Trockenhandschuhe

Nahaufnahme eines Trockenhandschuhs, der ueber ein zweiteiliges Ringsystem an der Armmanschette eines Trockentauchanzugs sitzt, daneben ein Fleece-Unterziehhandschuh.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Trockenhandschuhe sind wasserdichte Außenhandschuhe, die an die Armmanschetten eines Trockentauchanzugs angeschlossen werden und die Hand trocken halten. Sie arbeiten nicht wie Neoprenteile mit einer erwärmten Wasserschicht, sondern mit einem Luftpolster und einem Unterziehhandschuh darin. Im kalten Wasser sind sie der wirksamste Handwärmeschutz — und derjenige mit dem größten Einfluss auf die Fingerfertigkeit.

Was unterscheidet sie vom Nasshandschuh?

Der gewöhnliche Tauchhandschuh besteht aus Neopren. DAN nennt für ihn eine Materialstärke von 0,5 mm für tropische Gewässer bis 7 mm für kaltes Wasser und hält fest, dass Dreifinger-Fäustlinge wärmer sind als Fünffingerhandschuhe, diese dafür mehr Beweglichkeit lassen.

Der Trockenhandschuh ist etwas anderes: nach DAN meist ein Teil aus PVC, das als „protective shell over textile or thin neoprene gloves“ über einem Unterziehhandschuh sitzt. Die Wärme kommt also aus der Isolationsschicht und der Luft darin, nicht aus dem Wasser. DANs Bewertung ist knapp: „Dry gloves are warmer than wet gloves.“

Warum der Handschuh mit dem Anzug verbunden sein muss

Das ist der Punkt, an dem das System steht oder fällt. Ein geschlossener, vom Trockentauchanzug getrennter Handschuh wäre beim Abstieg eine Druckfalle. DAN verlangt deshalb eine Verbindung — Gewebe, Stoff oder einen kleinen Schlauch —, damit „gas can travel freely between the glove and suit to prevent your hands from being squeezed while descending“. Dieselbe Verbindung verhindert beim Aufstieg das Gegenteil, nämlich „balloon gloves on the ascent“.

Praktisch heißt das: Der Handschuhinnenraum ist Teil des Anzugvolumens. Wer Luft in den Anzug gibt, gibt sie auch in die Handschuhe; wer über das Schulterventil ablässt, zieht sie auch dort wieder heraus. Das ist der Grund, warum sich das Tarieren mit Trockenhandschuhen anders anfühlt als ohne.

Wie Ringsysteme aufgebaut sind

Der Anschluss geschieht in der Regel über ein Ringsystem. Das Datenblatt von Northern Diver beschreibt den Lieferumfang eines solchen Systems: zwei Handschuhmodule, drei Dichtringe in unterschiedlichen Größen — der große rote „is used for thinner seals such as latex“, der graue für dickere Manschetten etwa aus Neopren, der blaue als Zwischengröße —, dazu ein eigenes Montagewerkzeug, Dichtkleber und Pinsel. Der Verschluss heißt dort „twin-safe locking ring mechanism“ und erlaubt, die Handschuhe ohne Hilfe schnell einzuhängen und wieder abzunehmen. Herausnehmbare Fleece-Unterziehhandschuhe gehören zum Satz.

Dass die Ringe nach Manschettenmaterial und -stärke ausgewählt werden, ist die eigentliche Montagearbeit. Ein Ring, der für eine Latexmanschette gedacht ist, passt auf eine Neoprenmanschette nicht gleich gut — und umgekehrt.

Was der Trockenhandschuh an Fingerfertigkeit kostet

Alles, was dicker und steifer ist, macht die Hände ungeschickter. DAN zählt auf, was darunter leidet: Handzeichen, Schreiben, das Bedienen der Ausrüstung — vom Aufblasen des Jackets über Taschen und Karabiner bis zu den Tasten des Tauchcomputers. Die Empfehlung lautet, in genau den Handschuhen zu trainieren, mit denen man tauchen will, und Fingerübungen schon an Land zu machen.

Auch die Passform entscheidet mit. Zu große Handschuhe lassen Wasser ein- und ausströmen, was den Wärmeschutz mindert; zu kleine „may restrict blood flow to your hands“ und untergraben ihn damit ebenfalls.

Aus der Ausbildung

Als Tauchlehrer sehe ich zwei Dinge regelmäßig. Erstens: Die ersten Tauchgänge mit Trockenhandschuhen sind Tauchgänge mit einem neuen Tarierverhalten, nicht einfach warme Tauchgänge — das Luftpolster in den Händen will mitgedacht werden. Zweitens: Wer den Handschuh unter Wasser nicht abstreifen und wieder aufsetzen kann, sollte wissen, was er bei einem Leck zu tun hat, bevor es eintritt. Beides lässt sich an einem Flachwassertag abarbeiten, und beides gehört dorthin und nicht in den ersten Tauchgang eines kalten Steinbruchs.

Der Wärmeschutz ist dabei nie nur eine Frage der Hände. Kopfhaube und Anzug tragen den größeren Teil, und die Grenze setzt am Ende die Unterkühlung, nicht das Kältegefühl in den Fingern.

Quellen

Zur Quellenlage: Für Trockenhandschuhe und ihre Anschlusssysteme gibt es keine Norm und keinen verbandsübergreifenden Standard. Das Druckausgleichsprinzip ist über DAN belegt; die Angaben zum Aufbau eines Ringsystems stammen aus einem Herstellerdatenblatt und geben die Bauweise eines Anbieters wieder, nicht die aller. Der SSI-Beitrag behandelt Trockenhandschuhe nicht eigens, sondern nur den Wärmeschutz der Hände allgemein.

Brauche ich für Trockenhandschuhe zwingend einen Trockenanzug?
Ja. Trockenhandschuhe werden nach DAN mit Trockenanzügen getragen und über Ringe oder Manschetten an den Anzug angeschlossen. Erst diese Verbindung sorgt dafür, dass Gas frei zwischen Handschuh und Anzug wandern kann — ohne sie fehlt der Druckausgleich, auf dem das System beruht.
Warum werden Trockenhandschuhe beim Abstieg nicht zusammengedrückt?
Weil sie eine Entlüftungsverbindung zum Anzug haben — Gewebe, Stoff oder einen kleinen Schlauch. DAN beschreibt deren Zweck zweiseitig: Beim Abstieg verhindert sie, dass die Hände gequetscht werden, beim Aufstieg, dass sich die Handschuhe aufblähen.
Sind Dreifinger-Fäustlinge wärmer als Fünffingerhandschuhe?
Nach DAN ja: Fäustlinge mit drei Fingern halten wärmer, Fünffingerhandschuhe lassen dafür mehr Beweglichkeit. Das ist derselbe Tausch, der bei der Materialstärke auftritt — mehr Wärme gegen weniger Gefühl in den Fingern.
Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.