Standardtauchgerät

Zwei Kupferhelme, Trockenanzug und handkurbelbetriebene Luftpumpe auf dem Holzdeck eines Schiffs der Jahrhundertwende
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Das Standardtauchgerät ist das klassische schwere Helmtauchgerät: ein Helm aus Kupfer oder Messing, luftdicht mit einem Anzug aus gummiertem Gewebe verbunden und über einen Schlauch von der Oberfläche mit Luft versorgt. Es war über rund hundertfünfzig Jahre das Arbeitsgerät des Berufstauchens, bevor es vom Leichthelm und vom autonomen Gerät abgelöst wurde.

Die Namen

Im Deutschen heißt das Gerät Standardtauchgerät oder schweres Helmtauchgerät, abgekürzt STG; international ist es als standard diving dress bekannt. Umgangssprachlich steht der Kupferhelm für das ganze Gerät, und wer darin arbeitet, ist der Helmtaucher. Gemeint ist immer dieselbe Bauart: Helm, Schulterstück, Anzug, Bleischuhe, Gewichte und Schlauch als eine Einheit.

Aufbau

Der Helm sitzt auf einem Schulterstück, das die Gummikrause des Anzugs einklemmt. Je nach Bauart halten drei Bolzen den Helm, bei anderen Mustern sechs oder zwölf, teils mit Bajonettverschluss. Der Helm hat drei bis vier Fenster; das Frontfenster wird erst kurz vor dem Abtauchen eingeschraubt, damit der Taucher bis zuletzt sprechen kann. Der Anzug ist ein wasserdichter Trockenanzug aus festem, gummiertem Gewebe mit nur drei Öffnungen – Kopf und zwei Hände – und verlangt einen Unterzieher als Kälteschutz.

Die Gewichtsangaben schwanken je nach Muster. Die englische Darstellung zum standard diving dress nennt für die US-Navy-Ausführung Mk V: Helm mit Schulterstück rund 25 Kilogramm, Anzug 8,4 Kilogramm, Gewichtsgeschirr etwa 38 Kilogramm, bleigesohlte Schuhe je 7,9 Kilogramm, vollständig ausgerüstet 86 Kilogramm. Die deutsche Darstellung gibt für die Gesamtausrüstung 80 bis 100 Kilogramm an. Beide Angaben passen zusammen; schwimmen kann man darin nicht, der Helmtaucher arbeitet stehend, gehend oder liegend.

Luft, Ventile und die Leine

Die Luft kommt von oben: früher aus einer handgekurbelten Pumpe, später aus einem Kompressor, mit einem Druck, der dem Umgebungsdruck entspricht. Über ein federbelastetes Abblasventil lässt der Taucher den Überschuss ab; er betätigt es mit dem Kinn oder dem Kopf gegen eine Innenwulst. Am Lufteinlass sitzt ein Rückschlagventil – nach der englischen Darstellung bei allen außer den frühesten Helmen. Es schließt sofort, wenn der Druck in der Leitung abfällt, und verhindert damit den gefürchteten Fall, dass der gesamte Anzuginhalt in den Helm gesaugt wird.

Zur Nabelschnur gehören neben dem Luftschlauch eine Sicherungs- und Signalleine und, je nach Ausstattung, Telefon und Anzugheizung. Louis Denayrouze ließ 1874 ein Sprechrohr patentieren, das sich nicht durchsetzte; elektrische Telefone kamen im frühen zwanzigsten Jahrhundert. Die Verständigung über Leinenzugzeichen war die erste und ist bis heute der Notfallweg – siehe Signalleine.

Die typischen Gefahren liegen beim Auftrieb: Zu viel Luft im Anzug führt zum Blow-up, einem unkontrollierten Aufstieg mit dem Risiko einer Dekompressionskrankheit. Die Schwamm- und Perlentaucher der Ägäis und des Pazifik im neunzehnten Jahrhundert haben dafür einen hohen Preis gezahlt; John Scott Haldane entwickelte seine Tabellen für genau diese Gerätegattung.

Wie es entstand – und warum die Jahreszahlen auseinandergehen

Die Vorgeschichte ist gut belegt, die Erfinderdatierung nicht einheitlich. Einig sind die Darstellungen darin, dass die Brüder Charles und John Deane 1823 einen Rauchhelm für Feuerwehrleute patentierten und ihn 1828 zum Taucherhelm umbauten; Charles Deane barg 1834 achtundzwanzig Kanonen von der vor Spithead gesunkenen Royal George, John Deane 1836 Stücke der Mary Rose.

Bei Augustus Siebe (1788–1872), dem der geschlossene Anzug zugeschrieben wird, gehen die Angaben auseinander. Die englische Wikipedia nennt 1827 für die ersten Rauchhelme nach dem Deane-Patent und datiert die Verbindung von Helm und wasserdichtem Ganzkörperanzug in die 1830er Jahre. Die Sammlerseite divingheritage.com nennt für den geschlossenen Anzug 1829. Die deutsche Wikipedia schreibt Siebe 1819 einen oberflächenversorgten, unten offenen Helm zu und datiert die Verbindung mit dem Anzug auf 1838. Belegbar ist damit die Reihenfolge, nicht das genaue Jahr.

Unstrittig ist der Durchbruch: Bei der Bergung der 1782 gesunkenen Royal George, die 1839 unter Major General Pasley begann, kam Siebes geschlossener Anzug zum Einsatz. Die deutsche Darstellung hält fest, dass dort zweiunddreißig Taucher unter fünf Offizieren über sechs Jahre arbeiteten, und führt das Zwei-Mann-Prinzip – heute das Buddy-System – auf diese Arbeiten zurück.

Wofür es gebraucht wurde

Das Gerät war über ein Jahrhundert das Mittel für alles, was unter Wasser gearbeitet werden musste: Bergungen, Hafen- und Brückenbau, Archäologie. Edward Herbert Thompson tauchte ab 1885 damit im Heiligen Brunnen von Chichén Itzá; William Walker unterfing zwischen 1906 und 1911 das Fundament der Kathedrale von Winchester, indem er den weichen Untergrund durch Zementsäcke ersetzte. In der Ostsee arbeiteten Steinfischer damit von der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre.

Abgelöst wurde es von zwei Seiten. Für das Berufstauchen kam der Leichthelm aus Kunststoff mit Innenmaske und Atemregler, der besser sieht, weniger Gas verbraucht und sich schneller anlegen lässt. Für alles andere kam das autonome Gerät von Cousteau und Gagnan – siehe Aqua-Lung und Émile Gagnan. Das Handbuch der US Navy führte den Mk V 1963 noch, spätere Ausgaben nicht mehr; das Handbuch BR 2806 der Royal Navy von 1972 war nach der englischen Darstellung das letzte, das die Standardausrüstung behandelte.

Quellen

  • Helmtauchgerät (deutsche Wikipedia) – deutsche Begriffe, Aufbau, Bolzenbauarten, Gesamtgewicht 80 bis 100 kg, Ventile und Druckausgleich, Einsatzgebiete, Royal-George-Bergung, Ablösung durch den Leichthelm.
  • Standard diving dress (englische Wikipedia) – Einzelgewichte der US-Navy-Ausführung Mk V, Bolzenzahlen, Deane-Brüder, Rückschlagventil, Telefon, Außerdienststellung in den Handbüchern.
  • divingheritage.com: Augustus Siebe – Lebensdaten 1788 bis 1872 und die Datierung des geschlossenen Anzugs auf 1829. Sammler- und Praktikerquelle, keine wissenschaftliche Darstellung; sie weicht in der Jahreszahl von beiden Wikipedia-Fassungen ab, was im Text benannt ist.
Wie schwer war ein Standardtauchgerät?
Die deutsche Darstellung nennt 80 bis 100 Kilogramm für die Gesamtausrüstung. Die englische Darstellung schlüsselt die US-Navy-Ausführung Mk V auf: rund 25 Kilogramm für Helm und Schulterstück, 8,4 Kilogramm für den Anzug, etwa 38 Kilogramm Gewichtsgeschirr und je 7,9 Kilogramm für die bleigesohlten Schuhe – vollständig 86 Kilogramm. An Land musste der Taucher dabei gestützt werden.
Konnte ein Helmtaucher schwimmen?
Nein. Mit Bleischuhen, Brust- und Rückengewicht und einem Helm von rund 25 Kilogramm arbeitet der Taucher stehend, gehend, sitzend oder liegend auf dem Grund. Die Beweglichkeit kam erst mit dem Leichthelm, der sich auch mit Flossen tragen lässt.
Was geschah, wenn der Luftschlauch riss?
Dafür sitzt am Lufteinlass ein Rückschlagventil, das bei einem Druckabfall sofort schließt. Ohne dieses Ventil drückt der Umgebungsdruck den Inhalt des Anzugs in den Helm – ein Mechanismus, der tödlich enden kann. Die englische Darstellung nennt das Ventil als Bestandteil aller Helme außer den allerersten.
Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.