Saudi-Arabien macht das Tauchen am Roten Meer zur Branche

Taucher an einer Riffsteilwand mit leuchtend roten Weichkorallen und Fahnenbarschen im tiefblauen Wasser
Steilwand mit Weichkorallen und Fahnenbarschen. Foto: Saad Alaiyadhi / Pexels

Tauchen in Saudi-Arabien auf einen Blick

  • Verband: Die Saudi Water Sports and Diving Federation (SWSDF) gibt es seit 2018. Sie hat nach eigenen Angaben mehr als 1.000 Tauchplätze in 400 Freiwasser-Gebieten erfasst und 68 Landeinstiege akkreditiert.
  • Genehmigung: Tauchgenehmigungen laufen digital über das Portal „Zawil“, das der Verband mit dem Grenzschutz und der Firma Elm aufgebaut hat.
  • Markt: 93 akkreditierte Tauchzentren und mehr als 50.000 lizenzierte Taucher meldet die staatliche Nachrichtenagentur SPA im September 2026.
  • Küste: Die Saudi Red Sea Authority zählt an der Küste des Roten Meeres mehr als 500 Tauchplätze, über 1.000 Inseln und mehr als 20 Blue Holes.
  • Artenvielfalt: Das National Center for Wildlife hat mehr als 1.200 Fischarten und über 300 Korallenarten erfasst.
  • Brevets: Genannt werden PADI, SSI und NAUI, ergänzt um eine nationale Akkreditierung durch die SWSDF.

Wer an Tauchen im Roten Meer denkt, denkt an Ägypten: Hurghada, Safaga, Marsa Alam, Sinai. Dabei gehört die längste Küste dieses Meeres zu Saudi-Arabien – rund 1.800 Kilometer vom Golf von Akaba bis zur Grenze zum Jemen. Jahrzehntelang war sie für Sporttaucher aus Europa kaum erreichbar. Das ändert sich gerade, und zwar nicht nur durch neue Hotels, sondern durch etwas, das Taucher direkt betrifft: Lizenzen, Genehmigungen und ein Verband, der den Tauchbetrieb ordnet.

Ende September 2026 hat die staatliche Saudi Press Agency (SPA) einen ausführlichen Bericht über die Tauchbranche des Landes veröffentlicht. Darin stehen zum ersten Mal an einer Stelle die Zahlen, die zeigen, wie weit der Aufbau ist. Hier sind sie eingeordnet – und mit dem, was das für dich als Taucher bedeutet, der vielleicht in ein, zwei Jahren an der anderen Seite des Roten Meeres ins Wasser springen will.

Aus dem Perlentauchen wird eine Branche

Tauchen ist an den saudischen Küsten nichts Neues. Auf den Farasan-Inseln im Süden und in den Häfen am Arabischen Golf wurde über Jahrhunderte nach Perlen getaucht, bis Zuchtperlen das Geschäft im 20. Jahrhundert zum Erliegen brachten. Die SPA stellt die heutige Entwicklung bewusst in diese Linie: Aus einem alten Handwerk soll ein hochwertiger Wirtschaftszweig werden, eingebettet in die „Vision 2030“ und in das, was in der Politik inzwischen „Blue Economy“ heißt – also eine Wirtschaft, die vom Meer lebt, ohne es auszubeuten.

Der Bericht erzählt das an Menschen. Ein 89-jähriger Fischer, dessen vier Söhne die Familienboote übernommen haben und heute als Tauchlehrer und Guides für wissenschaftliche Expeditionen arbeiten. Ein früherer Perlentaucher, dessen Erinnerungen bei Kulturveranstaltungen gezeigt werden. Und ein Tauchlehrer, Abdulaziz Al-Wabil, der Kinder ab zehn Jahren ausbildet und einwöchige Safaris auf Tauchschiffen anbietet – Wracktauchen und Riffe inklusive.

Dass Tauchen ein Baustein der Blue Economy sein kann, ist keine saudische Erfindung. Eine Forschergruppe um M. J. Forrest hat 2023 in Frontiers in Marine Science beschrieben, dass der Tauchsektor vor allem über den Tauchtourismus zur Meereswirtschaft beiträgt – und dass er dafür organisiert werden muss, etwa über Verbände und Föderationen. Genau diesen Weg geht Saudi-Arabien.

Ein Verband, ein Portal, feste Zahlen

Das Rückgrat ist die Saudi Water Sports and Diving Federation (SWSDF), gegründet 2018. Laut SPA hat sie die Berufslizenzen vereinheitlicht, mehr als 1.000 Tauchplätze in 400 Freiwasser-Gebieten erfasst und 68 Plätze für das Tauchen vom Ufer aus akkreditiert. Zu ihren Aufgaben gehören nationale Lizenzen für Tauchprofis und die Mitgliedschaft der Tauchzentren; eine eigene Lizenzplattform für Tauchzentren hat sie im Juni 2020 freigeschaltet.

Der zweite Baustein ist „Zawil“, ein staatliches Onlineportal. Darüber werden Tauchgenehmigungen für Freizeit- und Ausbildungstauchgänge ausgestellt und verwaltet, ohne dass jemand bei einer Behörde vorsprechen muss. Entwickelt haben es die SWSDF, die Generaldirektion des Grenzschutzes und das saudische IT-Unternehmen Elm. Dass der Grenzschutz mit im Boot sitzt, ist kein Zufall: Wer an einer Küste ins Wasser geht, bewegt sich in einem Gebiet, das der Staat überwacht.

Über dieses System, so die SPA, werden heute 93 akkreditierte Tauchzentren geführt, und es betreut mehr als 50.000 lizenzierte Taucher. Für die Ausbildung nennt der Bericht die internationalen Verbände PADI, SSI und NAUI, ergänzt um die nationale Akkreditierung durch die SWSDF. Beides zusammen soll Sicherheit, Riffschutz und das Vertrauen ausländischer Gäste sichern.

Für einen Taucher aus Deutschland ist das eine ungewohnte Konstruktion. Bei uns regelt der Seebetreiber, wer wann ins Wasser darf, und ansonsten zählt das Brevet. In Saudi-Arabien steht dazwischen ein staatliches Genehmigungsportal. Das ist mehr Bürokratie – aber es ist auch ein Zeichen, dass der Betrieb nicht dem Zufall überlassen wird.

Wo an der saudischen Küste getaucht wird

Die SPA nennt für das Rote Meer Steilwände, unberührte Inseln und tiefe Abbrüche bei Yanbu, Umluj, Bayadah und den Farasan-Inseln – Reviere, die vor allem erfahrene Taucher und Unterwasserfotografen anziehen. Rund um die Uhr geöffnete Tauchzentren erschließen außerdem Jazan und Al-Lith im Süden. Bayadah liegt vor Jeddah, das die SPA schon im Juni 2026 als eines der führenden Tauchzentren des Landes beschrieben hat.

Die zweite Küste wird oft vergessen: der Arabische Golf im Osten. Dort ist das Wasser ruhiger, und rund um Jubail und die Insel Jana liegen historische Wracks. Die SPA beschreibt die Gegend als gutes Revier für Wracktauchgänge, Nachttauchgänge und die Ausbildung von Anfängern.

Orangefarbene Weichkoralle an einem Riffhang, im Hintergrund schwimmt ein Taucher im Freiwasser
Riffhang mit Weichkoralle und Fahnenbarschen – das Bild, das die meisten mit dem Roten Meer verbinden. Foto: Saad Alaiyadhi / Pexels

Die Saudi Red Sea Authority (SRSA), seit 2021 für die Ordnung des Küstentourismus am Roten Meer zuständig, zählt an ihrer Küste mehr als 500 Tauchplätze, über 1.000 Inseln, mehr als 150 Strände und mehr als 20 Blue Holes. Die Blue Holes – tiefe Einsturztrichter im Riff – gehören zu den Orten, auf die die Tauchwelt in den nächsten Jahren schauen dürfte.

Dazu kommt die Artenvielfalt. Untersuchungen des National Center for Wildlife haben mehr als 1.200 Fischarten und über 300 Korallenarten erfasst. Das Zentrum hat außerdem eine Biodiversitätsdatenbank zum Roten Meer mit mehr als 12,8 Milliarden genetischen Sequenzen aufgebaut. Taucher sind dabei nicht nur Gäste: Laut SPA arbeiten sie in Korallenzuchtprogrammen, bei ökologischen Bestandsaufnahmen und im Umweltmonitoring mit Hochschulen zusammen.

Die großen Zahlen gelten nicht alle dem Tauchen

Wer die Meldungen nebeneinanderlegt, stolpert über zwei Tauchplatz-Zahlen: über 500 bei der SRSA, über 1.000 beim Verband. Ein Widerspruch ist das nicht. Die SRSA spricht nur über die Küste des Roten Meeres, der Verband über alle Freiwasser-Gebiete einschließlich des Golfs – und „erfasst“ heißt nicht, dass an jedem dieser Plätze eine Basis mit Boot und Füllstation bereitsteht. Für die Reiseplanung zählen die 93 akkreditierten Zentren mehr als jede Tauchplatzliste.

Ähnlich ist es mit den Wirtschaftszielen. Die SRSA will bis 2030 erreichen, dass der Küstentourismus 85 Milliarden Saudi-Riyal zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt, die Ausgaben auf 123 Milliarden Riyal steigen und 210.000 Arbeitsplätze entstehen. Diese Zahlen betreffen den ganzen Küstentourismus – Jachten, Kreuzfahrten, Strandresorts, Marinas. Tauchen ist ein Teil davon, nicht das Ganze.

Einen eigenen Anschub bekommt die Branche durch die Großprojekte an der Küste, die die SPA ausdrücklich nennt: das Tourismusprojekt „The Red Sea“ und NEOM im Nordwesten, dazu der wachsende Kreuzfahrttourismus. Daraus sollen nach dem Bericht Berufe für Guides, technische Taucher und Unterwasserfotografen entstehen.

Aus der Praxis: Was ich vor dem ersten Tauchgang dort klären würde

Ich kenne das Rote Meer von der ägyptischen Seite. Dort ist alles eingespielt: Die Basis holt dich am Hotel ab, das Boot liegt am Steg, die Papiere erledigen sich fast von selbst. Saudi-Arabien ist an derselben Wasserfläche ein anderes Land mit anderen Regeln, und genau deshalb lohnt der Blick auf die Formalien, bevor du buchst. Als Tauchlehrer würde ich in dieser Reihenfolge vorgehen:

  1. Nach der Akkreditierung fragen. Lass dir von der Basis bestätigen, dass sie zu den bei der SWSDF akkreditierten Zentren gehört. Bei 93 Zentren im ganzen Land ist das eine überschaubare Liste, und eine seriöse Basis beantwortet die Frage ohne Zögern.
  2. Die Genehmigung klären. Frag vorab, wie die Basis die Tauchgenehmigung über Zawil abwickelt, welche Daten sie von dir braucht und wie lange das dauert. Wer erst am Steg anfängt, verliert Tauchzeit.
  3. Das Brevet abgleichen. Im Bericht werden PADI, SSI und NAUI genannt. Wer wie ich auch ein CMAS-Brevet hat, sollte sich vor der Buchung schriftlich bestätigen lassen, dass es anerkannt wird.
  4. Logbuch und Erfahrung mitbringen. Die bekannten Reviere werden als Steilwände und tiefe Abbrüche beschrieben. Das sind Tauchgänge für Leute, die ihre Tarierung im Blauwasser im Griff haben. Plane die ersten Tauchgänge an einfacheren Plätzen ein, gerade wenn du lange nicht im Meer warst.
  5. Die Tauchversicherung prüfen. Klär, ob deine Versicherung Saudi-Arabien abdeckt und wo die nächste Druckkammer ist. In einem Revier, das sich erst entwickelt, gehört diese Frage nicht ans Ende der Liste.

Was mich an den Zahlen am meisten interessiert, sind nicht die 500 oder 1.000 Tauchplätze, sondern die über 1.000 Inseln. Wer die nördlichen Riffe Ägyptens an einem Feiertagswochenende erlebt hat, weiß, was Andrang auf einem Riff anrichtet. Eine Küste, die größtenteils noch nie eine Tauchergruppe gesehen hat, ist ein Geschenk – und eine Verpflichtung. Ob die strengen Regeln am Ende die Riffe schützen oder nur den Papierkram verlängern, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Ist Saudi-Arabien schon eine Alternative zu Ägypten?

Noch nicht im Sinne eines Pauschalurlaubs. Ägypten hat Jahrzehnte Vorsprung: dichte Basisnetze, eine große Safariflotte und eingespielte Abläufe vom Flughafen bis zum Tauchboot. Saudi-Arabien hat dafür eine wesentlich längere Küste, ein junges, staatlich geordnetes System und Reviere, an denen kaum jemand taucht.

Für wen es sich schon jetzt lohnt: für erfahrene Taucher, die Ruhe im Wasser suchen und mit etwas Organisationsaufwand leben können, für Unterwasserfotografen und für alle, die Tauchsafaris mögen und neue Gebiete sehen wollen. Wer zum ersten Mal ins Meer will und einen entspannten Einstieg sucht, ist an der ägyptischen Küste derzeit besser aufgehoben.

Häufige Fragen zum Tauchen in Saudi-Arabien

Brauche ich in Saudi-Arabien eine Tauchgenehmigung?
Ja. Tauchgenehmigungen für Freizeit- und Ausbildungstauchgänge werden über das staatliche Portal Zawil ausgestellt. Frag deine Basis vor der Buchung, wie sie das abwickelt und welche Angaben sie von dir braucht.
Wird mein SSI- oder PADI-Tauchschein anerkannt?
Die Saudi Press Agency nennt PADI, SSI und NAUI als internationale Ausbildungsverbände, ergänzt um eine nationale Akkreditierung durch die SWSDF. Hast du ein Brevet eines anderen Verbandes, etwa CMAS, lass dir die Anerkennung vor der Reise von der Basis bestätigen.
Wo kann man in Saudi-Arabien tauchen?
Am Roten Meer unter anderem bei Yanbu, Umluj, Bayadah vor Jeddah, Al-Lith, Jazan und an den Farasan-Inseln. Am Arabischen Golf rund um Jubail und die Insel Jana, dort vor allem Wracks und ruhigeres Wasser für Anfänger.
Wie viele Tauchbasen gibt es in Saudi-Arabien?
Laut Saudi Press Agency waren im September 2026 93 Tauchzentren akkreditiert. Das Land zählt mehr als 50.000 lizenzierte Taucher.
Was sind die Blue Holes im saudischen Roten Meer?
Tiefe Einsturztrichter im Riff. Die Saudi Red Sea Authority zählt an ihrer Küste mehr als 20 davon. Zu den klassischen Zielen für Sporttaucher gehören sie bisher nicht.

Siehe auch: Die Salem Express vor Safaga · Tauchreise im Oktober · Tauchverbände im Vergleich · Öko-Tauchen

Quellen und weiterführende Links

Über Divemaster Tom 20 Artikel
Tom führt zu Tauchplätzen, Wracks und Tauchreisezielen und schreibt auf, was man vor Ort wissen muss: Einstieg, Bedingungen, Regeln. Lange Jahre Divemaster, heute SSI Open Water Scuba Instructor und CMAS-Tauchlehrer.

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