SSI

Tauchlehrer erklärt zwei Tauchschülern Ausbildungsunterlagen und Sicherheitsregeln.
Verbindliche Vorgaben gelten immer für einen genau definierten Ausbildungsbereich.

SSI steht für Scuba Schools International, eine 1970 in den USA gegründete Tauchausbildungsorganisation mit heutigem Sitz in Wendelstein in Bayern. SSI bildet vom Anfängerkurs bis zum Instructor Trainer aus, arbeitet ausschließlich über angeschlossene Tauchcenter und Vereine und hat ihr Kursmaterial früher als andere Verbände vollständig auf digitale Ausgabe umgestellt.

Gründung und Eigentümerwechsel

SSI wurde nach eigener Darstellung 1970 in den Vereinigten Staaten gegründet, mit dem Ziel, dem Tauchfachhandel ein umfassenderes Ausbildungspaket anzubieten als bis dahin üblich. Der Jubiläumsbeitrag zum 50-jährigen Bestehen ordnet die Gründung in einen Zusammenhang ein: 1967 habe eine kleine Gruppe von Ladenbesitzern um John Gaffney die NASDS (National Association of Scuba Diving Schools) gegründet, davor sei „very little“ in der Tauchausbildung geschehen. Namen von SSI-Gründern nennt der Beitrag nicht; die englische Wikipedia führt Robert Clark zusammen mit Ed Brawley, Jim Brown, Chuck Nicklin und Bud Smith.

Der erste Sitz lag in Fort Collins, Colorado. Zum 1. Januar 2014 wurde SSI von HEAD übernommen, dem auch die Tauchausrüstungsmarke Mares gehört; die englische Wikipedia nennt einen Kaufpreis von 4,9 Millionen Euro. SSI selbst bezeichnet denselben Vorgang als Partnerschaft mit einem Ausrüstungshersteller.

Das Dive-Center-Prinzip

Der auffälligste Unterschied zu anderen Verbänden liegt nicht im Kursinhalt, sondern in der Organisation: SSI-Tauchlehrer dürfen nur an einem SSI Dive Center oder in einem akkreditierten Tauchclub unterrichten. Die englische Wikipedia beschreibt das Modell als franchiseähnlich. Ein freiberuflich arbeitender Tauchlehrer ohne Anbindung an ein Center ist im SSI-System also nicht vorgesehen.

Für Kursteilnehmer hat das zwei Seiten. Die Ausbildung ist an einen Betrieb mit Ausrüstung, Füllstation und Wasserfläche gebunden, und das Material kommt einheitlich aus einer Hand. Andererseits ist der Wechsel des Tauchlehrers innerhalb desselben Ausbildungsgangs schwerer, wenn man mit dem Center bricht.

Digitale Ausbildung

SSI datiert die eigene Digitalisierung früh: 1973 erschien das erste Instructor Manual, Mitte der 1980er-Jahre kamen Videos als Ergänzung zum gedruckten Material hinzu, in den 1990er-Jahren entstand das Open-Water-Diver-Programm als geschlossenes System aus Video, Text, Arbeitsbuch und Handbuch. 2006 bezeichnet SSI sich als erste digital arbeitende Ausbildungsorganisation, 2015 als vollständig digital. Zum Jubiläum 2020 nannte SSI mehr als 3300 Training Center und über 60 Ausbildungsprogramme in mehr als 40 Sprachen.

ISO-Normung und Ausbildungsstufen

SSI erhielt nach Angaben der englischen Wikipedia am 1. Juni 2010 ihre erste ISO-Zertifizierung. Die Einsteigerstufen sind den Normen der Reihe ISO 24801 zugeordnet: ISO 24801-1 für den Scuba Diver, ISO 24801-2 für den Open Water Diver, ISO 24801-3 für den Dive Guide.

Die Standards, die SSI öffentlich veröffentlicht, sind konkret. Für den Open Water Diver (ISO 24801-2) nennt SSI ein Mindestalter von 10 Jahren, mindestens vier Ausbildungstauchgänge im Freiwasser und eine minimale Gesamtgrundzeit von 80 Minuten für diese Tauchgänge; die Ausbildungstiefe ist auf 18 Meter begrenzt, für jüngere Teilnehmer auf 12 Meter. Der Scuba Diver ist die Zwischenstufe davor: Mindestalter ebenfalls 10 Jahre, zwei Freiwassertauchgänge, maximale Ausbildungstiefe 12 Meter. SSI beschreibt ihn ausdrücklich als etwa die Hälfte des Open-Water-Diver-Kurses, die sich später durch die verbleibende Theorie und zwei weitere Freiwassertauchgänge zum vollen Brevet aufwerten lässt.

Als SSI-Tauchlehrer halte ich die Zuordnung zur ISO-Reihe für den praktisch wichtigsten Punkt dieses Eintrags. Sie ist der Grund, weshalb ein SSI-Brevet an einer Basis anerkannt wird, die selbst nach einem anderen Verband ausbildet: Nicht der Verbandsname ist der gemeinsame Maßstab, sondern die Norm, auf die er sich bezieht.

Verhältnis zu anderen Verbänden

SSI und PADI sind in Deutschland die beiden verbreitetsten Ausbildungsorganisationen im Sporttauchen; CMAS ist der Dachverband mit der stärksten Verankerung im Vereinstauchen, TDI der Bezugspunkt im technischen Bereich. Die Brevets sind über die ISO-Normen untereinander anschlussfähig, die Ausbildungsgänge selbst aber nicht deckungsgleich — Kursnamen, Tauchgangszahlen und Tiefengrenzen unterscheiden sich von Verband zu Verband und werden in diesem Lexikon getrennt geführt.

Ist ein SSI-Brevet dasselbe wie ein PADI-Brevet?
Nicht dasselbe, aber auf derselben Norm aufgesetzt. Beide Verbände führen ihre Einsteigerstufen nach der Reihe ISO 24801, weshalb ein SSI Open Water Diver und ein PADI Open Water Diver dieselbe Normstufe (24801-2) erfüllen. Die Kursinhalte, die Zahl der Ausbildungstauchgänge und die Bezeichnungen der Folgestufen sind damit nicht automatisch gleich.
Warum kann ein SSI-Tauchlehrer nicht selbständig ausbilden?
Weil SSI die Lehrberechtigung an ein Dive Center oder einen akkreditierten Club bindet. Das System ist nach Darstellung der englischen Wikipedia franchiseähnlich aufgebaut: Der Betrieb ist der Vertragspartner, der Tauchlehrer unterrichtet in dessen Rahmen.
Welche Tiefe darf man mit dem SSI Open Water Diver tauchen?
Die von SSI veröffentlichte Begrenzung betrifft zunächst die Ausbildungstauchgänge: 18 Meter, für jüngere Teilnehmer 12 Meter. Was für den fertig brevetierten Taucher als Empfehlung gilt, hängt von der jeweiligen Programmstufe und von den örtlichen Regeln der Basis ab und ist nicht mit der Ausbildungsgrenze gleichzusetzen.

Quellen

Zur Quellenlage: Die deutsche und die englische Fassung des SSI-Jubiläumsbeitrags gehen in den Zahlen zu SSI Professionals und Ländern auseinander; dieser Eintrag nennt deshalb nur die Angaben, die in beiden Fassungen übereinstimmen (Training Center, Programme, Sprachen). Die englische Wikipedia führt höhere und neuere Zahlen (über 4000 Training Center, über 100.000 SSI Professionals, mehr als 150 Länder) — sie sind hier nicht in den Fließtext übernommen, weil kein Stichtag dazu angegeben ist. Die Gründernamen stehen nur in der Wikipedia, nicht in der Selbstdarstellung des Verbands.

Weiter im Lexikon: PADI · Qualifikation · Divemaster · Logbuch · Technisches Tauchen

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.