Debriefing

Vier Taucher sitzen nach dem Tauchgang auf einem Holzsteg und besprechen den Tauchgang, die Anzuege bis zur Huefte heruntergerollt.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Das Debriefing ist die Besprechung nach einem Tauchgang, in der die Gruppe durchgeht, ob das Ziel erreicht wurde, was gut lief und was beim nächsten Mal anders gemacht wird. Es ist das Gegenstück zum Briefing und in der Ausbildung kein freiwilliger Zusatz, sondern ein Bestandteil des Tauchgangs — wenn auch einer, den die Verbände knapper beschreiben als seinen Gegenpart.

Was die Verbände verlangen

Das PADI-Lehrerhandbuch in der deutschen Ausgabe von 2021 führt das Debriefing bei den Freiwassertauchgängen unter den Punkten auf, die der Tauchlehrer über die Fertigkeiten des Instructor Guide hinaus einschließen muss, und zwar als „Debriefing und Demontage der Ausrüstung“. An zweiter Stelle erscheint es bei der indirekten Supervision: Dort hat der Tauchlehrer die Tauchaktivitäten zu genehmigen und „Planung, Vorbereitung, Kontrolle der Ausrüstung, Einstiege, Ausstiege und Debriefings“ zu beaufsichtigen.

Bemerkenswert daran ist, was nicht dasteht. Das Handbuch verlangt das Debriefing, ohne zu bestimmen, wann es stattfindet, wie lange es dauert oder was es enthalten muss. Das Wort Nachbesprechung kommt darin nicht vor. Wer wissen will, wie ein Debriefing abläuft, muss deshalb bei denen nachsehen, die es ausgearbeitet haben.

Die drei Fragen

Die Ausbildungsunterlage der DLRG zur Gruppenführung im Einsatztauchen führt die Nachbereitung in zwei Schritten. Erst die Tauchgangsnachbereitung mit „Kontrolle des körperlichen Wohlbefindens“ und Ausrüstungskontrolle einschließlich Luftvorratkontrolle. Dann die „Abschlussbesprechung (Debriefing)“ mit drei Fragen: „Ist das gesteckte Ziel erreicht? Wenn nein, warum nicht? Besondere Vorkommnisse“.

Knapper lässt sich ein Debriefing nicht fassen, und für den Normalfall braucht es auch nicht mehr. Die Reihenfolge ist dabei keine Nebensache: Erst wird nachgesehen, ob es allen gut geht und wie viel Gas übrig ist, dann wird geredet. Wer die Reihenfolge umdreht, bespricht einen Tauchgang, dessen Befunde noch keiner erhoben hat.

Wonach gegliedert wird

Im technischen Tauchen ist das Debriefing länger und fester eingeführt. TDI und SDI halten fest: „Most, if not all, technical dive teams will debrief after every dive.“ Besprochen wird dort für jeden Abschnitt des Tauchgangs „what went well, what didn’t, and any fixes for next time“ — und die Abschnitte nennt dieselbe Darstellung einzeln: S-Drills und Bubble-Check, Abstieg, Grundzeit, Umkehrpunkte, erster Aufstiegsabschnitt, Dekompressionsphase.

Dass das Zeit kostet, verschweigt die Darstellung nicht: Bei einem Ausbildungstauchgang werde man „almost as much time debriefing the dive as you do on the bottom“ aufwenden. Zum Ablauf nennt sie eine Entwicklung über den Kurs hinweg: Am Anfang und in den unteren Kursstufen führt der Tauchlehrer, später übernehmen die Teilnehmer. Das habe einen eigenen Zweck — es „allows students to find and explain both the strengths and weaknesses in themselves and their teammates“, während der Tauchlehrer weiterhin lenkt und auf Übersehenes hinweist.

Eine ausgearbeitete Gliederung

Am weitesten ausgearbeitet ist das Debriefing in der Human-Factors-Literatur des Tauchens. Gareth Lock legt mit „The Human Diver“ eine Gliederung unter dem Kunstwort DEBrIEF vor, deren Buchstaben für die Schritte stehen: den Rahmen und die Ziele festlegen; als Führender ein Beispiel geben und psychologische Sicherheit herstellen; Planung und Annahmen vor dem Tauchgang durchgehen; den Zeitverlauf kurz nachzeichnen — der Buchstabe steht dort absichtlich klein; innere Lernpunkte zu eigenen Entscheidungen benennen; äußere Lernpunkte zu Team und Umständen; und schließlich festhalten, was geändert, abgelegt oder weiterverfolgt wird.

Der Grundsatz dahinter steht in einem Satz: „A debrief is about learning, not blaming.“ Dieselbe Darstellung nennt die Voraussetzung dafür — „An effective debrief requires a psychologically safe environment“ — und macht sie am Verhalten des Führenden fest, der vorangehen und dabei einen eigenen Fehler einräumen soll.

Warum Debriefings misslingen

Dieselbe Quelle zählt die Fehlformen auf, und sie sind am Steg alle zu hören. Die Neigung, Einzelne dafür verantwortlich zu machen, dass sie ihrer Ausbildung nicht gefolgt sind. Das Gegenteil davon — bei einem Tauchgang ohne Zwischenfall „simply rest on our laurels and think nothing went wrong“. Das Nacherzählen des Zeitverlaufs, das „rarely contributes to learning“. Allgemeines Lob wie „gute Kommunikation“, ohne zu sagen, was genau funktioniert hat und warum. Und der Abschluss, der nur aus einem Versprechen besteht: „Just identifying it and saying ‚we won’t do that again‘ is not enough!“

Als Tauchlehrer halte ich das Debriefing bewusst kurz und immer gleich: erst der Reihe nach jeder einmal, dann die Punkte, die den nächsten Tauchgang verändern, und zum Schluss die Festlegung, was davon tatsächlich geändert wird. Der Teil, der am schwersten durchzuhalten ist, ist der erste Satz der eigenen Runde — wer als Führender mit einem eigenen Fehler anfängt, bekommt in den nächsten fünf Minuten mehr zu hören als mit jeder Frage.

Ist ein Debriefing bei jedem Tauchgang nötig?
In der Ausbildung ja: Das PADI-Lehrerhandbuch führt es bei den Freiwassertauchgängen unter den einzuschließenden Punkten auf. Im technischen Tauchen ebenfalls — TDI und SDI halten fest, dass die meisten, wenn nicht alle technischen Teams nach jedem Tauchgang debriefen. Für einen gewöhnlichen Sporttauchgang schreibt es keine der herangezogenen Fundstellen vor. Die drei Fragen der DLRG dauern eine Minute, und sie sind der Grund, warum ein wiederkehrender Fehler beim zweiten Mal auffällt und nicht beim zehnten.
Wer führt das Debriefing?
In der DLRG-Unterlage steht es unter den Aufgaben der Gruppenführung, im PADI-Lehrerhandbuch unter der Aufsichtspflicht des Tauchlehrers. TDI und SDI beschreiben eine Entwicklung: zunächst geführt vom Tauchlehrer, mit fortschreitender Ausbildung vom Team selbst. „The Human Diver“ weist dem Führenden eine besondere Rolle zu — er geht in der Runde voran und soll dabei einen eigenen Fehler einräumen.
Worin unterscheidet sich das Debriefing vom Briefing?
Im Zeitpunkt und in der Richtung. Das Briefing legt vor dem Tauchgang Ziel, Ablauf, Signale und Grenzen fest; das Debriefing prüft danach, ob das so eingetreten ist. Beide gehören zusammen, weil das Debriefing nur messen kann, was das Briefing vorher benannt hat — die erste Frage der DLRG-Abschlussbesprechung lautet genau deshalb, ob das gesteckte Ziel erreicht wurde.

Quellen

Zur Quellenlage: Zwei der vier Fundstellen sind Ausbildungsunterlagen von Verbänden, eine ist der Beitrag eines Ausbildungsverbands für technisches Tauchen, eine die Veröffentlichung eines Human-Factors-Anbieters. Eine Norm liegt nicht zugrunde, und der Vier-Verbände-Maßstab ist nicht erfüllt: Zu CMAS und SSI liegt dieser Darstellung keine Festlegung zum Debriefing zugrunde, weshalb der Eintrag auch keine nennt. Das PADI-Lehrerhandbuch verlangt das Debriefing, bestimmt aber weder Zeitpunkt noch Dauer noch Inhalt; die ausgearbeiteten Abläufe stammen deshalb nicht von einem Sporttauchverband. Die Schrittfolge nach DEBrIEF ist hier sinngemäß in deutscher Fassung wiedergegeben, nicht wörtlich übersetzt. Angaben zur Dauer eines Debriefings in Minuten nennt keine der Quellen. Der letzte Absatz zur eigenen Handhabung ist Tauchlehrererfahrung.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.