Kohlenmonoxidvergiftung

Ansaugleitung eines Atemluftkompressors an einer Hauswand, davor ein laufender Stromerzeuger, dessen Abgase zur Ansaugöffnung ziehen.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Eine Kohlenmonoxidvergiftung entsteht beim Tauchen, wenn Kohlenmonoxid in die Atemluft gelangt und sich im Blut an den roten Blutfarbstoff bindet, statt dass dort Sauerstoff transportiert wird. Das Gas ist farb- und geruchlos; der Taucher bemerkt an der Flasche nichts. Die Quelle liegt fast immer an der Füllstation, nicht am Taucher.

Wie das Gas in die Flasche kommt

Das MSD Manual nennt zwei Wege. Der Ansaugstutzen des Kompressors steht zu nah an einem Motorauspuff, oder überhitztes Schmieröl in einem gestörten Kompressor verbrennt teilweise und setzt dabei Kohlenmonoxid frei. DAN Europe führt dieselben beiden Ursachen und ergänzt zwei weitere: Rauchen in der Nähe des Lufteinlasses und das Verbrennen von Material in Ansaugnähe.

Beide Ursachen sind Betriebsfehler einer Tauchbasis und keine Eigenschaft des Gases. Der Weg über das heiße Öl verbindet den Schadstoff mit der Kompressionswärme: Ein Kompressor, dessen Zwischenkühlung nicht arbeitet, wird zur Kohlenmonoxidquelle. Die Atemgasqualität ist deshalb auch eine Frage der Wartung. Die Norm begrenzt den Anteil auf höchstens fünf Milliliter je Kubikmeter.

Warum die Tiefe die Sache verschlimmert

Kohlenmonoxid wird nach Angabe von DAN Europe zweihundertmal stärker an das Hämoglobin gebunden als Sauerstoff. Die Gefahr wächst mit der Konzentration, mit der Dauer des Einatmens und mit der Tiefe — denn mit dem Umgebungsdruck steigt auch der Teildruck des Schadstoffs im Atemgas.

Daraus folgt der Zug, der diese Vergiftung unter Wasser so tückisch macht: Unten atmet der Taucher zugleich Sauerstoff mit erhöhtem Teildruck, der einen Teil des Ausfalls überdeckt. DAN Europe hält fest, dass sich die Wirkung oft erst beim Auftauchen zeigt. Wer unten noch zurechtkam, kann an der Oberfläche umkippen.

Woran man sie erkennt

Das MSD Manual nennt Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwäche, Ungeschicklichkeit und Bewusstseinsveränderungen; bei schwerer Vergiftung Krampfanfälle, Synkope oder Koma. DAN Europe führt zusätzlich Kopfdruck, Schwindel, Erbrechen, Atemnot bei Belastung und Lähmungen. Die Fachzeitschrift Tauchen nennt außerdem Ohrensausen und eine kirschrote Hautfarbe.

Keines dieser Zeichen ist für sich beweisend; jedes passt auch zu Erschöpfung, Unterkühlung oder Seekrankheit. Was stutzig machen sollte, ist das Muster: mehrere Taucher derselben Füllung mit Kopfschmerzen und Übelkeit nach dem Tauchgang. Die Fachzeitschrift nennt genau das als Warnzeichen für eine problematische Füllstation.

Gesichert wird die Diagnose über einen erhöhten Carboxyhämoglobinspiegel im Blut. Wichtig für jeden, der am Ufer ein Pulsoximeter in der Hand hält: Ein gewöhnliches Gerät kann Oxyhämoglobin und Carboxyhämoglobin nicht unterscheiden und zeigt deshalb meist normale Werte an. Nur eine CO-Oximetrie erfasst die Erhöhung.

Was am Ufer zu tun ist

DAN Europe nennt die Reihenfolge: Tauchgang abbrechen, nicht weiter aus der verdächtigen Flasche atmen, reinen Sauerstoff geben, in eine Einrichtung mit Druckkammer bringen und die Beratung anrufen — der Weg dorthin steht beim tauchmedizinischen Notruf.

Die Sauerstoffgabe ist hier keine Nebensache, sondern die Behandlung selbst. Das MSD Manual beziffert, was sie bewirkt: Unter Raumluft liegt die Halbwertszeit des Carboxyhämoglobins bei vier bis sechs Stunden, unter hochdosiertem Sauerstoff über eine Maske mit Reservoirbeutel bei dreißig bis hundertfünfzig Minuten, in der Druckkammer bei fünfzehn bis dreißig Minuten. Eine hyperbare Behandlung kommt bei schweren Verläufen in Betracht, etwa bei neurologischen Zeichen oder einem Carboxyhämoglobinwert ab 25 Prozent. Der Messwert allein taugt dabei nicht als Behandlungsziel: Er läuft dem klinischen Bild nicht parallel.

Als Tauchlehrer rate ich, den Verdacht nicht an der Flasche festzumachen, sondern an den Menschen. Wer die Flasche aufhebt, hilft der Basis und der späteren Klärung; wer auf das Ergebnis einer Analyse wartet, verliert Zeit. DAN Europe nennt für die Prüfung Messröhrchen, elektronische Analysegeräte, akkreditierte Labore und tragbare CO-Messgeräte — das sind Mittel der Ursachensuche, nicht der Ersten Hilfe.

Hinweis: Dieser Eintrag ersetzt keine ärztliche Beurteilung. Bei Verdacht auf eine Kohlenmonoxidvergiftung gehört der Betroffene in ärztliche Behandlung.

Kann man Kohlenmonoxid in der Flasche riechen?
Nein. Kohlenmonoxid ist farb- und geruchlos. Ein auffälliger Geruch nach Öl oder Abgas weist zwar auf eine schlechte Füllung hin, sein Fehlen beweist aber nichts. Nachweisen lässt sich das Gas nur mit einem Messmittel — Prüfröhrchen, elektronisches Analysegerät oder Laboranalyse.
Warum fällt die Vergiftung oft erst an der Oberfläche auf?
In der Tiefe atmet der Taucher Sauerstoff mit erhöhtem Teildruck ein, was den Ausfall an Transportkapazität teilweise überdeckt. Beim Auftauchen fällt dieser Teildruck wieder, der Schaden am Hämoglobin bleibt. DAN Europe hält ausdrücklich fest, dass sich die Wirkung oft erst beim Auftauchen zeigt.
Zeigt ein Pulsoximeter eine Kohlenmonoxidvergiftung an?
Ein gewöhnliches Pulsoximeter nicht. Es kann Oxyhämoglobin und Carboxyhämoglobin nicht auseinanderhalten und zeigt deshalb nach dem MSD Manual meist normale Werte. Eine Erhöhung erfasst nur eine CO-Oximetrie oder die Blutuntersuchung.

Quellen

Zur Quellenlage: Die Angabe zur kirschroten Hautfarbe stammt allein aus der Fachzeitschrift; das MSD Manual führt sie an dieser Stelle nicht. Der Faktor zweihundert für die Bindungsstärke ist eine gerundete Angabe aus einer Verbandsquelle, keine Messreihe. Der Normtext der DIN EN 12021 liegt diesem Eintrag nicht zugrunde; der Grenzwert ist über eine deutsche Fachquelle wiedergegeben, und zur Streuung der Angaben siehe den Eintrag zur Atemgasqualität.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.