Frankreich regelt das Tauchen anders als jedes andere europäische Land – nicht über Brevets, sondern über gesetzliche Befähigungen und Tiefenzonen. Wer das nicht weiß, steht an der Basis und wundert sich, warum er nur bis zwanzig Meter darf.

Der eine Satz, der in Frankreich am meisten wert ist: Wer tief tauchen will, nimmt die CMAS-Karte mit. Die CMAS-Sterne stehen namentlich im Code du Sport, PADI und SSI nicht. Wer nur ein PADI- oder SSI-Brevet dabeihat, kommt in Frankreich maximal auf 40 Meter – auch mit Deep-Speciality und achthundert Tauchgängen. Die Zone bis 60 Meter ist Brevets von FFESSM, FSGT, UCPA, ANMP, SNMP und CMAS rechtlich vorbehalten.

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Nicht Brevets, sondern aptitudes

Das ist der Denkfehler, den fast jeder deutsche Taucher in Frankreich macht. Der Code du Sport kennt vier Buchstabenpaare: PE für plongeur encadré – geführt tauchen –, PA für plongeur autonome – ohne Guide –, dazu PN für Nitrox und PTH für Trimix. Die Zahl dahinter ist die Tiefe. Das Brevet ist dabei nur das Nachweismittel für eine Befähigung, nicht die Berechtigung selbst.

CMAS* (Plongeur 1 étoile)PE-20 – geführt bis 20 Meter
CMAS**PE-40 und PA-20 – geführt bis 40, autonom bis 20 Meter
CMAS***PE-60 und PA-60 – die vollen 60 Meter
PADI/SSI Open Waterin der Regel PE-20. Autonomie erst nach Bewertung durch den directeur de plongée.
PADI Advancedin der Regel PE-40 und PA-20, ebenfalls nach Bewertung

Dass PADI und SSI nicht in der Anlage des Code du Sport stehen, heißt ausdrücklich nicht, dass man nicht tauchen darf. Art. A322-77 regelt genau diesen Fall: Der Taucher weist seine Befähigung gegenüber dem directeur de plongée nach, im Zweifel durch Brevet und Logbuch. Reicht ihm das nicht, macht er einen Bewertungstauchgang – une plongée d’évaluation, oft kostenpflichtig und auf Preislisten als réadaptation geführt.

Neu seit dem 30. Oktober 2025 ist das Mindestalter fürs autonome Tauchen: PA-12 und PA-20 ab sechzehn, PA-40 ab siebzehn Jahren. Und für gemischte Gruppen gilt ohne Verhandlungsspielraum: Die Gruppe richtet sich immer nach dem Taucher mit der restriktivsten Befähigung.

Was vorgeschrieben ist — und was nicht

Eine verbreitete Behauptung stimmt nicht: Der Code du Sport schreibt keine zahlenmäßige Gasreserve vor. Es gibt keinen Grenzwert „50 bar“ und keine Drittelregel im Gesetz. Die 50-bar-Reserve ist eine Konvention und taucht nur in der offiziellen Handzeichentafel auf.

Vorgeschrieben ist dafür anderes, und mehr, als viele erwarten. Art. A322-80 verlangt ein Finimeter an jeder Flasche, für jeden geführten Taucher tiefer als zwanzig Meter und jeden autonomen Taucher einen Oktopus – ausdrücklich eine Luftversorgung ohne Teilen des Mundstücks, also kein Wechselatmen – sowie eigene Instrumente zur Kontrolle von Tiefe und Aufstieg. Der Gruppenführer braucht zwei unabhängige Abgänge und zwei komplette Atemregler. Und: Jede Gruppe führt eine Signalboje mit, den parachute de palier.

An der Einstiegsstelle verlangt Art. A322-78 einen schriftlichen Notfallplan, ein Kommunikationsmittel – beim Tauchen vom Boot im Meer ist UKW Pflicht –, Trinkwasser, Beatmungsbeutel, Sauerstoffanlage, Rettungsdecke, Evakuierungsformulare und eine Reserveflasche mit Atemregler.

Das ärztliche Attest

Hier muss man zwei Fälle trennen, und die deutschen Reiseratgeber tun das meistens nicht. Für eine französische Lizenz oder eine Ausbildung ist das Attest zwingend: Tauchen ist per Dekret als Disziplin mit besonderen Anforderungen eingestuft, und daraus folgt ein ärztliches Zeugnis, das nicht älter als ein Jahr sein darf. Für den deutschen Urlauber an einer kommerziellen Basis verlangt der Code du Sport dagegen kein Attest – es ist keine staatliche Pflicht.

Praktisch braucht man trotzdem eines, und zwar fast überall. Die amtliche Broschüre des Sportministeriums empfiehlt es ausdrücklich, und die Basen setzen es durch: Marseille schreibt, für geführte wie autonome Tauchgänge werde keine Ausnahme gewährt; die Bretagne verlangt „certificat médical de moins de 12 mois“. Die Faustregel: baptême und Schnorchelausflug ohne Attest, alles andere mit.

Die Sätze, die sitzen müssen

« Je ne me sens pas à l’aise avec cette plongée. »Ich fühle mich mit diesem Tauchgang nicht wohl.
« Je préfère ne pas faire celle-là. Je vous attends au bateau. »Den lasse ich aus. Ich warte am Boot.
« Je préfère plonger encadré, pas en autonomie. »Ich möchte geführt tauchen. Der zentrale Gegensatz im französischen System.
« Ça ne passe pas. »Mein Druckausgleich klappt nicht – die Kurzform, die jeder versteht.
« J’ai froid. » / « Je suis essoufflé. »Mir ist kalt. / Ich bekomme schlecht Luft. Beides zugleich Handzeichen.
« Je suis sur réserve. » / « Je n’ai plus d’air ! »Ich bin auf Reserve. / Ich habe keine Luft mehr!
« Je veux arrêter la plongée. »Ich will den Tauchgang beenden.
« On fait demi-tour à combien de bars ? »Bei wie viel bar kehren wir um? – Für den Umkehrdruck gibt es kein festes französisches Substantiv, man fragt nach der Zahl.

Ein Zusatz aus der offiziellen Zeichentafel, den Deutsche oft übersehen: Ein Zeichen verlangt immer eine Antwort, in der Regel das OK-Zeichen. Wer in Frankreich nickt statt OK zu geben, gilt als nicht verstanden.

Was der Guide im Briefing sagt

Die französische Briefingstruktur ist standardisiert und läuft überall in derselben Reihenfolge ab: Administratif, Matériel, Consignes de sécurité, Spécificités de la plongée, Questions. Wer diese fünf Blöcke kennt, versteht jedes Briefing, auch bei schnellem Französisch.

« On reste dans la courbe de sécurité. »Wir bleiben in der Nullzeit.
« Vous restez à portée de palmes, et jamais en dessous de moi. »In Flossenreichweite bleiben und nie unter dem Gruppenführer – im Lehrskript in Großbuchstaben.
« Vous m’affichez votre pression à mi-pression et à 50 bars. »Druck zeigen bei halbem Vorrat und bei 50 bar.
« En cas de perte de palanquée : on cherche une minute, puis on remonte à la vitesse des petites bulles. »Bei Gruppenverlust eine Minute suchen, dann auftauchen. Die petites bulles – Bläschen in Stecknadelkopfgröße – sind die französische Merkregel für die Aufstiegsgeschwindigkeit.
« L’oxygène est à bord, sous le banc à l’arrière. »Wo der Sauerstoff liegt, ist ein Pflichtpunkt jedes Briefings.
« Est-ce qu’il y a des questions ? »Der Schlusssatz. Nutz ihn.

Wörter, die man leicht verwechselt

la carte de niveau / la carte de plongéeBrevetausweis / Zehnerkarte. Zwei verschiedene Dinge, ein Wort auseinander.
le parachute de palier / le parachute de relevageSignalboje / Hebesack. Die französische Wikipedia warnt ausdrücklich: Die Dekoboje ist nicht dafür gemacht, Gegenstände vom Grund zu heben.
le bloc / la bouteilleBeides die Tauchflasche. An der Basis hört man fast nur bloc; bouteille ist das Schriftwort.
la stab / le gilet stabilisateurTarierjacket – gesprochen sagt jeder la stab‘.
la palanquéeDie Tauchgruppe – ein juristischer Begriff, kein Jargon.

Häufige Fragen

Wird mein deutsches Brevet in Frankreich anerkannt?
Ein CMAS-Brevet ja, unmittelbar – die Sterne stehen namentlich in der Anlage des Code du Sport. Bei PADI und SSI entscheidet der directeur de plongée auf Grundlage von Brevet und Logbuch, notfalls nach einem Bewertungstauchgang. Die Zone bis 60 Meter bleibt PADI- und SSI-Brevets verschlossen.
Brauche ich ein ärztliches Attest?
Gesetzlich nicht, wenn man ohne französische Lizenz an einer kommerziellen Basis taucht. Praktisch fast überall – die Basen verlangen es und gewähren oft ausdrücklich keine Ausnahme. Es darf nicht älter als ein Jahr sein. Ein deutsches Tauchtauglichkeitszeugnis wird in der Praxis akzeptiert; das ist Basispraxis und keine Rechtslage, also besser vorher per Mail fragen.
Was heißt Umkehrdruck auf Französisch?
Es gibt kein feststehendes Substantiv dafür. Man fragt nach der Zahl: „On fait demi-tour à combien de bars ?“ Belegt sind dagegen die beiden Handzeichen-Formulierungen „je suis à mi-pression“ und „je suis sur réserve, 50 bars“.
Kann ich an der Basis mit Karte zahlen?
Das muss man fragen, und zwar in beide Richtungen. Eine korsische Basis schreibt ausdrücklich „pas de CB“ – keine Karte. Eine Marseiller Basis genau umgekehrt: keine Barzahlung, nur Karte und Sofortüberweisung.

Quellen und weiterführende Links

Siehe auch: Tauchwörterbuch-Übersicht · Nullzeit · Sicherheitsstopp