Tauchbasis

Tauchschule - Tauchlehrer mit Tauchschuelern
Tauchschule - Tauchlehrer mit Tauchschuelern

Eine Tauchbasis ist ein Betrieb, der Freizeittauchern Ausbildung, geführte Tauchgänge, Ausrüstungsverleih und Flaschenfüllungen anbietet. Der Name ist in Deutschland nicht geschützt; Tauchschule, Tauchzentrum und Dive Center meinen dasselbe. Was ein solcher Betrieb leisten muss, beschreibt dagegen sehr genau eine internationale Norm: ISO 24803.

Was ISO 24803 verlangt

Die Norm heißt in der heute gültigen zweiten Ausgabe von 2017 „Recreational diving services — Requirements for recreational diving providers“. Sie deckt nach ihrem eigenen Anwendungsbereich fünf Leistungen ab: Schnuppertauchen, Schnorchelausflüge, Aus- und Weiterbildung, organisierte und geführte Tauchgänge für brevetierte Taucher sowie den Verleih von Tauch- und Schnorchelausrüstung. Freitauchen ist ausdrücklich ausgenommen: „ISO 24803:2017 does not apply to freediving (also called ‚apnea diving‘).“

Inhaltlich sind vier Punkte für den Gast unmittelbar spürbar.

  • Information vor dem Vertrag. Der Anbieter muss über Voraussetzungen, benötigte Ausrüstung, Kosten, Versicherung, Umweltauflagen und die einschlägigen Rechtsvorschriften aufklären, ebenso über „the responsibilities of each party related to commencement, delivery and termination of the service“.
  • Gefährdungsbeurteilung vor jedem Wassergang. Wörtlich: „The service provider shall ensure that a risk assessment is conducted before each in-water activity and shall adopt procedures to ensure that all risks are controlled as far as is reasonably possible.“ Genannt sind Strömung, Tiefe, Sicht, Temperatur, Verschmutzung, Ein- und Ausstieg und gefährliche Tiere.
  • Sauerstoff am Platz. Das ist die konkreteste Zahl der ganzen Norm: An jedem Ort, an dem getaucht oder geschnorchelt wird, muss „an emergency oxygen unit with a capacity of delivering at least 15 l/min of pure oxygen for at least 20 min“ vorhanden sein, dazu ein Erste-Hilfe-Satz und ein Mittel, mit dem sich der Rettungsdienst alarmieren lässt.
  • Verleihausrüstung. Sie muss den einschlägigen Normen entsprechen und vor der Ausgabe in Augenschein genommen werden.

Für geführte Tauchgänge verlangt die Norm Briefing, Gefährdungsbeurteilung, Buddy-Einteilung, festgelegte Rahmenwerte und ein Notfallverfahren; der Gast muss mindestens die Fähigkeiten eines Tauchers der Stufe 1 nach ISO 24801-1 mitbringen. Über das Personal führt der Betrieb Unterlagen zu Ausbildung, Erfahrung und medizinischer Eignung.

Die Normreihe dahinter

ISO 24803 steht nicht allein, sondern in einer Reihe, die das Freizeittauchen von drei Seiten fasst:

Norm Gegenstand
ISO 24801-1 / -2 / -3 die Taucherstufen Supervised Diver, Autonomous Diver, Dive Leader
ISO 24802-1 / -2 die beiden Ausbilderstufen
ISO 24803 der Anbieter, also die Tauchbasis

Die Taucherstufen führt der Eintrag Open Water Diver aus, die Ausbilderseite Tauchlehrer. ISO 24803 verweist auf 24801 und 24802 als normative Grundlagen — die drei greifen ineinander.

Wer das prüft

Die Einhaltung lässt sich zertifizieren. Die European Underwater Federation betreibt dafür EUF Certification International und hat die Durchführung an die österreichische Zertifizierungsstelle Austrian Standards plus übertragen: „EUF Certification International conducts audits using AS+C expert inspectors to validate training organisations and dive service providers against relevant ISO standards.“ Die Zertifizierungsstelle selbst ist nach ISO/IEC 17065 akkreditiert.

Hier lohnt eine Unterscheidung, die in der Werbung oft verschwimmt. Die bekannten EUF-Zertifikate von PADI und SDI/TDI betreffen die Ausbildungsorganisation und ihre Kursprogramme nach ISO 24801 und 24802 — im PADI-Zertifikat ist etwa ISO 24801-2 dem Open Water Diver zugeordnet. Dass eine einzelne Basis nach ISO 24803 zertifiziert ist, ist etwas anderes und muss gesondert nachgewiesen werden.

Der World Recreational Scuba Training Council, 1999 gegründet und „dedicated to the worldwide safety of the recreational diving public“, setzt dagegen ausschließlich Mindestinhalte für Kurse. Seine zehn veröffentlichten Standards reichen vom Schnuppertauchen bis zum Instructor Trainer; einen Standard für Betriebsstätten hat er nicht.

Die Füllanlage und die Atemluft

Was die Flasche verlässt, regelt eine eigene Norm: EN 12021 „Atemgeräte – Druckgase für Atemschutzgeräte“, Ausgabe 2014. Sie gilt für Atemluft allgemein, nicht nur fürs Tauchen, und setzt die Grenzwerte, an denen sich jede Füllanlage messen lassen muss:

Bestandteil Grenzwert
Sauerstoff 21 ± 1 Vol.-%
Kohlenmonoxid höchstens 5 ml/m³ (5 ppm)
Kohlendioxid höchstens 500 ml/m³
Öl und Schmierstoffe höchstens 0,5 mg/m³
Wasser ab 200 bar weniger als 35 mg/m³

Dazu kommt die Anforderung, dass die Luft ohne auffälligen Geruch und Geschmack sein muss. Die Werte gehen bei einem Punkt auseinander: Der Atemschutz-Guide der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie setzt für Kohlenmonoxid 3 ml/m³ an statt 5 und begründet das mit dem gesenkten Arbeitsplatzgrenzwert. Die Norm selbst nennt 5.

Ein Zusammenhang, der häufig behauptet wird, besteht nicht: ISO 24803 verweist nicht auf EN 12021 und enthält keine eigenen Grenzwerte für die Atemluft. Beide Anforderungen stehen nebeneinander.

Dive Center, Dive Resort, Training Center

Die Verbände vergeben eigene Betriebsbezeichnungen, und sie meinen nicht dasselbe. PADI unterscheidet das Dive Resort, das „cater to vacationing scuba divers and snorkelers“ und vor allem Urlaubsgäste betreut, vom Dive Center, das daneben Einzelhandel, Verleih, Wartung und Füllungen betreibt und bis zum Divemaster ausbildet. Darüber liegen die Stufen Five Star Dive Center, Five Star IDC und Five Star Career Development Center, die zusätzlich Ausbilder ausbilden. SSI spricht in der eigenen Selbstbeschreibung dagegen durchgängig von „Training Centers“ und nennt deren Zahl mit über 4.000 in mehr als 150 Ländern.

Als Tauchlehrer rate ich, beim Auswählen einer Basis weniger auf die Zahl der Sterne zu sehen als auf drei nüchterne Dinge: Liegt der Sauerstoff griffbereit und ist die Flasche voll? Wie alt ist die Verleihausrüstung, und wird sie vor der Ausgabe angesehen? Und bekommt man vor dem Tauchgang ein Briefing, das Strömung, Tiefe, Umkehrdruck und Notfallablauf wirklich benennt? Diese drei Punkte sind genau die, die ISO 24803 verlangt — und sie lassen sich ohne Zertifikat in fünf Minuten selbst beurteilen.

Ist ‚Tauchbasis' ein geschützter Begriff?
Nein. Tauchbasis, Tauchschule und Tauchzentrum sind freie Bezeichnungen ohne normative oder verbandsrechtliche Definition. Verbindlich sind nur die Verbandsbezeichnungen wie PADI Dive Center oder SSI Training Center und die Zertifizierung nach ISO 24803.
Welchen Sauerstoff muss eine Basis vorhalten?
ISO 24803 verlangt eine Notfall-Sauerstoffeinheit, die mindestens 15 Liter reinen Sauerstoff pro Minute über mindestens 20 Minuten abgeben kann, dazu einen passenden Erste-Hilfe-Satz und ein Mittel zur Alarmierung des Rettungsdienstes — und zwar an jedem Ort, an dem getaucht oder geschnorchelt wird.
Woran erkenne ich gute Atemluft?
Maßstab ist EN 12021 mit höchstens 5 ml/m³ Kohlenmonoxid, höchstens 500 ml/m³ Kohlendioxid und höchstens 0,5 mg/m³ Öl. Auffälliger Geruch oder Ölgeschmack aus dem Atemregler ist ein Grund, die Füllung zu beanstanden und nicht zu tauchen.

Quellen

Zur Quellenlage: Der Volltext von ISO 24803 und von EN 12021 ist kostenpflichtig. Die zitierten Klauseln von ISO 24803 stammen aus einer Normkopie, die ein nationaler Branchenverband öffentlich bereitstellt, der Anwendungsbereich von der ISO-Seite selbst. Die Grenzwerte der EN 12021 stammen aus zwei übereinstimmenden deutschen Fachquellen, nicht aus dem Normtext. Für die Frage, ob und wie die deutschen Vorschriften zum gewerblichen Tauchen auf Sporttauchbasen durchschlagen, liegt keine eindeutige Fundstelle vor; der Text trifft dazu keine Aussage. Ob SSI formale Betriebsstufen vergibt, geht aus den öffentlich zugänglichen SSI-Seiten nicht hervor.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.