Tauchschein Kursformat auf einen Blick
- Nach oben offen: Die SSI-Standards kennen kein maximales Zeitlimit für die Dauer eines Programms. Acht Wochen sind kein Sonderfall, sondern der Normalfall eines Kurses, der sich nach dem Kalender richtet.
- Nach unten gedeckelt: Für den Open Water Diver sind 16 bis 32 Stunden empfohlen, vier Ausbildungstauchgänge im Freiwasser vorgeschrieben und höchstens drei davon pro Tag erlaubt. Zwei Freiwassertage sind damit das rechnerische Minimum.
- Die Reihenfolge ist der eigentliche Taktgeber: Freiwassertauchgang 2 setzt die Lektionen 1 bis 3 und die Poollektionen 2 bis 3 voraus, die Tauchgänge 3 und 4 die Lektionen 1 bis 6 und die Poollektionen 4 bis 6 — also das gesamte Pooltraining.
- Tiefenstaffelung: Freiwasser 1 und 2 höchstens 12 Meter, die übrigen Ausbildungstauchgänge höchstens 18 Meter, Pool höchstens 5 Meter, Mindesttiefe im Freiwasser 5 Meter.
- Mindestzeit unter Wasser: Jeder Ausbildungstauchgang muss mindestens 15 Minuten dauern, einschließlich Ein- und Ausstieg; die vier Tauchgänge zusammen mindestens 80 Minuten Grundzeit.
- Auch der gestreckte Kurs hat Fristen: Die Freiwassertauchgänge müssen binnen sechs Monaten nach der letzten Theorie- oder Wasserlektion abgeschlossen sein. Nach zwölf Monaten ohne Ausbildung im Wasser ist ein Scuba Skills Update Pflicht.
„Vier Tage oder acht Wochen“ klingt nach einer Frage des Temperaments — schnell und intensiv gegen langsam und gründlich. Tatsächlich ist es eine Frage der Reihenfolge. Die SSI Training Standards schreiben für den Open Water Diver nirgends eine Zahl von Kurstagen vor, sondern legen fest, welche Lektion vor welchem Tauchgang abgeschlossen sein muss. Aus diesen Bedingungen ergibt sich, wie stark ein Kurs überhaupt verdichtet werden kann — und ab wo die Verdichtung nur noch dadurch gelingt, dass etwas wegfällt.
Wo der Kurs stattfindet, ist eine davon unabhängige Entscheidung; sie ist im Beitrag Tauchkurs im Urlaub oder zuhause behandelt. Hier geht es allein um die zeitliche Verdichtung: was zusammenfällt, wenn aus acht Wochen vier Tage werden, und welche Fristen umgekehrt laufen, wenn ein Kurs sich über Monate zieht.
Die Standards begrenzen nicht die Dauer, sondern die Reihenfolge
Im Abschnitt „Programmdauer und Zeitlimits“ der SSI-Standards steht der Satz, den kaum ein Kursangebot zitiert: Es gibt kein maximales Zeitlimit für die Dauer eines SSI Programms. Einzelne Programme haben eine Mindestanzahl an Ausbildungsstunden, die in den jeweiligen Programmstandards steht — für den Open Water Diver sind 16 bis 32 Stunden für den Abschluss empfohlen. Eine Obergrenze in Tagen, Wochen oder Monaten existiert nicht.
Begrenzt wird stattdessen die Abfolge. Der Open Water Diver besteht aus sechs Theoriekapiteln, sechs Lektionen im Pool oder begrenzten Freiwasser und mindestens vier Ausbildungstauchgängen im Freiwasser. Die Standards knüpfen jeden Freiwassertauchgang an einen bestimmten Ausbildungsstand:
- Vor dem ersten Freiwassertauchgang muss die Wassertauglichkeit nachgewiesen sein: 200 Meter Schwimmen ohne Hilfsmittel oder 300 Meter mit Maske, Schnorchel und Flossen, ohne Anhalten und ohne Zeitlimit, dazu zehn Minuten Treiben oder Wassertreten ohne Auftriebshilfe.
- Freiwassertauchgang 1 darf vor Abschluss von Theorie und Pool stattfinden. Er muss dann die Anforderungen des Freiwassertauchgangs aus dem Basic-Diver-Programm erfüllen.
- Freiwassertauchgang 2 darf erst durchgeführt werden, wenn die Lektionen 1 bis 3 und die Poollektionen 2 bis 3 abgeschlossen und bewertet sind.
- Freiwassertauchgänge 3 und 4 setzen die Lektionen 1 bis 6 sowie die Poollektionen 4 bis 6 voraus. Da das Instructor Manual sechs Kapitel und sechs Poollektionen umfasst, heißt das: Theorie und Becken sind zu diesem Zeitpunkt vollständig abgearbeitet.
Damit ist der Kompaktkurs in seiner Struktur festgelegt, bevor irgendjemand einen Terminplan schreibt: Theorie und Becken müssen vor dem dritten Tauchgang fertig sein. Die Freiwassertauchgänge lassen sich also nicht auf die ersten beiden Tage legen.
Warum unter zwei Freiwassertagen nichts geht
Drei Regeln aus demselben Standardabschnitt begrenzen, was an einem einzelnen Tag möglich ist. Erstens: Höchstens drei Ausbildungstauchgänge im Freiwasser pro Tag, sofern die Programmstandards nichts anderes sagen; bei geplanten oder tatsächlich erforderlichen Dekompressionsstopps sind es zwei — für die Ausbildung zum Open Water Diver ohne Belang, weil alle Ausbildungstauchgänge innerhalb der Nullzeit stattfinden müssen. Zweitens: Jeder Ausbildungstauchgang muss mindestens 15 Minuten dauern, und Ein- und Ausstieg sowie das An- und Ablegen der Ausrüstung gehören ausdrücklich zum Tauchgang. Drittens verlangt der Programmstandard für den Open Water Diver eine minimale Gesamtgrundzeit von 80 Minuten über alle Ausbildungstauchgänge im Freiwasser.
Vier Tauchgänge bei höchstens drei pro Tag ergeben zwei Freiwassertage. Die 80 Minuten Gesamtgrundzeit ergeben im Schnitt 20 Minuten je Tauchgang — mehr, als das Minimum von 15 Minuten fordert. Ein Kurs, der die vier Tauchgänge mit jeweils einer Viertelstunde abhakt, erfüllt den Standard also nicht.
| Tag | Was der Standard zulässt | Was dabei abgeschlossen sein muss |
|---|---|---|
| 1 | Theorie, Poollektionen, Wasserfitness | Lektionen und Poollektionen 1 bis 3 |
| 2 | restliche Lektionen, Poollektionen 4 bis 6, Abschlusstest | Theorie und Pooltraining vollständig |
| 3 | Freiwasser 1 und 2, je max. 12 Meter | Voraussetzungen für Tauchgang 2 erfüllt |
| 4 | Freiwasser 3 und 4, je max. 18 Meter | alle Fertigkeitsbewertungen |
Diese Aufteilung ist die dichteste, die die Standards hergeben, ohne dass etwas ausgelassen wird — und sie hat keinen einzigen Puffertag. Fällt eine Fertigkeitsbewertung durch, verschiebt schlechte Sicht einen Tauchgang oder scheitert jemand am Schwimmnachweis, gibt es im Vier-Tage-Plan keinen Termin, an dem das aufgefangen werden könnte.
Für Jugendliche kommt eine weitere Bremse dazu. SSI empfiehlt bei drei oder mehr Tauchgängen pro Tag mit Junior-Tauchern zwischen 10 und 14 Jahren, die Tauchzeit für alle Tauchgänge tiefer als 12 Meter auf 30 Minuten zu begrenzen und mindestens zwei Stunden Oberflächenpause einzuhalten. Ein Familienkompaktkurs mit drei Tauchgängen an einem Tag ist damit rechnerisch ein Ganztagestermin, nicht ein Vormittag.
Was die Verdichtung streicht
Was im Kompaktkurs wegfällt, ist nicht Inhalt — die Fertigkeitsliste ist identisch. Es fällt die Wiederholung unter veränderten Bedingungen weg, und das an drei Stellen.
Die erste ist die Tiefenstaffelung. Die Freiwassertauchgänge 1 und 2 dürfen höchstens 12 Meter tief sein, die übrigen höchstens 18 Meter; im Pool oder begrenzten Freiwasser sind 5 Meter das Maximum, und die Mindesttiefe im Freiwasser beträgt ebenfalls 5 Meter. Diese Staffelung ist der eigentliche Lernpfad: derselbe Maskenausblasvorgang auf 5, auf 12 und auf 18 Metern ist dreimal eine andere Übung, weil Atemgasverbrauch, Kälte und Druckgefühl mitwandern. Werden die vier Tauchgänge an zwei aufeinanderfolgenden Tagen abgearbeitet, durchläuft ein Schüler diese Staffelung einmal. In einem Kurs über sechs Wochen durchläuft er sie mit Pausen dazwischen — und merkt beim zweiten Mal, was beim ersten Mal Zufall war.
Die zweite Stelle ist das Pooltraining. Sechs Poollektionen an zwei Tagen sind zulässig, aber sie liegen dann so dicht, dass eine Fertigkeit nicht wirklich abkühlen kann. Erst der Abstand zeigt, was hängen geblieben ist. SSI trägt dem an anderer Stelle selbst Rechnung: Die Fertigkeiten aus Poollektion 1 dürfen mit jeder anderen praktischen Einheit kombiniert werden, müssen aber vor der Zertifizierung abgeschlossen sein — der Standard rechnet also mit Wiederholung, nicht mit einmaligem Abhaken.
Die dritte ist der Puffer für zusätzliche Tauchgänge. Die Standards enthalten die ausdrückliche Empfehlung, wo immer möglich zusätzliche Erfahrungs- oder Ausbildungstauchgänge durchzuführen. In einem Vier-Tage-Plan ist dafür kein Platz vorgesehen; in einem Kurs über acht Wochen ist der zusätzliche Seetermin die naheliegendste Ergänzung.
Der gestreckte Kurs läuft gegen zwei Uhren
Dass es kein Zeitlimit für die Programmdauer gibt, heißt nicht, dass ein Kurs beliebig liegen bleiben darf. Zwei Fristen laufen unabhängig davon:
- Sechs Monate: Die Ausbildungstauchgänge im Freiwasser müssen bei allen SSI Programmen innerhalb von sechs Monaten nach der letzten Theorie- oder Wasserlektion abgeschlossen sein. Liegt die letzte Einheit länger zurück, muss der Instructor Theorie und Fertigkeiten neu bewerten, bevor es ins Freiwasser geht.
- Zwölf Monate: Für alle Einstiegslevel-Programme gilt, dass ein Schüler nach mehr als zwölf Monaten seit der letzten Ausbildung im Wasser das Scuba Skills Update absolvieren muss. Es ist in MySSI einzutragen und die digitale Karte auszustellen, bevor überhaupt ein Ausbildungstauchgang im Freiwasser stattfindet.
Dazu kommen zwei Empfehlungen, die in der Praxis fast so verbindlich wirken wie die Fristen selbst. SSI rät, bereits nach sechs Monaten zwischen dem Abschluss von Theorie und Pool und den Freiwassertauchgängen ein Scuba Skills Update einzuschieben. Und die Bewertung der Wasserfitness soll wiederholt werden, wenn die letzte mehr als sechs Monate zurückliegt.
Praktisch bedeutet das: Ein Kurs über acht Wochen ist völlig unproblematisch. Ein Kurs, bei dem Theorie und Pool im November stattfinden und die Freiwassertauchgänge auf den Sommer verschoben werden, ist es nicht — er läuft in die Sechs-Monats-Grenze und damit in eine Neubewertung. Wer seine Ausbildung über den Winter unterbricht, sollte den Freiwassertermin deshalb nicht offen lassen, sondern beim Buchen mitplanen.
Beim nächsten Brevet wird die Verdichtung enger
Wer nach dem Open Water Diver gleich den Advanced Open Water Diver anhängen will — bei SSI ab 12 Jahren, mit 10 bis 15 empfohlenen Stunden und maximal 30 Metern —, stößt auf eine Regel, die jede Kompaktplanung durcheinanderbringt: Der Deep-Diving-Ausbildungstauchgang muss erfolgreich abgeschlossen sein, bevor andere Ausbildungstauchgänge im Freiwasser tiefer als 18 Meter durchgeführt werden.
Das ist keine Formalie, sondern eine Sortiervorschrift für den Terminplan. Ein Kompakt-Advanced, der mit Navigation und Nachttauchgang beginnt und den Tieftauchgang ans Ende legt, muss alle vorangehenden Tauchgänge auf 18 Meter begrenzen. Wer den Deep-Tauchgang dagegen vorzieht, hat den Rest des Programms frei. Für 12- bis 14-Jährige gilt beim Deep-Tauchgang zusätzlich eine Grenze von 21 Metern, und das Schüler-Instructor-Verhältnis fällt bei Deep- und Overhead-Programmen auf 4:1 — mit zertifizierten Assistenten lässt es sich hier ausdrücklich nicht erhöhen. Eine große Kompaktgruppe ist an dieser Stelle also nicht nur unangenehm, sondern nicht zulässig.
Was ich an einem Vier-Tage-Kurs anders mache
Ich bin SSI Open Water Scuba Instructor und CMAS-Ein-Stern-Tauchlehrer, und ich unterrichte beide Formate. Der Unterschied liegt für mich nicht in der Gründlichkeit, sondern darin, wann ich Probleme sehe. In einem Kurs über Wochen zeigt sich am zweiten Poolabend, wer beim Maskenabnehmen die Luft anhält. In vier Tagen sehe ich dasselbe erst am Freiwassertag — und dann fehlt die Zeit, es in Ruhe zu korrigieren.
Deshalb ziehe ich im Kompaktformat zwei Dinge nach vorn. Die Bewertung der Wasserfitness mache ich am ersten Tag, nicht wenn es ins Freiwasser geht. Das entspricht auch der Empfehlung der Standards, Schüler frühzeitig zu überprüfen — und es ist der einzige Punkt, an dem sich ein Kompaktkurs überhaupt noch retten lässt, wenn 200 Meter Schwimmen ohne Anhalten nicht sitzen. Und ich lasse die Maskenfertigkeiten in jeder Poollektion wieder auftauchen, statt sie einmal abzunehmen. Der Standard erlaubt das ausdrücklich, weil die Fertigkeiten der ersten Poollektion mit allen anderen Einheiten kombiniert werden dürfen.
Das Zweite ist die Ehrlichkeit über den vierten Tag. Bei zwei Tauchgängen auf bis zu 18 Metern nach zwei dichten Vortagen sind die meisten Anfänger müde, kalt und mit dem Kopf beim Nachmittag. Ich setze deshalb den zweiten Tauchgang des letzten Tages bewusst nicht auf die zulässige Maximaltiefe, sondern flacher an, wenn ich merke, dass die Konzentration nachlässt. Der Standard gibt eine Obergrenze vor, keine Vorgabe. Und ein Brevet, das mit einem gelungenen ruhigen Tauchgang endet, ist mehr wert als eines mit einer Zahl im Logbuch.
Welches Format zu wem passt
- Vier Tage: geeignet für sichere Schwimmer, die den Schwimm- und Wassertretnachweis ohne Zweifel erfüllen, und für alle, die eine feste Frist haben. Ein fünfter Tag als Reserve im Reiseplan ist die günstigste Versicherung, die es für diesen Kurs gibt.
- Verteilt über Wochen: geeignet für alle, die zwischen den Terminen üben wollen, und für Kurse mit Jugendlichen, bei denen die Tauchgangszahl pro Tag ohnehin niedrig bleibt. Wichtig ist nur, dass die Freiwassertauchgänge innerhalb von sechs Monaten nach der letzten Theorie- oder Wasserlektion liegen.
- Geteilt in Theorie zu Hause und Freiwasser später: zulässig, aber mit eigener Uhr — nach sechs Monaten empfiehlt SSI ein Scuba Skills Update, nach zwölf Monaten ohne Ausbildung im Wasser ist es Pflicht.
- Für alle Varianten gilt: Vier Ausbildungstauchgänge, mindestens 80 Minuten Gesamtgrundzeit und eine vollständige Fertigkeitsbewertung sind nicht verhandelbar. Ein Angebot, das damit unterbietet, verkauft kein schnelleres Format, sondern ein unvollständiges.
Häufige Fragen zum Tauchschein Kursformat
Siehe auch: Freiwasser-Ausbildung: so läuft das Open Water Training ab · Grundlegende Tauchfertigkeiten · PADI oder SSI im Vergleich · Indoor Tauchen in Deutschland
Quellen und weiterführende Links
- SSI: Scuba Training Standards und Verfahren 2026.2, deutsche Fassung vom 20.08.2026, Abschnitt „Programmdauer und Zeitlimits“ – kein maximales Zeitlimit für die Programmdauer, Sechs-Monats-Frist für die Freiwassertauchgänge, Zwölf-Monats-Grenze mit Scuba Skills Update, maximal drei Ausbildungstauchgänge pro Tag, Mindestdauer 15 Minuten je Tauchgang
- SSI: Scuba Training Standards und Verfahren 2026.2, Programmstandard Open Water Diver (ISO 24801-2) – 16 bis 32 empfohlene Stunden, minimale Gesamtgrundzeit 80 Minuten, vier Ausbildungstauchgänge, Tiefengrenzen 5, 12 und 18 Meter, Reihenfolge der Lektionen und Tauchgänge
- SSI: Scuba Training Standards und Verfahren 2026.2, Programmstandard Advanced Open Water Diver – Mindestalter 12 Jahre, 10 bis 15 empfohlene Stunden, Deep-Tauchgang vor allen Tauchgängen über 18 Meter, Verhältnis 4:1 bei Deep- und Overhead-Programmen
- SSI: Scuba Training Standards und Verfahren 2026.2, Bewertung der Wasserfitness – 200 Meter Schwimmen oder 300 Meter mit Maske, Schnorchel und Flossen, zehn Minuten Wassertreten, Empfehlung zur Wiederholung nach sechs Monaten

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