Negativer Auftrieb

Vollständig ausgerüsteter Taucher sinkt mit entlüftetem Tarierjacket aufrecht und füße voran in tieferes Wasser ab.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Negativer Auftrieb liegt vor, wenn die Gewichtskraft eines Körpers größer ist als die Auftriebskraft des von ihm verdrängten Wassers — er sinkt. Für den Taucher ist das kein Fehler, sondern ein Zustand, den er zum Abtauchen braucht, während des Tauchgangs ausgleicht und am Ende wieder loswerden muss. Das Gegenstück ist der positive Auftrieb.

Die drei Zustände

Grundlage ist das archimedische Prinzip. Die Tauchphysik formuliert es so: „Der statische Auftrieb eines von Wasser umgebenen Körpers wirkt der Gewichtskraft, dem Abtrieb, entgegen und entspricht der Gewichtskraft des verdrängten Wassers.“ Daraus ergeben sich drei Fälle, die Tauchrevier Deutschland knapp gegenüberstellt: Auftriebskraft größer als Gewichtskraft bedeutet positiven Auftrieb, Gewichtskraft größer als Auftriebskraft negativen, Gleichstand neutrale Tarierung.

Entscheidend ist dabei nicht das Gewicht allein, sondern das Verhältnis von Gewicht zu verdrängtem Volumen. Ein Taucher mit 7-Millimeter-Nassanzug verdrängt erheblich mehr Wasser als derselbe Taucher in der Badehose — und braucht deshalb mehr Blei, um überhaupt negativ zu werden. Mehr dazu steht im Eintrag zum Auftrieb.

Wo negativer Auftrieb gewollt ist

Ohne negativen Auftrieb kommt niemand unter Wasser. Beim Abtauchen wird er hergestellt, indem die Luft aus der Tarierweste abgelassen wird und das Blei die verbliebene Verdrängung überkompensiert. Beim negativen Einstieg vom Boot ist genau das der Zweck: schnell und ohne Strömungsdrift unter die Oberfläche zu kommen.

Danach ist er unerwünscht. Der eigentliche Kunstgriff im Tauchen besteht darin, den negativen Auftrieb nach dem Abtauchen so weit wegzunehmen, dass sich neutrale Tarierung einstellt — und sie in jeder Tiefe zu halten.

Warum er sich während des Tauchgangs ändert

Zwei Effekte arbeiten gegeneinander, und beide sind der Grund, warum Tarieren geübt werden muss.

  • Der Anzug wird dünner. Neopren enthält Gasbläschen. Mit zunehmendem Druck werden sie zusammengedrückt, das verdrängte Volumen sinkt — der Taucher wird mit der Tiefe negativer. Der Nassanzug zeigt das deutlich, der Trockentauchanzug lässt sich dagegen aktiv mit Luft füllen.
  • Die Flasche wird leichter. Das Atemgas hat Masse, und was ausgeatmet wird, ist weg. Gegen Ende des Tauchgangs ist der Taucher deshalb leichter als am Anfang — bei gleichem Volumen also weniger negativ.

Die zweite Größe ist die, an der die Bleimenge hängt. Wer sich mit voller Flasche neutral tariert, ist mit fast leerer Flasche positiv und kann den Sicherheitsstopp nicht halten. Der Bleicheck gehört deshalb ans Ende eines Tauchgangs, nicht an den Anfang.

Wo er gefährlich wird

Überbleiung ist der häufigste stille Fehler in der Sporttaucherei. Wer zu viel Blei trägt, gleicht das mit Luft in der Tarierweste aus und schwimmt dann mit einem Ballon am Rücken — schräg in der Lage, mit schlechtem Trimm, mit hohem Luftverbrauch und mit einem Auftrieb, der sich bei jedem Tiefenwechsel stark ändert. Fällt die Tarierweste aus oder läuft der Trockenanzug voll, bleibt ein negativer Auftrieb, den man unter Umständen nicht mehr wegschwimmen kann.

Als Tauchlehrer rate ich deshalb zu der unbequemen Variante: das Blei so lange in kleinen Schritten reduzieren, bis der Sicherheitsstopp mit fast leerer Flasche und leerer Tarierweste gerade noch zu halten ist. Das ist die Menge, die stimmt.

Süßwasser und Salzwasser

Salzwasser hat die höhere Dichte und erzeugt bei gleichem verdrängtem Volumen mehr Auftrieb. Tauchrevier Deutschland nennt die Wasserdichte ausdrücklich als einen der Einflüsse auf die Tarierung. Praktisch heißt das: Wer im See austariert ist, ist im Meer zu leicht und braucht mehr Blei — nicht umgekehrt.

Quellen

Zur Quellenlage: Die beiden deutschsprachigen Fundstellen sind Praktikerquellen, keine Verbandsstandards oder Normen. Zahlenangaben zur Bleimenge, zur Kompression bestimmter Neoprenstärken oder zum Gewicht der Flaschenfüllung sind hier bewusst nicht aufgeführt, weil sie von Anzug, Flasche und Person abhängen und in den aufgeführten Quellen nicht belegt sind.

Ist ‚negativ tariert‘ dasselbe wie ‚überbleit‘?
Nein. Negativer Auftrieb ist ein Zustand, den jeder Taucher zeitweise braucht — beim Abtauchen zum Beispiel. Überbleit ist, wer so viel Blei trägt, dass er diesen Zustand nicht mehr über die Tarierweste wegbekommt, ohne sie stark zu füllen. Der Unterschied ist die Reserve: Richtig bebleit heißt, dass man negativ werden kann, wenn man will, und neutral, wann immer man es braucht.
Warum brauche ich am Ende des Tauchgangs mehr Luft in der Weste als am Anfang?
Das ist meist ein Zeichen für zu viel Blei. Die Flasche wird im Verlauf leichter, der Anzug dehnt sich beim Aufstieg wieder aus — beides macht den Taucher positiver, nicht negativer. Wer trotzdem gegen Ende mehr Luft in die Weste geben muss, um zu halten, sollte die Bleimenge überprüfen.
Wirkt negativer Auftrieb in jeder Tiefe gleich stark?
Nein, und das ist das eigentliche Problem beim Tarieren. Alles Gasgefüllte am Taucher — Anzug, Tarierweste, Luft in Hohlräumen — ändert mit dem Druck sein Volumen. In den obersten Metern ist diese Änderung am größten, weil sich der Umgebungsdruck dort prozentual am stärksten ändert. Deshalb reagiert die Tarierung flach viel heftiger als tief.
Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.