DAN (Divers Alert Network)

Notfallausrüstung an Bord eines Tauchbootes: Sauerstoffflasche in der Halterung mit Druckminderer und Maske, daneben eine geöffnete Erste-Hilfe-Tasche
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

DAN (Divers Alert Network) ist ein gemeinnütziger Verbund von Tauchsicherheitsorganisationen, der rund um die Uhr eine tauchmedizinische Notrufberatung betreibt, Tauchunfallversicherungen anbietet, Erste-Hilfe-Kurse ausbildet und Unfalldaten erhebt. Entstanden ist er 1980 an einer Universitätsklinik in den Vereinigten Staaten, weil verunfallte Taucher zu lange auf die richtige Behandlung warteten.

Woher die Organisation kommt

1980 gründeten das amerikanische Militär, staatliche Stellen und die Undersea Medical Society am Duke University Medical Center das National Diving Accident Network, kurz NaDAN. Der Anlass war das Problem, das die Organisation bis heute bearbeitet: Vor ihr vergingen nach einem Tauchunfall oft erhebliche Zeiträume, bis der Verunfallte die passende Behandlung erreichte. Die eine Aufgabe des Anfangs war eine Notrufleitung, die zu jeder Tages- und Nachtzeit besetzt ist.

1982 wurde aus dem Diving Accident Network das Divers Alert Network. Als 1983 die anfängliche Förderung endete, stellte sich die Organisation auf Mitgliedsbeiträge um — die Form, in der sie bis heute arbeitet. Im selben Jahr erschien die erste Ausgabe der Mitgliederzeitschrift Alert Diver, aus einem achtseitigen Rundschreiben hervorgegangen. 1987 folgte die erste Tauchunfallversicherung, 1990 die Anerkennung als steuerbegünstigte gemeinnützige Körperschaft nach amerikanischem Recht.

Wie der Verbund aufgebaut ist

DAN ist keine einzelne Organisation, sondern ein Zusammenschluss rechtlich eigenständiger, jeweils gemeinnütziger Gesellschaften. Das Dach heißt International DAN (IDAN) und besteht seit 1991; Gründungsmitglieder waren DAN America, DAN Europe, DAN Japan und DAN Asia-Pacific.

Für den europäischen Raum ist DAN Europe zuständig, 1983 von Alessandro Marroni gegründet und von Anfang an als Mitgliederorganisation mit einem Notfallbereitschaftsdienst und einem Versicherungsteil angelegt. Wer in Europa taucht und eine DAN-Mitgliedschaft hat, hat sie in aller Regel dort.

Was DAN tatsächlich tut

Notrufberatung. Die Leitung ist das Herzstück und zugleich das, was im Ernstfall zählt: Sie vermittelt nicht nur, sondern berät tauchmedizinisch, ordnet die Symptome ein und hilft, die richtige Druckkammer zu finden. Welche Nummern in Europa gelten und in welcher Reihenfolge angerufen wird, steht im Eintrag zum tauchmedizinischen Notruf — Nummern gehören an eine Stelle, an der sie gepflegt werden, und nicht in zwei.

Versicherung. Seit 1987 gibt es die Tauchunfallversicherung, die Transport und Behandlung nach einem Tauchunfall abdeckt — die Kosten einer Druckkammerbehandlung und eines Rücktransports übersteigen das, was eine gewöhnliche Reiseversicherung trägt. Der Umfang der Leistungen und die Beiträge unterscheiden sich zwischen den DAN-Gesellschaften und ändern sich; sie gehören bei der für das eigene Land zuständigen Gesellschaft nachgesehen.

Ausbildung. 1991 begann DAN mit dem Programm zur Sauerstoff-Ersten-Hilfe; bis 1996 wurde es auf allen sieben Kontinenten unterrichtet. Diese Kurse sind der Grund, warum an vielen Basen überhaupt jemand weiß, wie der Sauerstoffkoffer zu bedienen ist, und sie ergänzen die Rettungsausbildung der Verbände, etwa den Rescue Diver.

Forschung und Datenerhebung. DAN America betreibt mit Project Dive Exploration eine Sammlung von Tauchgangsprofilen, die Freiwillige beisteuern; DAN Europe unterhält ein eigenes Tauchsicherheitslabor, das zu Dekompression und Tauchphysiologie arbeitet. Aus beidem entstehen die jährlichen Berichte zu Dekompressionserkrankungen und Tauchtodesfällen, die in der Tauchmedizin viel zitiert werden — auch an mehreren Stellen dieses Lexikons.

Warum der Name so oft auftaucht

Für die Zahlen, die im Sporttauchen umlaufen, ist DAN eine der wenigen Stellen, die überhaupt systematisch erheben: Aufstiegsgeschwindigkeiten, Risikofaktoren der Dekompressionskrankheit, Verhalten in Strömung, Sauerstofftoxizität. Das erklärt, warum der Name in Lehrbüchern und Nachschlagewerken so häufig als Beleg erscheint. Es erklärt zugleich die Grenze: DAN ist kein Ausbildungsverband und setzt keine Kursstandards wie CMAS, SSI oder PADI. Wer eine Verbandsvorgabe sucht, findet sie dort, nicht hier.

Dieser Eintrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Nach einem Tauchunfall gilt die Reihenfolge, die der Eintrag zum Tauchunfall beschreibt: Erstmaßnahmen, Sauerstoff, Notruf.

Wofür steht die Abkürzung DAN?
Für Divers Alert Network. Bei der Gründung 1980 hieß die Organisation National Diving Accident Network (NaDAN); 1982 wurde daraus das Divers Alert Network, die Abkürzung blieb.
Ist DAN ein Ausbildungsverband?
Nein. DAN bildet in Erster Hilfe und Sauerstoffgabe aus, vergibt aber keine Tauchbrevets und setzt keine Kursstandards für das Gerätetauchen. Dafür sind die Ausbildungsverbände zuständig.
Brauche ich eine DAN-Mitgliedschaft, um die Notrufleitung zu nutzen?
Die Notrufberatung und der Versicherungsschutz sind zwei verschiedene Dinge, und die Bedingungen unterscheiden sich zwischen den einzelnen DAN-Gesellschaften. Was im eigenen Land gilt, steht bei der dort zuständigen Gesellschaft — und zwar bevor man es braucht, nicht danach.

Quellen

  • DAN: History — Gründung 1980 als NaDAN am Duke University Medical Center, Umstellung auf Mitgliedschaft und Alert Diver 1983, erste Tauchunfallversicherung 1987, Gemeinnützigkeit 1990
  • Wikipedia (englisch): Divers Alert Network — Umbenennung 1982, IDAN seit 1991 mit seinen vier Gründungsmitgliedern, DAN Europe 1983 durch Alessandro Marroni, Project Dive Exploration, Sauerstoffprogramm ab 1991

Zur Quellenlage: Die Jahreszahlen stammen zum Teil aus der Selbstdarstellung der Organisation; wo sie sich mit der enzyklopädischen Quelle decken, sind sie oben ohne Vorbehalt übernommen. Beitragshöhen, Leistungsumfang der Versicherung und Notrufnummern unterscheiden sich je Land und Jahr; eine dauerhaft zitierfähige Fundstelle dafür gibt es nicht.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.