Albert R. Behnke war Arzt der US Navy und einer der Begründer der modernen Tauchmedizin. Von ihm stammt der Begriff des Sauerstofffensters. Er arbeitete an der Behandlung von Dekompressionsunfällen mit Druckluft, baute das Forschungsinstitut der Marine mit auf und gehörte zu den Gründern der heutigen Undersea and Hyperbaric Medical Society.
Die Laufbahn
Behnke diente von Juli 1929 bis Juli 1959 als Arzt in der US Navy und schied im Rang eines Captain aus dem Medical Corps aus; die Gedenkdatenbank des United States Navy Memorial nennt Chicago, Illinois, als Geburtsort und das Jahr 1903. Dieselben dreißig Dienstjahre führt das Medical Center Archives der Duke University, das seinen Nachlass verwahrt. Nach dem Ausscheiden wurde er Professor für Präventivmedizin an der University of California und Direktor des Institute of Applied Biology am Presbyterian Medical Center in San Francisco.
Als die Leistung, für die er bekannt ist, nennt das Duke-Archiv den Aufbau des US Naval Medical Research Institute, der medizinischen Forschungseinrichtung der Marine. Inhaltlich verbindet dasselbe Archiv seinen Namen mit der Behandlung der Dekompressionskrankheit mit Druckluft, also mit der Rekompression. Der Nachlass selbst besteht aus Fotografien des War Department aus den Jahren 1942 bis 1944 und vier gebundenen Forschungsnotizbüchern von 1940 bis 1970; er steht in engem Zusammenhang mit den Papieren von C. J. Lambertsen.
Das Sauerstofffenster
Der Begriff, mit dem Behnkes Name heute am engsten verbunden ist, stammt aus dem Jahr 1967. Die Arbeit heißt „The isobaric (oxygen window) principle of decompression“ und ist in den Transactions der dritten Konferenz der Marine Technology Society in San Diego erschienen. Kot und Mitarbeiter zitieren sie in ihrer Arbeit zum erweiterten Sauerstofffenster genau so.
Bemerkenswert ist, dass derselbe Sachverhalt mehrfach und unabhängig benannt worden ist. Dieselbe Arbeit führt drei Bezeichnungen nebeneinander auf: „partial pressure vacancy“ bei Momsen, „inherent unsaturation“ bei Hills und „oxygen window“ bei Behnke und Hills. Gemeint ist jeweils die Untersättigung, die der Sauerstoffstoffwechsel im Gewebe erzeugt: Der Stoffwechsel verbraucht Sauerstoff und bildet Kohlendioxid, und dabei sinkt der Partialdruck im Gewebe. Kot und Mitarbeiter beziffern sie für den Standardfall mit etwa 60 Torr im venösen Blut und etwa 85 Torr im Gewebe. Was daraus für den Aufstieg folgt, steht im Eintrag zum Sauerstofffenster.
Was ihm darüber hinaus zugeschrieben wird
Eine enzyklopädische Übersicht ordnet Behnke eine ganze Reihe weiterer Arbeiten zu: 1932 die Trennung der Erscheinungen der arteriellen Gasembolie von denen der Dekompressionskrankheit, 1935 Versuche mit Sauerstoff in der Rekompressionsbehandlung, 1937 Tabellen ohne Dekompressionsstopps, 1939 gemeinsam mit Yarbrough die Arbeit zu Atemwiderstand und Wirkung von Argon im Vergleich zu Helium und Stickstoff und 1942 den ersten Vorschlag für Sättigungstauchgänge im Einsatz. Dieselbe Übersicht verbindet ihn mit der Bergung der USS Squalus im Jahr 1939, bei der 33 Besatzungsmitglieder gerettet wurden und die Taucher nach Heliox-Plänen arbeiteten.
Die Linie, die sich durch diese Zuschreibungen zieht, führt zu zwei Begriffen, die heute jeder Taucher kennt: Stickstoffnarkose und Tiefenrausch. Dass sich die narkotische Wirkung durch den Austausch des Inertgases umgehen lässt, ist die Voraussetzung für das, was später unter Trimix und Heliox entwickelt wurde. Und die Tabellen ohne Dekompressionsstopps von 1937 gehören in die Vorgeschichte dessen, was heute als Nullzeit geläufig ist.
Warum der Name bis heute fällt
Die Undersea and Hyperbaric Medical Society, zu deren Gründern Behnke nach dem Duke-Archiv zählt, vergibt ihre höchste Auszeichnung unter seinem Namen. Die University at Buffalo bezeichnet den Albert R. Behnke Award in ihrer Mitteilung zur Verleihung 2006 als „the most prominent honor awarded by the Undersea and Hyperbaric Medical Society“; ausgezeichnet werden herausragende wissenschaftliche Beiträge zum Fortschritt der Unterwasser- und Überdruckmedizin.
Als Tauchlehrer begegnet mir sein Name selten, sein Werk dagegen ständig. Wer im Kurs erklärt, warum der Sauerstoff im Dekogas mehr bewirkt als nur das Fernhalten von Stickstoff, erklärt Behnkes Fenster. Und wer begründet, warum der erste Tauchgang eines Anfängers ohne Dekompressionsstopp endet, bewegt sich in einer Denkweise, an der Behnke in den dreißiger Jahren mitgearbeitet hat.
Quellen
- Duke University, Medical Center Archives: Albert R. Behnke Collection — Dienstzeit 1929 bis 1959, Aufbau des US Naval Medical Research Institute, Arbeit zur Behandlung der Dekompressionskrankheit mit Druckluft, Professur und Institutsleitung nach der Pensionierung, Mitbegründer der UHMS, Umfang des Nachlasses.
- United States Navy Memorial, Navy Log: Behnke, Albert — Geburtsjahr und Geburtsort, Dienstzeit Juli 1929 bis Juli 1959, Rang Captain im Medical Corps.
- Kot u. a.: The Extended Oxygen Window Concept (PLOS ONE, 2015) — vollständige Literaturangabe zu Behnke 1967, die drei konkurrierenden Bezeichnungen des Phänomens, die Werte von etwa 60 Torr im venösen Blut und etwa 85 Torr im Gewebe.
- University at Buffalo: Pendergast Receives Top Award from Undersea and Hyperbaric Society (2006) — der Albert R. Behnke Award als höchste Auszeichnung der UHMS und das, wofür sie vergeben wird.
- Wikipedia: Albert R. Behnke — die im Abschnitt „Was ihm darüber hinaus zugeschrieben wird“ genannten Jahreszahlen und Arbeiten sowie die Angaben zur USS Squalus.
Die Zuschreibungen des vorletzten Abschnitts stammen aus einer Wiki-Darstellung; die genannten Originalarbeiten liegen dieser Fassung nicht im Wortlaut zugrunde. Für den Geburtstag sind die Angaben nicht eindeutig: Die Navy-Log-Datenbank führt ihn in der Zahlenform 03/08/1903, die Wiki-Darstellung als 8. August 1903; je nach Lesart der Datumsform decken sich beide oder nicht. Übereinstimmend sind allein das Jahr 1903 und der Geburtsort Chicago, und nur diese stehen im Fließtext. Das Sterbejahr 1992 nennt von den hier herangezogenen Darstellungen allein die Wiki-Fassung; es steht deshalb nicht im Fließtext.
