Hautemphysem

Behandschuhte Haende tasten Halsgrube und Schluesselbein eines sitzenden Patienten ab.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Ein Hautemphysem ist Gas, das sich im Unterhautgewebe angesammelt hat. Beim Taucher liegt es fast immer am Hals oder oberhalb der Schlüsselbeine und ist die sichtbare Außenseite eines Lungenüberdruckunfalls: Gas, das aus überdehnten Alveolen entwichen ist, hat sich über das Mittelfell bis unter die Haut vorgearbeitet. Medizinisch heißt es subkutanes Emphysem.

Woher die Luft kommt

Der Weg ist immer derselbe. Beim Aufstieg dehnt sich das Gas in der Lunge aus; kann es nicht entweichen, reißen Alveolen ein. Das MSD Manual beschreibt den weiteren Verlauf klar: „Die Luft im Mediastinum kann bis in den Hals vordringen und ein subkutanes Emphysem verursachen.“ Das Hautemphysem ist damit in aller Regel keine eigenständige Verletzung, sondern die Fortsetzung eines Mediastinalemphysems nach außen — aqua med zählt Pneumoperikard, Mediastinalemphysem und Hautemphysem als unterschiedliche Lokalisationen desselben Vorgangs auf.

Der Oberbegriff bleibt der Lungenüberdruckunfall. Und weil er von der relativen Druckänderung lebt und nicht von der Tiefe, genügt dafür ein hastiger Aufstieg aus wenigen Metern.

Woran man es erkennt

Sichtbar wird eine weiche, teigige Schwellung an Hals, Schlüsselbeingrube oder oberer Brust. Das entscheidende Zeichen ist aber das Tasten: Unter den Fingern knistert es, als drücke man auf frischen Schnee. Das MSD Manual nennt als Zeichen des subkutanen Emphysems „Krepitation und Stimmveränderungen“ und beschreibt als typischen Ort die Fossa suprasternalis, also die Grube über dem Brustbein.

Die Stimme ist der zweite Hinweis, der am Tauchplatz auffällt: Sie wird heiser, klingt verlegt oder verändert sich einfach hörbar. Dazu kommen häufig Schluckbeschwerden und ein Völlegefühl im Hals. Wer nach dem Auftauchen anders klingt als vorher, gehört untersucht.

Warum es ein Warnzeichen ist, auch wenn es harmlos aussieht

Das Gas unter der Haut selbst richtet in der Regel keinen Schaden an und wird vom Körper wieder aufgenommen. Gefährlich ist, was es anzeigt. Derselbe Riss, der Gas ins Gewebe entlassen hat, kann Gas auch in die Lungenvenen entlassen haben — dann liegt eine arterielle Gasembolie vor, und die ist ein Notfall. Ebenso muss ein Pneumothorax ausgeschlossen werden; die S2k-Leitlinie „Tauchunfall“ führt den Spannungspneumothorax ausdrücklich unter dem auf, was auszuschließen oder zu behandeln ist.

In der Ausbildung sage ich es so: Ein Hautemphysem ist nicht das Problem, es ist die Quittung. Es beweist, dass die Lunge Gas verloren hat.

Erstmaßnahmen und Verlauf

Die Leitlinie „Tauchunfall“ ist eindeutig: „Die kausale Therapie des Tauchunfalles besteht in der Atmung reinen Sauerstoffs (FiO2 1.0, ‚100%‘).“ Also: Sauerstoff mit hohem Flow geben, ruhig lagern, Notruf, tauchmedizinische Abklärung. Reiner Sauerstoff behandelt zugleich eine mögliche Gasembolie und beschleunigt die Resorption des freien Gases — das MSD Manual empfiehlt die Beatmung mit 100-prozentigem Sauerstoff bei hohem Flow genau dafür.

Der Befund selbst bildet sich meist von allein zurück. Für das zugrunde liegende Pneumomediastinum hält das MSD Manual fest, dass keine spezifische Behandlung erforderlich ist und die Symptome gewöhnlich innerhalb von Stunden bis Tagen verschwinden.

Ob im Einzelfall eine Überdruckbehandlung erfolgt, richtet sich nicht nach dem Hautemphysem, sondern danach, ob zugleich eine arterielle Gasembolie vorliegt. Ebenso wenig eine aktuelle deutsche Fassung zu der Frage, wann danach wieder getaucht werden darf — das klärt die tauchmedizinische Untersuchung.

Auch außerhalb des Tauchens gibt es Ursachen für Luft im Mediastinum und darunter, etwa eine Perforation von Speiseröhre oder Darm. Nach einem Tauchgang ist das aber nicht die naheliegende Erklärung.

Hinweis: Dieser Eintrag erklärt einen tauchmedizinischen Begriff. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden nach einem Tauchgang gilt: Sauerstoff, Notruf, tauchmedizinische Abklärung.

Wie fühlt sich ein Hautemphysem an?
Wie eine weiche Schwellung, die unter den Fingern knistert — das MSD Manual nennt dieses Zeichen Krepitation. Typischer Ort ist die Grube über dem Brustbein und der seitliche Hals. Dazu kommen häufig eine veränderte Stimme und Schluckbeschwerden.
Ist ein Hautemphysem gefährlich?
Das Gas unter der Haut selbst meist nicht — es wird wieder resorbiert. Gefährlich ist, wofür es steht: ein Riss in der Lunge. Deshalb müssen eine arterielle Gasembolie und ein Pneumothorax ärztlich ausgeschlossen werden.
Kann ich am selben Tag noch einmal tauchen?
Nein. Jeder Verdacht auf ein Lungenüberdruckbarotrauma beendet den Tauchtag. Ob und wann wieder getaucht werden darf, entscheidet die tauchmedizinische Untersuchung — auch deshalb, weil eine Lungenvorerkrankung die Ursache gewesen sein kann.

Quellen

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.