Advanced Open Water Diver ist die Aufbaustufe, die auf das Grundbrevet Open Water Diver folgt. Sie besteht aus einer Reihe angeleiteter Tauchgänge in Bereichen, die der Grundkurs nur streift — Navigation und Tiefe vor allem. Der Name verspricht dabei mehr, als die Stufe hält, und das ist der interessanteste Punkt an ihr.
Eine Stufe ohne eigene Norm
Das Grundbrevet ist international beschrieben: ISO 24801-2 nennt es Autonomous Diver, das europäische Gegenstück ist EN 14153-2. Die Normreihe kennt drei Teile — ISO 24801-1 als Supervised Diver, -2 als Autonomous Diver und -3 als Dive Leader, die Stufe des Divemasters. Das Advanced-Brevet liegt zwischen -2 und -3 und hat in dieser Reihe keine eigene Nummer. Die englischsprachige Wikipedia hält entsprechend fest, dass die Voraussetzung für die Advanced-Ausbildung das Grundbrevet nach ISO 24801-2 oder ein anerkanntes Äquivalent ist.
Daraus folgt etwas Praktisches: Was „Advanced“ bedeutet, legt jeder Verband selbst fest. Die Inhalte unterscheiden sich erheblich.
Was die Verbände verlangen
Bei PADI besteht der Kurs aus fünf Tauchgängen. Zwei davon sind nach der Kursbeschreibung des Verbandes verbindlich — Tieftauchen und Unterwassernavigation —, die übrigen drei wählt der Taucher aus einem Angebot von rund achtzehn Spezialtauchgängen, von Nitrox über Trockentauchen bis zur Tarierung. Zusätzliche geloggte Tauchgänge verlangt PADI nach der Darstellung der englischsprachigen Wikipedia nicht.
Bei SSI ist der Weg ein anderer: Dort führt die Stufe über vier abgeschlossene Spezialkurse und mindestens vierundzwanzig geloggte Tauchgänge. Das ist keine Kurswoche, sondern eine Wegmarke, die sich über Monate aufbaut. CMAS benutzt den Namen gar nicht, sondern sein Sternesystem; die englischsprachige Wikipedia ordnet das Advanced-Brevet dort zwischen den Ein- und den Zwei-Stern-Taucher ein. NAUI führt ein Äquivalent als Advanced Scuba Diver, SDI als Advanced Adventure Diver.
Die Tiefengrenze wird nach derselben Darstellung mit dieser Stufe von 18 auf 30 Meter angehoben. Diese Grenze ist eine Verbandsempfehlung, keine Norm — für das Sporttauchen insgesamt nennt PADI 40 Meter.
Der Einwand gegen den Namen
Dass ein Taucher nach neun Kurstauchgängen — vier im Grundkurs, fünf im Aufbaukurs — „advanced“ heißt, ist nicht unwidersprochen geblieben. Die englischsprachige Wikipedia gibt eine in einer britischen Untersuchung geäußerte Sachverständigenmeinung wieder: „I do not believe that someone with eight dives should be classified as advanced diver. It is madness.“
Als Tauchlehrer halte ich den Einwand gegen den Namen für berechtigt und den gegen die Stufe für falsch. Der Wert dieser Ausbildung liegt nicht im Titel, sondern in zwei der Pflichttauchgänge. Unterwassernavigation ist die Fertigkeit, die im Grundkurs am wenigsten Zeit bekommt und im Alltag am meisten gebraucht wird. Und ein angeleiteter Tieftauchgang ist die einzige vernünftige Art, die ersten dreißig Meter zu erleben — mit jemandem daneben, der den Luftverbrauch, die Reaktionszeit und den eigenen Zustand beurteilen kann. Wer sich diese Erfahrung allein organisiert, holt sie sich unter schlechteren Bedingungen.
Zwei Hinweise für die Planung. Erstens: Der Kurs ersetzt keine Übung. Fünf Tauchgänge an zwei Tagen machen aus einem unsicheren Taucher keinen sicheren; die SSI-Konstruktion mit vierundzwanzig Logbuchtauchgängen trägt dem Rechnung. Zweitens lohnt der Blick auf die Wahl der drei freien Tauchgänge — Nitrox und Tarierung zahlen sich für fast jeden aus, Spezialitäten mit engem Einsatzgebiet selten. Wer anschließend weitergehen will, findet die nächste Stufe im Rescue Diver, der als einziges Brevet dieser Kette nicht die eigene Technik, sondern die Hilfe für andere zum Gegenstand hat.
Quellen
- Wikipedia (englisch): Advanced Open Water Diver — Grundbrevet nach ISO 24801-2 als Voraussetzung, fünf Tauchgänge bei PADI ohne zusätzliche Logbuchtauchgänge, vier Spezialkurse und mindestens 24 geloggte Tauchgänge bei SSI, Äquivalente bei NAUI und SDI, Einordnung im CMAS-Sternesystem, Anhebung der Tiefengrenze von 18 auf 30 Meter, das zitierte Sachverständigenurteil aus einer britischen Untersuchung. Wiki-Quelle; die Datierung der zitierten britischen Untersuchung ist im Artikel nicht eindeutig
- PADI: Advanced Open Water Diver — zwei Pflichttauchgänge (Tieftauchen und Unterwassernavigation), drei weitere Spezialtauchgänge, insgesamt fünf Tauchgänge, Beispiele für wählbare Spezialitäten
- Open Water Diver (4007) — die Normreihe ISO 24801 mit ihren drei Teilen, EN 14153-2, die 40-Meter-Grenze des Sporttauchens nach PADI
