GTÜM (Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin)

Blick in den Innenraum einer klinischen Mehrpersonen-Druckkammer mit Sitzbaenken, Bullaugen, Maskenanschluessen und Druckschleusentuer.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Die GTÜM, die Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin e. V., ist die deutsche medizinische Fachgesellschaft für Tauchmedizin und für Medizin unter Überdruck. Sie bildet keine Taucher aus und betreibt keine Druckkammer, sondern erstellt Leitlinien, Fortbildungsrichtlinien und Empfehlungen – darunter die beiden Papiere, auf die sich deutsche Taucher am häufigsten berufen.

Was die Gesellschaft ist

Die GTÜM wurde nach der Darstellung der deutschen Wikipedia 1983 gegründet; Gründungspräsident war Klaus Seemann. Sie ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein mit Sitz in Mainz, eingetragen beim Amtsgericht Mainz unter VR 3148; die Geschäftsstelle liegt an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Murnau am Staffelsee. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften führt die GTÜM als Mitglied seit 1997 und nennt 1.283 Mitglieder. Verbandsorgan ist die Zeitschrift Caisson, die viermal im Jahr erscheint.

Als Zweck nennt die AWMF-Seite die Förderung der Tauch- und Überdruckmedizin, wissenschaftlichen Austausch und Tagungen, die Pflege von Fortbildungsrichtlinien, die unentgeltliche Beratung von Institutionen und Kontakte zu ähnlichen Vereinigungen im In- und Ausland.

Die Leitlinie Tauchunfall

Das für Taucher wichtigste Papier ist die Leitlinie „Tauchunfall“, bei der die GTÜM die Federführung hat. Sie trägt die AWMF-Registernummer 072-001 und wurde nach der deutschen Wikipedia erstmals 2014 erstellt, unter Beteiligung von acht weiteren Fachgesellschaften und Organisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Bei der Jahreszahl der geltenden Fassung gehen die Angaben auseinander, und das sollte man wissen, wenn man zitiert: Die deutsche Wikipedia führt die aktuelle Fassung als S2k-Leitlinie von 2022 mit einer Gültigkeit bis zum 30. November 2027. Veröffentlicht wurde sie 2023 in German Medical Science (GMS 2023;21:Doc01), und die Kurzfassung, die die GTÜM als PDF bereitstellt, trägt im Dateinamen ebenfalls 2023. Gemeint ist dasselbe Dokument; die eine Zahl bezeichnet den Beschluss, die andere die Veröffentlichung.

Praktisch steht in der Kurzfassung das, was am Unfallort zählt: das Vorgehen nach dem ABCDE-Schema, die Sauerstoffgabe, die Lagerung und die tauchmedizinischen Notrufnummern. Wer sie aus dem Gedächtnis zitiert, zitiert falsch – der tauchmedizinische Notruf gehört nachgelesen, nicht erinnert.

Warum „Überdruckmedizin“ im Namen steht

Die zweite Hälfte des Namens meint die hyperbare Medizin, also die Behandlung in der Druckkammer. Sie reicht weit über das Tauchen hinaus, und das lässt sich an der Leitlinienliste der AWMF ablesen: Neben der federführend betreuten Leitlinie zum Tauchunfall ist die GTÜM an drei weiteren beteiligt – zur Diagnostik und Therapie der interstitiellen Cystitis (043-050), zur Lokaltherapie schwerheilender und chronischer Wunden (091-001) und zur Diagnostik und Therapie der Kohlenmonoxidvergiftung (040-012). Für den Taucher ist davon die Rekompression der sichtbare Teil; die Kammern, in denen sie stattfindet, stehen meist in Kliniken, die überwiegend andere Indikationen behandeln.

Tauchtauglichkeit

Gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Tauch- und Hyperbarmedizin gibt die GTÜM die Checkliste Tauchtauglichkeit heraus; die zweite Auflage von 2014 umfasst nach der deutschen Wikipedia 447 Seiten. Auf ihrer Seite zur Tauchtauglichkeit nennt die Gesellschaft die Untersuchungsintervalle: spätestens nach drei Jahren für Taucher zwischen 16 und 39 Jahren, spätestens nach einem Jahr ab 40 Jahren und ebenfalls spätestens nach einem Jahr für Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 15 Jahren, bei entsprechender Indikation auch kürzer.

Die Untersuchungsbögen stellt die GTÜM als PDF bereit. Ausstellen dürfen die Zertifikate nach ihrer Angabe alle Ärzte, die sich an die aktuellen Empfehlungen der beiden Gesellschaften halten; eine Online-Datenbank weist Ärzte in Deutschland aus, die die Untersuchung fachkundig durchführen, die ÖGTH führt eine entsprechende Liste für Österreich.

Abgrenzung

Die GTÜM ist kein Tauchsportverband. PADI, SSI, CMAS und der VDST brevetieren, die GTÜM nicht. Sie ist auch kein Notrufdienst und keine Versicherung: Das übernimmt DAN. Was die GTÜM liefert, ist der medizinische Maßstab, auf den sich die anderen beziehen – und an dem sich im Streitfall messen lässt, was als Stand der Wissenschaft gilt.

Hinweis: Dieser Eintrag beschreibt eine Fachgesellschaft und ihre Veröffentlichungen. Er ersetzt weder eine ärztliche Untersuchung noch eine Beratung. Bei Verdacht auf einen Tauchunfall gilt die Leitlinie, nicht ein Lexikoneintrag.

Quellen

Wofür steht die Abkürzung GTÜM?
Für „Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin“. Sie ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein mit Sitz in Mainz, 1983 gegründet, und seit 1997 Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. In älteren Texten findet sich auch die Schreibweise GeTÜM.
Welche Untersuchungsintervalle nennt die GTÜM für die Tauchtauglichkeit?
Nach den Angaben auf ihrer Seite zur Tauchtauglichkeit: spätestens nach drei Jahren zwischen 16 und 39 Jahren, spätestens nach einem Jahr ab 40 Jahren und spätestens nach einem Jahr bei Kindern und Jugendlichen von 8 bis 15 Jahren. Bei entsprechender Indikation sind kürzere Abstände vorgesehen. Verbandsstandards einzelner Ausbildungsorganisationen können davon abweichen.
Welche Leitlinie gilt in Deutschland beim Tauchunfall?
Die S2k-Leitlinie „Tauchunfall“ mit der AWMF-Registernummer 072-001, federführend von der GTÜM erstellt und unter Beteiligung von acht weiteren Fachgesellschaften und Organisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die deutsche Wikipedia datiert die geltende Fassung auf 2022 mit Gültigkeit bis zum 30. November 2027; veröffentlicht wurde sie 2023 in German Medical Science. Die Kurzfassung mit den Erstmaßnahmen und den Notrufnummern steht bei der GTÜM als PDF.
Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.