Das Aqua-Lung ist das erste serienreife Presslufttauchgerät mit Lungenautomat, entwickelt 1942/43 von Jacques-Yves Cousteau und dem Ingenieur Émile Gagnan. Es lieferte Atemgas nur auf Anforderung statt im Dauerstrom — und machte damit aus dem Gerätetauchen eine Sache für jedermann statt für Spezialisten.
Wie es entstand
Die englische Wikipedia datiert die Entwicklung genau: „The Aqua-Lung was invented in France during the winter of 1942–1943 by two Frenchmen: engineer Émile Gagnan and Jacques Cousteau.“ Ein Patent erhielten die beiden noch 1943.
Der Ausgangspunkt lag außerhalb des Tauchens. Die Cousteau Society hält fest, Gagnan habe zunächst „a demand regulator for cooking gas“ entwickelt — einen Druckregler für Kochgas, in Kriegszeiten gebaut, um Fahrzeuge mit Gas zu betreiben. Auf Cousteaus Anregung wurde dieser Regler fürs Tauchen umgebaut; die Wikipedia formuliert es als „On Cousteau’s initiative, the Gagnan regulator was modified for use in diving.“
Die entscheidende Neuerung
Vor dem Aqua-Lung arbeiteten Tauchgeräte mit Dauerstrom. Die Cousteau Society nennt als Vorläufer das System, das „Captain Yves Le Prieur“ 1925 vorstellte, und beschreibt dessen Schwäche als „the critical problem of wasted air“: Das Gas strömte unabhängig davon, ob der Taucher gerade einatmete.
Der Lungenautomat kehrte das um. Nach der Darstellung der Cousteau Society konnten Taucher nun „breathe only when needed, dramatically extending dive time“. Die Wikipedia beschreibt das Ergebnis als „a compact, reliable system capable of a greater depth range and endurance than its precursors“. Wie diese Technik heute aufgebaut ist, steht in den Einträgen zum Atemregler und zum Lungenautomaten.
Das historische Gerät unterschied sich äußerlich deutlich von heutiger Ausrüstung: Es war ein Zweischlauchgerät. Ein flacher Regler saß im Nacken auf den Flaschen, von dort führten zwei dicke Faltenschläuche nach vorn zum Mundstück — einer für die Einatmung, einer für die Ausatmung.
Vom Gerät zur Marke
Nach dem Krieg wurde aus der Erfindung ein Produkt. Die Wikipedia: „After the war, in 1946, both men founded La Spirotechnique as a division of Air Liquide in order to mass-produce and sell their invention, this time under a new 1945 patent, and known as CG45.“ Diese kommerzielle Fassung „was the first to actually be called the ‚Aqua-Lung‘“ und kam ab 1946 in Frankreich auf den Markt.
Den Namen prägte Cousteau für den englischsprachigen Markt. Die Wikipedia beschreibt, wie der US-Vertriebspartner René Bussoz den Namen für sich eintragen ließ und die französische Seite die Verlängerung ausließ — bis dahin „everyone was familiar with the names he had registered“. Das Patent selbst lief nach derselben Quelle „sometime around 1960 to 1963“ aus.
Aus dem Gattungsnamen wurde so eine Marke, die es bis heute gibt. Im Englischen hat sich aqualung daneben umgangssprachlich als Wort für das Presslufttauchgerät gehalten; im Deutschen ist die gängige Bezeichnung schlicht Tauchgerät.
Warum der Einschnitt so groß war
Bis 1943 brauchte Gerätetauchen entweder eine Versorgungsleitung von oben oder ein Kreislaufgerät mit seinen eigenen Risiken. Das Aqua-Lung machte den Taucher zum ersten Mal autonom: Luft auf dem Rücken, Automat im Mund, keine Leine nach oben. Was heute als Selbstverständlichkeit in jedem Anfängerkurs steht, ist in dieser Form kaum älter als achtzig Jahre.
Quellen
- Wikipedia (englisch): Aqua-Lung — Entwicklung im Winter 1942/43, Patent 1943, Gründung von La Spirotechnique 1946, Patent von 1945 und Gerät CG45, Markenrechte und Ablauf des Patents
- The Cousteau Society: The Aqua-Lung — Herkunft des Reglers aus der Gasversorgung, Vorläufer Le Prieur von 1925, Bedeutung der bedarfsgesteuerten Abgabe
Zur Quellenlage: Die Cousteau Society ist die Organisation eines der beiden Erfinder und damit keine unabhängige Darstellung. Die Angaben zur Patentlage stammen aus einem Wiki; die Patentschriften selbst liegen dieser Wiedergabe nicht zugrunde. Eine deutschsprachige Fundstelle zu Datierung und Patentgeschichte ist hier nicht aufgeführt. Die Beschreibung des Zweischlauchaufbaus gibt den allgemein bekannten Bauzustand wieder und ist nicht aus den beiden Fundstellen belegt.
