Chokes ist die im Tauchsport gebräuchliche Bezeichnung für die pulmonale Form der Dekompressionskrankheit: eine so große Menge Gasblasen in der Lungenstrombahn, dass die Lunge ihre Arbeit nicht mehr leisten kann. Die Zeichen sind trockener Husten, Schmerz hinter dem Brustbein und Atemnot. Das Bild ist selten — und es gehört zu den schweren Verläufen.
Was ein Taucher spürt
Das Divers Alert Network beschreibt die Chokes in seinem Kapitel zur Diagnose der Dekompressionskrankheit als „dry cough; chest pain behind the sternum, or breastbone; and breathing difficulty“ und ordnet sie den Typ-2-Symptomen zu, also den ernsten. Zum Mechanismus heißt es dort: „The respiratory complaints, which are typically due to high bubble loads in the lungs, can compromise the lungs‘ ability to function.“
Das MSD Manual führt dasselbe Bild auf Deutsch unter dem Stichwort „Erstickungsanfälle“ und nennt „Atemnot, Brustschmerzen, Husten als Folge eines Lungenödems“. Es sind, so das Manual, „seltene, aber ernste Anzeichen“ mit dem Risiko eines „raschen Herzkreislaufversagens“ bis zum Tod.
Warum der Begriff in der deutschen Leitlinie nicht vorkommt
Die S2k-Leitlinie „Tauchunfall“ der GTÜM von 2023 verwendet das Wort „Chokes“ nicht. Sie sortiert überhaupt nicht nach Krankheitsbildern, sondern nach Schweregrad: Als milde Symptome führt sie nur auffällige Müdigkeit und „Hautjucken ohne sichtbare Hautveränderungen (Taucherflöhe)“ auf; unter den schweren stehen unter anderem „Atembeschwerden“ und „Herz-Kreislauf Probleme (Brustenge, Schock)“.
Das ist kein Widerspruch zu DAN und MSD, sondern eine andere Ordnung derselben Sache — mit einer praktischen Folge, die ich in der Ausbildung gern betone: Nach der deutschen Leitlinie ist jedes Atembeschwerde-Symptom nach einem Tauchgang per Definition ein schweres Symptom. Man muss den Begriff „Chokes“ gar nicht kennen, um richtig zu handeln.
Wann die Beschwerden auftreten
Das MSD Manual nennt für die Dekompressionskrankheit insgesamt ein enges Zeitfenster: „Die Symptome treten bei ca. 50% der Patienten innerhalb von einer Stunde und bei 90% innerhalb von 6 Stunden nach dem Auftauchen an die Oberfläche auf.“ Beschwerden, die nach dem Tauchgang beginnen und sich nicht rasch bessern, gehören also in genau dieses Raster — nicht in die Schublade „Wasser geschluckt“.
Wovon die Chokes abzugrenzen sind
- Lungenüberdruckunfall und arterielle Gasembolie: Dort platzt beim Aufstieg überdehntes Lungengewebe, Gas gelangt unmittelbar in die Blutbahn. Die Chokes dagegen sind eine Folge der Dekompression, also des Ausperlens zuvor gelösten Gases. Das MSD Manual stellt beide Bilder in einer eigenen Vergleichstabelle nebeneinander.
- Das Immersionslungenödem, das im MSD Manual als eigenes Krankheitsbild geführt wird.
- Aspiration von Wasser, Anstrengungsdyspnoe, Kälte.
⚠️ An Bord ist diese Unterscheidung nicht zuverlässig zu treffen, und sie muss es auch nicht sein: Die Erstmaßnahmen sind bei allen genannten Bildern dieselben.
Was zu tun ist
Die Leitlinie nennt als Erstmaßnahmen die „sofortige Atmung von 100% Sauerstoff“, Flüssigkeit in Höhe von „0,5–1 Liter Flüssigkeit/Stunde“, „Seitenlage bei Bewusstseinsstörung“ sowie „Ruhiglagerung/keine unnötige Bewegung“. Parallel dazu gehört der tauchmedizinische Notruf abgesetzt; die Nummern und der weitere Ablauf stehen im Eintrag Tauchunfall. Die Behandlung selbst ist die Rekompression in der Druckkammer.
Als Tauchlehrer formuliere ich es im Kurs so knapp wie möglich: Jeder Husten, jede Atemnot und jeder Druck hinter dem Brustbein nach einem Tauchgang ist ein Notfall, bis das Gegenteil feststeht. Sauerstoff kostet nichts außer Gas, ein zu spät abgesetzter Notruf kostet mehr.
Hinweis: Dieser Eintrag erklärt einen tauchmedizinischen Fachbegriff. Er ersetzt keine ärztliche Beratung und keine tauchmedizinische Untersuchung. Bei Verdacht auf einen Tauchunfall gilt der tauchmedizinische Notruf, nicht ein Lexikoneintrag.
Quellen
- DAN, „Diagnosing Decompression Sickness“ — Symptombeschreibung und Mechanismus der Chokes.
- MSD Manual, Profi-Ausgabe: Dekompressionskrankheit — „Erstickungsanfälle“, Typ-I- und Typ-II-Einteilung, Zeitfenster.
- S2k-Leitlinie „Tauchunfall“ (GTÜM, GMS 2023;21:Doc01) — Einteilung in milde und schwere Symptome, Erstmaßnahmen.
