SAC-Rate

Nahaufnahme: Ein Taucher hält das Finimeter in der Hand, daneben Jacket, Flasche und Flossen am Ufer
Der Blick aufs Finimeter gehört zu den Handgriffen, die im ersten Jahr zur Gewohnheit werden. Foto: Hossam Ashoor / Pexels

Die SAC-Rate (von englisch surface air consumption) ist der Atemgasverbrauch eines Tauchers, zurückgerechnet auf den Druck an der Oberfläche. Sie wird als Druckabfall je Minute angegeben, also in bar pro Minute. Sie ist die Größe, aus der eine Gasplanung entsteht: Wer weiß, wie viel bar er an der Oberfläche je Minute verbraucht, kann ausrechnen, wie lange sein Vorrat in dreißig Metern reicht.

Dasselbe Kürzel, zwei Bedeutungen

Wer nachliest, stößt auf eine Doppeldeutigkeit, und zwar innerhalb derselben Organisation. Alert Diver Europe setzt die Begriffe gleich: „Respiratory minute volume or RMV, also referred to as SAC rate (for Surface Air Consumption) or SRC (Surface Consumption Rate) is the volume of breathing gas that passes into and out of a person’s lungs, on average, per minute.“ Dort ist die SAC-Rate also ein Volumen in Litern je Minute.

Der DAN-Artikel zum Luftverbrauch trennt die beiden: Die SAC-Rate ist dort der Druckabfall in bar oder psi je Minute, und das Atemminutenvolumen entsteht erst daraus, indem man die SAC-Rate mit dem Flaschenvolumen multipliziert – im Rechenbeispiel „2 × 11 = 22 Liter pro Minute“. Beide Lesarten sind in Gebrauch; die Einheit verrät, welche gemeint ist. Bar pro Minute hängt an der Flasche, Liter pro Minute nicht. Das Atemminutenvolumen (AMV) ist die flaschenunabhängige Größe.

Wie man sie misst

DAN beschreibt einen einfachen Versuch: zehn Minuten auf gleichbleibender Tiefe schwimmen und den Druckabfall ablesen. Der abgelesene Wert wird durch die Zeit geteilt und dann auf den Oberflächendruck zurückgerechnet. Der Umgebungsdruck in ata ergibt sich metrisch aus Tiefe in Metern geteilt durch zehn plus eins. Im Beispiel des Artikels: 600 psi in zehn Minuten sind 60 psi je Minute, bei 2 ata also eine SAC-Rate von 30 psi je Minute. Metrisch nennt derselbe Artikel als Beispielwert 2 bar je Minute.

Alert Diver Europe rechnet denselben Zusammenhang in Litern: Flaschengröße mal Druck ergibt die freien Liter, „10 l x 200 bar“ also 2000 Liter; der Verbrauch ist die Druckdifferenz mal Flaschengröße, „(210 bar – 60 bar) x 10 l = 1500 L“. Die Rate folgt aus Verbrauch geteilt durch Druck und Zeit: „(12 l * 140 bar) / (2.2 ata * 45 min) = 17 l/min“.

Wie daraus eine Planung wird

Die Rechnung läuft rückwärts. Alert Diver Europe führt sie vor: „if your RMV is 16 l/min and you want to spend 25 minutes at 25 metres, you can expect to use 16 l/min * 25 min * 3.5 ata = 1400 L“. Diese 1400 Liter sind der Bedarf für den geplanten Abschnitt – nicht der Vorrat, den man mitnimmt. Was dazukommt, regelt die Reserveregel, im technischen Tauchen etwa die Drittelregel.

Eine Gasmenge, die man braucht, ist eine Untergrenze. Sie wird deshalb aufgerundet, nie abgerundet – wer bei 1400 Litern auf 1300 geht, weil die Flasche gerade nicht mehr hergibt, plant seinen Notfall mit ein. Dieselbe Richtung gilt für die SAC-Rate selbst: In die Planung geht der höhere der gemessenen Werte, nicht der Mittelwert.

Was die Zahl verschiebt

Die SAC-Rate ist keine Konstante, sondern eine Eigenschaft des Tauchers in einer bestimmten Lage. DAN nennt als Einflussgrößen die Strömung – wer gegen sie schwimmt, verbraucht mehr –, die Anstrengung, die Stromlinienform der Ausrüstung, Bleimenge und Trimm sowie kleine Lecks, die sich über einen Tauchgang summieren. Eine waagerechte Lage im Wasser spart Gas, weil sie den Widerstand senkt. Wie viel Kraft das Atmen selbst kostet, steht unter Atemarbeit.

In der Ausbildung lasse ich die Zahl selbst ausrechnen, und zwar mehrfach: einmal auf einem ruhigen Tauchgang, einmal nach einem Abschnitt gegen Strömung. Der Unterschied zwischen beiden Werten ist für die Planung aussagekräftiger als jeder Einzelwert. Ein Tauchcomputer mit Drucksender nimmt die Messung ab; verstanden werden muss sie trotzdem.

Warum muss man auf den Oberflächendruck zurückrechnen?
Weil der Verbrauch mit dem Umgebungsdruck wächst. Alert Diver Europe formuliert es so: Der Gasverbrauch ist dem Umgebungsdruck proportional, und dieser ergibt sich metrisch aus „1 + depth in metres/10 ata“. Ein und derselbe Taucher verbraucht in zwanzig Metern das Dreifache dessen, was er an der Oberfläche verbraucht. Erst die Zurückrechnung macht Werte aus verschiedenen Tiefen vergleichbar.
Reicht eine einzige Messung?
Für eine Zahl ja, für eine Planung nicht. DAN beschreibt den Zehn-Minuten-Versuch auf gleichbleibender Tiefe als kontrollierten Test und nennt daneben eine Reihe von Umständen, die den Verbrauch verändern. Mehrere Messungen unter verschiedenen Bedingungen ergeben eine Spanne, und mit der Spanne plant man.
Was ist ein normaler Wert?
Die beiden Fundstellen nennen Zahlen nur als Rechenbeispiele: 2 bar je Minute, 17 Liter je Minute, 22 Liter je Minute, 16 Liter je Minute in der Planungsrechnung. Einen Normwert oder eine Spanne für den durchschnittlichen Sporttaucher gibt keine der beiden an. Der eigene Wert ist deshalb der einzige brauchbare.

Quellen

Zur Quellenlage: Beide Fundstellen stammen von DAN und verwenden die Begriffe SAC und RMV unterschiedlich; sie sind hier nebeneinandergestellt und nicht zusammengeführt. Alle Zahlen sind die Rechenbeispiele der Quellen, keine Messreihe. Eine Verbandsnorm, die die SAC-Rate definiert, liegt dem Eintrag nicht vor.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.