DCS

DCS steht für Decompression Sickness und ist die international übliche Abkürzung für die Dekompressionskrankheit. Sie begegnet Tauchern überall dort, wo der deutsche Begriff zu lang oder die Umgebung englischsprachig ist – in Kursunterlagen, in Tauchcomputer-Menüs, in Fachartikeln und im Briefing an einer ausländischen Basis.

Dieser Eintrag behandelt die Begriffe und ihr Verhältnis zueinander. Das Krankheitsbild selbst – Entstehung, Symptome, Erstmaßnahmen, Behandlung – steht im Eintrag Dekompressionskrankheit.

DCS, AGE und DCI – drei Abkürzungen, die regelmäßig verwechselt werden

Die Verwirrung entsteht daraus, dass zwei der drei Begriffe nebeneinander stehen und der dritte über beiden. Die S2k-Leitlinie „Tauchunfall“ ordnet sie so:

Abkürzung Ausgeschrieben Bedeutung
DCS Decompression Sickness Dekompressionskrankheit: zuvor gelöstes Inertgas fällt beim Druckabfall als Blase aus
AGE Arterial Gas Embolism arterielle Gasembolie: eingeschlossenes Gas dehnt sich beim Aufstieg aus, Lungengewebe reißt, Gas tritt in die Arterien über
DCI Decompression Illness der Oberbegriff, der DCS und AGE zusammenfasst

Das deutsche Gegenstück zu DCI ist der Begriff Tauchunfall, den die Leitlinie definiert als potenziell lebensbedrohliches oder gesundheitsschädigendes Ereignis, hervorgerufen durch den Abfall des Umgebungsdrucks beim Tauchen.

Merkhilfe: DCI ist die Klammer, DCS und AGE sind der Inhalt. Wer „DCI“ schreibt, legt sich nicht fest, welcher der beiden Mechanismen vorliegt – und genau dafür ist der Begriff gedacht.

Warum die Unterscheidung im Notfall keine Rolle spielt

Das ist der praktisch wichtigste Punkt dieses Eintrags. DCS und AGE entstehen auf völlig verschiedenen Wegen, sind am Unfallort aber oft nicht auseinanderzuhalten – neurologische Ausfälle können von beiden kommen. Deshalb sind auch die Erstmaßnahmen identisch: Sauerstoff in höchstmöglicher Konzentration, flach lagern, keine Anstrengung, Notruf, Druckkammer.

Für den Helfer am Beckenrand heißt das: Die Frage „DCS oder AGE?“ muss nicht beantwortet werden. Sie wird ärztlich geklärt und ändert an dem, was jetzt zu tun ist, nichts.

Typ I und Typ II

Innerhalb der DCS ist die Einteilung in zwei Typen gebräuchlich: Typ I für Haut, Gelenke, Muskeln und Lymphsystem, Typ II für Nervensystem, Innenohr, Lunge und Kreislauf. Auch diese Unterscheidung ist eine Beschreibung des Bildes, keine Handlungsanweisung – ein Typ-I-Bild kann sich zu einem Typ-II-Bild entwickeln.

Ältere und umgangssprachliche Namen

  • Caisson-Krankheit. Der historische Name, entstanden bei Druckluftarbeitern in Senkkästen beim Brücken- und Tunnelbau im 19. Jahrhundert – lange bevor Sporttauchen existierte.
  • Bends. Englische Bezeichnung für die Gelenkform, im Deutschen als Lehnwort gebräuchlich.
  • Chokes. Englische Bezeichnung für die pulmonale Form mit Atemnot und Husten.
  • Taucherkrankheit. Umgangssprachlich, im deutschen Sprachraum verbreitet, in der Fachliteratur unüblich.

Prüfvorbehalt: Für die Hautform sind im Deutschen mehrere umgangssprachliche Ausdrücke im Umlauf; welcher davon wo gebräuchlich ist, wurde für diesen Eintrag nicht belegt. Fachlich üblich ist die Beschreibung als kutane Form beziehungsweise Cutis marmorata.

Wo die Abkürzung im Alltag begegnet

In den Menüs und Handbüchern der Tauchcomputer, in den Theorieteilen fast aller Ausbildungsorganisationen, in den Veröffentlichungen von DAN und in der englischsprachigen Fachliteratur. Wer eine Studie oder ein Herstellerdokument liest, wird durchgängig DCS und DCI finden, nicht die deutschen Begriffe.

Als Tauchlehrer halte ich es für sinnvoll, beide Sprachen zu kennen: Im Notruf in Deutschland ist das Stichwort Tauchunfall das richtige, im Briefing auf einem Liveaboard im Roten Meer wird von DCS die Rede sein.

Häufige Fragen zu DCS

Ist DCS dasselbe wie DCI?
Nein. DCI (Decompression Illness) ist der Oberbegriff und umfasst zwei Krankheitsbilder: DCS (Decompression Sickness, die Dekompressionskrankheit) und AGE (Arterial Gas Embolism, die arterielle Gasembolie). Die deutsche Entsprechung zu DCI ist der Begriff Tauchunfall. Die beiden Abkürzungen werden häufig gleichgesetzt, was sachlich falsch ist.
Welches Stichwort nenne ich beim Notruf?
In Deutschland „Tauchunfall“. Das ist der Begriff, unter dem die Rettungsleitstellen und die tauchmedizinischen Hotlines das Ereignis einordnen und die Druckkammersuche einleiten. Die Leitlinie „Tauchunfall“ führt eine Liste der Beratungs- und Notrufnummern; sie steht in der frei verfügbaren Kurzfassung. Diese Nummern gehören vor der Reise ins Telefon, nicht erst im Ernstfall gesucht.
Spoiler-Titel
Von den Senkkästen – französisch caissons –, in denen im 19. Jahrhundert unter Druckluft an Brückenfundamenten und Tunneln gearbeitet wurde. Die Arbeiter erkrankten nach dem Ausschleusen, lange bevor es Sporttauchen gab. Der Mechanismus ist derselbe: Druckabfall nach einem Aufenthalt unter erhöhtem Umgebungsdruck.
Sagt man „ein DCS
Beides ist im Umlauf. Wer sich am ausgeschriebenen deutschen Begriff orientiert – die Dekompressionskrankheit –, schreibt „eine DCS“. Im Fachdeutschen findet sich häufiger die geschlechtsneutrale Wendung „ein DCS-Fall“ oder schlicht „Verdacht auf DCS“, die die Frage umgeht.

Siehe auch: Dekompressionskrankheit · Barotrauma · Dekompression

Quellen und weiterführende Links

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