichst viel Abstand vom Körper zu führen, lose Leine wird sofort beseitigt, und ein leicht erreichbares Schneidwerkzeug gehört zur Ausrüstung. Für das Setzen selbst gilt der Merksatz derselben Quelle: „slow is smooth, and smooth is fast.“

Beim Aufstieg wird die Leine in dem Tempo aufgewickelt, in dem man steigt, damit sie unter Spannung bleibt. Genau das ist die Schwäche des Spools gegenüber dem Reel: Es geht langsamer, und mit dicken Trockentauchhandschuhen will es geübt sein. Ein Händlerleitfaden formuliert es als Abwägung — Fingerspools verlangen Geschick und Übung —, und DAN bringt dieselbe Abwägung auf eine Zeile: „a reel is easier to deploy, but a spool is more difficult to jam.“

Aus der Ausbildung

Als Tauchlehrer rate ich, den Spool nicht an dem Tag zum ersten Mal zu benutzen, an dem man ihn braucht. Das Aufwickeln im Schwebezustand, mit einer Hand, ohne die Tarierung zu verlieren, ist die eigentliche Fertigkeit — nicht das Abspulen. Wer sie im Becken geübt hat, setzt die Boje später an jeder Stelle des Aufstiegs, ohne den Partner aus den Augen zu verlieren. Und wer den Spool regelmäßig am Ende jedes Tauchgangs einsetzt, wie DAN es empfiehlt, braucht ihn im Ernstfall nicht zu suchen.

Quellen

Zur Quellenlage: Für Spools gibt es keine Norm und keinen Verbandsstandard, der Maße oder Leinenlängen festlegt. Die Zahlenangaben stammen aus einem Händlerleitfaden und bezeichnen marktübliche Erzeugnisse, keine Vorgaben. Die Sicherheitsregeln beruhen auf einer DAN-Veröffentlichung, der Abschnitt „Aus der Ausbildung“ auf Unterrichtserfahrung.

Spool oder Reel — was soll ich kaufen?
Für das Setzen einer Oberflächenboje aus dem Sicherheitsstopp genügt ein Spool, und er kann nicht klemmen. Ein Reel lohnt sich, wenn längere Leinen geführt werden — bei der Durchdringung von Wracks und Höhlen oder beim Auslegen einer Grundleine. DAN empfiehlt keine der beiden Lösungen, sondern die Abwägung nach dem eigenen Bedarf.
Wie lang sollte die Leine sein?
So lang, dass sie von der tiefsten Stelle reicht, an der die Boje gesetzt werden soll — und nicht länger. Marktüblich sind für Fingerspools Längen ab etwa 30 Metern. Überschüssige Leine ist kein Vorteil: Sie muss im Wasser kontrolliert werden und erhöht das Risiko, sich zu verheddern.
Darf ich den Spool am Jacket eingeklinkt lassen, während die Boje aufsteigt?
Nein. DAN lehnt das ausdrücklich ab: Klemmt die Leine, überträgt sich der Auftrieb der Boje unmittelbar auf den Taucher und löst einen unkontrollierten Aufstieg aus. Eingeklinkt wird der Spool erst wieder, wenn die Boje steht und die Leine aufgewickelt ist — und auch dann nur, solange kein Bootsverkehr an der Leine ziehen kann.
Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.