Briefing

Tauchguide erklaert einer im Halbkreis sitzenden Gruppe an Bord den Tauchgang, mit Briefingtafel in der Hand
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Das Briefing ist die Besprechung unmittelbar vor einem Tauchgang, in der die tauchgangsführende Person allen Beteiligten Plan, Bedingungen, Verfahren und Notfallregeln bekannt gibt. Deutsch heißt es auch Tauchgangsvorbesprechung. Es ist kein Vortrag über den Tauchplatz, sondern der Schritt, der sicherstellt, dass alle im Wasser dieselben Absprachen im Kopf haben.

Wer es hält — und wann es keines ist

Der VDST formuliert es knapp: „Das Briefing unmittelbar vor dem Tauchgang dient dazu, in knapper Form alle sicherheitsbedeutsamen Informationen auszutauschen.“ Gehalten wird es vom Tauchgruppenführer, vom Tauchlehrer, vom Divemaster oder auf dem Boot vom Bootsführer.

Das ist zugleich die Abgrenzung nach unten: Zwei Sporttaucher, die miteinander ihren Tauchgang absprechen, halten kein Briefing. Die Verbandsquellen setzen für den Begriff eine führende Person voraus; die gegenseitige Absprache im Zweierteam beschreiben sie als Planung — PADI etwa in den Standard Safe Diving Practices mit der Verpflichtung, Tauchgänge „with my buddy“ zu planen. Der Unterschied ist keine Wortklauberei, sondern eine Rollenfrage: Beim Briefing gibt einer bekannt, bei der Absprache einigen sich zwei.

Was hineingehört

Die dichteste Einzelliste stammt von SSI, das für die Dive-Guide-Ausbildung ein eigenes Bewertungsblatt für Briefings führt. Es gliedert sich in fünf Blöcke: Vorstellung und Tauchplatz mit Beschreibung, Bedingungen, Tauchplan und möglichen Begegnungen; Grenzen mit Ein- und Ausstiegspunkten, maximaler Tiefe, maximaler Tauchzeit und dem Gasmanagement aus Signalen, Umkehrpunkt und Reserve; Art des Tauchgangs mit Besonderheiten des Platzes und Position des Guides; Partnersystem mit Durchgehen der Handzeichen, Einteilung der Buddyteams und dem Verfahren bei Trennung; schließlich Sicherheit mit Rückrufverfahren, Notfallverfahren und dem Hinweis auf Erste-Hilfe-Ausrüstung und Sauerstoff.

PADI führt für die Divemaster-Ausbildung zehn Punkte: Name des Tauchplatzes, Tauchplatzbeschreibung, die eigene Rolle, Ein- und Ausstiegsverfahren, Tauchverfahren, Notfallverfahren, Signal-Check, Taucherverzeichnis- und Tauchpartner-Check, Umgebungsorientierung und Sicherheitscheck vor dem Tauchgang. TDI fasst es in den eigenen Standards am knappsten: „A complete briefing that includes: The dive site. Water conditions. Skills to be performed. Entry/Exit to be used. Emergency procedures.“

Bei aller Verschiedenheit im Zuschnitt decken sich die Kerne: wo es hineingeht und wieder heraus, wie tief und wie lange, wann umgekehrt wird, wer mit wem taucht, welche Zeichen gelten, was bei Trennung passiert und was im Notfall.

Die Norm steht in ISO 24803

Ein Punkt, der häufig falsch zitiert wird: Die einschlägige Norm ist nicht die Ausbildungsnorm. ISO 24801 und ISO 24802 beschreiben die Kompetenzen von Tauchern und Tauchlehrern; ein Briefing verlangen sie nicht. Die Pflicht steht in ISO 24803, „Recreational diving services — Requirements for recreational diving providers“, also in der Norm für Tauchbasen und Anbieter.

Dort verlangt Abschnitt 4.2.2, dass Kunden vor jeder Tauch-, Schnorchel- oder Übungseinheit die Sicherheitsvorkehrungen genannt bekommen, einschließlich Rolle des Personals, Notfallverfahren und Partner- beziehungsweise Gruppenzuordnung. Abschnitt 9.3 verlangt für den geführten Tauchgang ein Sicherheitsbriefing, eine Gefährdungsbeurteilung, die Zuordnung der Partner und die Festlegung der Betriebsgrenzen, dazu ein Umweltbriefing. Abschnitt 4.5.2 regelt gesondert das Sicherheitsbriefing an Bord mit Notfallausrüstung, Verhalten an Bord, Ausrüstungslagerung, Zuständigkeiten, Namensabgleich, Ein- und Ausstieg und Kommunikation. Die in Abschnitt 4.3 aufgeführten Gefährdungsmerkmale sind zugleich die Themen, die ins Briefing gehören: Wasserbewegung, Tiefe, Sicht, Temperatur, Verschmutzung, Ein- und Ausstiegsverfahren, Sperrzonen.

Im Berufs- und Forschungstauchen heißt dasselbe anders. Die DGUV Regel 101-023 spricht von Unterweisung: Die Taucheinsatzleitung hat die Beteiligten vor jedem Taucheinsatz anhand der Gefährdungsermittlung zu unterweisen, über eingesetzte Ausrüstung, besondere Gefahren an der Einsatzstelle und das Verhalten bei Unfällen und Störungen. Arbeitssignale dürfen dort frei vereinbart werden, müssen aber an der Tauchstelle ausgehängt sein.

Bei CMAS enthalten die Standards für den Ein- und Zwei-Sterne-Taucher das Wort Briefing nicht. Für die CMAS-Linie im deutschsprachigen Raum ist der VDST maßgeblich, und dort ist das Briefing verbindlich.

Handzeichen sind nicht international festgelegt

Deshalb steht ihr Durchgehen auf jeder Liste. Einen verbandsübergreifend verbindlichen Satz gibt es nicht; in den Vereinigten Staaten haben sich die Mitgliedsverbände des Recreational Scuba Training Council auf einen gemeinsamen Satz verständigt, im Übrigen gibt es regionale Unterschiede und solche nach Tauchart. Ausgerechnet das sicherheitsrelevanteste Zeichen variiert am stärksten — die Anzeige des verbleibenden Flaschendrucks.

PADI legt für den ersten Freiwassertauchgang fest, welche Zeichen ausdrücklich im Briefing wiederholt werden: in Ordnung, etwas stimmt nicht, Ohrprobleme, wenig Luft, auftauchen beziehungsweise Tauchgang beenden, beim Partner bleiben, sowie das akustische oder taktile und das optische Zeichen für „sieh mich an“. DAN formuliert es als Merksatz: Handzeichen vor dem Tauchgang durchgehen.

Briefing, Buddy-Check und Planung

Die drei werden oft in einem Atemzug genannt, sind aber verschiedene Dinge. Die Tauchgangsplanung liefert die Zahlen; das Briefing gibt sie bekannt. Der Buddy-Check prüft die Ausrüstung, das Briefing klärt den Ablauf — was im Buddy-System ausführlicher steht.

Ob der Check zum Briefing gehört, beantworten die Verbände unterschiedlich, und das sollte man nicht glätten. PADI führt ihn innerhalb der zehn Briefingpunkte gleich zweimal auf. Auf dem SSI-Bewertungsblatt für das Dive-Guide-Briefing steht er nicht — dort stehen nur Buddyeinteilung, Handzeichen und Trennungsverfahren —, während das SSI-Instructor-Manual für den Open Water Diver den Buddy-Check als Briefingpunkt führt. ISO 24803 verlangt im Briefing keinen Check, sondern nur die Zuordnung der Partner. Das Debriefing schließlich ist eindeutig ein eigener, nachgelagerter Schritt: Der VDST macht es zur Pflicht — „Jeder Tauchgang ist mit einem Nachbriefing abzuschließen“ —, und TDI und SDI listen seinen Inhalt in denselben Standards gesondert auf.

Aus der Praxis

DAN hat dem Thema einen eigenen Beitrag gewidmet und nennt die Grenze, an der jedes Briefing scheitert: „five to eight minutes is about the limit of a diver’s focus“ — dazu Seegang, Seekrankheit, Lärm, Hitze und Unbehagen als Störfaktoren. Wer auf einem schaukelnden Boot zwanzig Minuten redet, erreicht weniger als jemand, der in sechs Minuten das Wesentliche unterbringt. Als Tauchlehrer halte ich das für den nützlichsten Satz zum Thema überhaupt.

Dass es ernst ist, zeigt ein behördlicher Befund: Nach mehreren Unglücken mit Tauchsafarischiffen im Roten Meer stellte die britische Unfalluntersuchungsstelle MAIB 2025 fest, Sicherheitsbriefings seien „of a poor standard or not conducted at all“ gewesen, Fluchtwege unbeschildert und ohne Notbeleuchtung; sie empfahl Gästen ausdrücklich, vor dem Auslaufen ein gründliches Sicherheitsbriefing einzufordern. Eine Statistik, die fehlende Briefings als Unfallursache beziffert, gibt es dagegen nicht — die DAN-Unfallberichte sind für diese Frage zu dünn besetzt und sagen das selbst.

Auf zertifizierten Green-Fins-Basen kommt ein Umweltteil hinzu. Die Empfehlung dort ist bemerkenswert praxisnah: nicht alle Regeln aufzählen, sondern drei bis fünf für diesen Tauchplatz wirklich wichtige herausgreifen.

Wie lange soll ein Briefing dauern?
Eine Vorschrift dazu gibt es nicht. DAN nennt als Beobachtung fünf bis acht Minuten als Grenze der Aufmerksamkeit, unter erschwerten Bedingungen eher weniger. Daraus folgt kein Zeitlimit, aber eine Reihenfolge: zuerst das, was im Wasser gebraucht wird — Umkehrpunkt, Trennungsverfahren, Notfall —, danach das Schöne am Tauchplatz.
Muss eine Tauchbasis ein Briefing halten?
Nach ISO 24803 ja. Die Norm verlangt von Anbietern, vor jeder Einheit die Sicherheitsvorkehrungen zu nennen, bei geführten Tauchgängen ein Sicherheitsbriefing samt Gefährdungsbeurteilung und Partnerzuordnung zu geben und an Bord ein eigenes Sicherheitsbriefing zu halten. Ob eine bestimmte Basis nach dieser Norm arbeitet, ist eine andere Frage — die Norm gilt für Anbieter, die sich ihr unterstellen.
Gehört der Buddy-Check ins Briefing?
Das beantworten die Verbände nicht einheitlich. PADI führt ihn unter den zehn Briefingpunkten, und zwar doppelt. Auf dem SSI-Bewertungsblatt für Dive Guides steht er nicht, im SSI-Instructor-Manual für den Open Water Diver dagegen schon. ISO 24803 nennt im Briefing nur die Partnerzuordnung. Sachlich sind es zwei Dinge: Das Briefing ordnet den Check an, der Check selbst ist eine Handlung am Gerät.

Quellen

Zur Quellenlage: Als Standardklausel liegt das Briefing bei TDI und SDI vor, als Norm in ISO 24803; ISO 24801 und 24802 enthalten es nicht, ihre Volltexte sind kostenpflichtig und nur über Titel und Anwendungsbereich zugänglich. Die SSI-Punkteliste stammt aus einem Bewertungsblatt der Dive-Guide-Ausbildung, die PADI-Liste aus Verbandsredaktion und Kursmaterial, nicht aus den Standards. Zwischen dem SSI-Bewertungsblatt und dem SSI-Instructor-Manual besteht in der Frage des Buddy-Checks ein Unterschied, der hier nicht vereinheitlicht wird. Für CMAS ergibt die Durchsicht der Standards für Ein- und Zwei-Sterne-Taucher einen Negativbefund; die Standards für den Drei-Sterne-Taucher waren nicht frei zugänglich.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.