Christian J. Lambertsen

Schwimmer mit rucksackartigem Kreislaufgeraet bewegt sich bei Nacht an der Wasseroberflaeche, das Wasser hinter ihm bleibt blasenfrei.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Christian J. Lambertsen (geboren im Mai 1917, gestorben 2011) war ein amerikanischer Arzt und Atemphysiologe. Als Medizinstudent entwickelte er ein geschlossenes Sauerstoff-Kreislaufgerät für militärische Kampfschwimmer, bildete im Zweiten Weltkrieg die ersten amerikanischen Einsatzschwimmer daran aus — und gab 1952 diesem Gerätetyp den Namen, der heute für das Gerätetauchen überhaupt steht: SCUBA.

Ein Prototyp aus den Semesterferien

Lambertsen studierte zunächst an der Rutgers University, dann an der University of Pennsylvania School of Medicine, wo er sich mit Atemphysiologie befasste. Nach der Darstellung der CIA entstand ein erster Prototyp während der Sommerferien an der Küste von New Jersey; erprobt wurde er später im Lake Erie und im Lake Nokomis. Die Patentanmeldung datiert nach der englischsprachigen Wikipedia vom 16. Dezember 1940, die Erteilung vom 2. Mai 1944.

Im Januar 1941 führte er das Gerät der Navy Experimental Diving Unit in Washington vor. Die Marine war nicht beeindruckt. Ein Jahr später zeigte er es im Schwimmbecken des Shoreham Hotels Vertretern des britischen Special Operations Executive und des amerikanischen Office of Strategic Services — und dort fiel die Entscheidung, die seine Laufbahn prägte.

Wie das LARU arbeitete

Das Gerät hieß Lambertsen Amphibious Respiratory Unit, kurz LARU. Es war nach der englischsprachigen Wikipedia ein Kreislaufgerät mit reinem Sauerstoff: Auf der rechten Seite des Rucksacks lag eine Hochdruck-Sauerstoffflasche, links der zylindrische Absorberkanister; zwei Atembeutel saßen an den Schultern, und eine Vollgesichtsmaske war über eine vierteilige Schlauchschleife angeschlossen.

Der militärische Zweck lag nicht in der Tiefe, sondern in der Unsichtbarkeit. Die Darstellung des US Army Special Operations Command hält beides fest: Das Gerät verlängerte die Verweildauer unter Wasser und ließ keine verräterischen Blasen an die Oberfläche. Genau darin liegt der bleibende Unterschied zum offenen System: Ein Atemregler gibt jeden Atemzug an das Wasser ab; ein Kreislaufgerät führt ihn zurück.

Die Operational Swimmer Group

Das OSS übertrug Lambertsen die Tauchausbildung seiner Maritime Unit. Nach der CIA-Darstellung unterrichtete er im Mai 1943 die erste Klasse der Operational Swimmer Group an der Naval Academy in Annapolis; im Juli 1944 folgte ein Training auf den Bahamas, im September 1944 die Operation Cincinnati in Guantánamo Bay. Ende 1944 begleitete er eine Gruppe nach Burma. Von 1944 bis 1946 diente er als Offizier im Army Medical Corps; 1945 löste Präsident Truman das OSS auf, und das Gerät wurde danach an Marine, Armee und Küstenwache abgegeben.

Das Wort SCUBA

1952 beschrieb Lambertsen seine Erfindung in einem Beitrag für die National Academy of Sciences als „Self-Contained Underwater Breathing Apparatus“ — SCUBA. Der Begriff löste sich rasch von dem Gerät, für das er geprägt worden war, und bezeichnet seither jedes Tauchgerät mit eigener Atemgasversorgung, zuerst in den Vereinigten Staaten.

Darin steckt eine Ironie, die man kennen sollte: Das Wort stammt vom Kreislaufgerät, die Sache, die es heute meint, kommt aus einer anderen Entwicklungslinie. Der moderne Lungenautomat geht nach derselben Darstellung auf Émile Gagnan und Jacques-Yves Cousteau zurück, deren Arbeit von 1943 mit Kreislaufgeräten nichts zu tun hatte. Wer heute „Scuba“ sagt, meint fast immer das offene System — benannt nach dem geschlossenen.

Was danach kam

Lambertsen blieb der Sache ein Leben lang verbunden. Nach der CIA-Darstellung wurde er 1946 als Major entlassen und kehrte an die University of Pennsylvania zurück, wo er später Professor für Pharmakologie wurde; 1947 bildete er in Norfolk Underwater-Demolition-Teams der Navy aus. Es folgten das Panel on Medical Sciences im Büro des Assistant Secretary of Defense (1954 bis 1961), der Vorsitz des Life Sciences Advisory Board bei McDonnell-Douglas (1960 bis 1967) und das Space Board unter den Präsidenten Johnson und Nixon (1967 bis 1970). In den neunziger Jahren gehörte er dem Oceanographic Advisory Committee der Navy an, von 1998 bis 2000 leitete er einen NASA-Beratungsausschuss zur Planung des Dekompressionsrisikos auf der Internationalen Raumstation. 1995 wurden große Teile seiner Kriegsforschung freigegeben.

Die Darstellung des US Army Special Operations Command nennt darüber hinaus die Gründung und Leitung des Institute for Environmental Medicine an der University of Pennsylvania sowie die Zusammenarbeit mit NOAA und NASA. An Ehrungen stehen dort und bei der CIA die Benennung eines Innovationspreises des United States Special Operations Command nach ihm, die Ehrung als „Father of US Combat Swimming“ durch die Navy SEALs im Jahr 2000, der OSS Distinguished Service Award von 2009 und das 2022 posthum verliehene Special Forces Tab für seinen Dienst beim OSS.

Warum er für Sporttaucher zählt

Zwei Dinge sind geblieben, und beide sind größer als die Person. Das eine ist das Wort, mit dem die halbe Welt das Hobby bezeichnet. Das andere ist die Bauart: Das Kreislaufgerät, an dem Lambertsen gearbeitet hat, ist heute im technischen Tauchen ein geläufiges Werkzeug — aus genau den Gründen, aus denen das Militär es wollte, nämlich der langen Standzeit und der Blasenfreiheit. Dass daneben die Atemphysiologie seine eigentliche Lebensarbeit war, bis hin zur Dekompressionsplanung für die Raumfahrt, zeigt, wie nah das Tauchen und die Druckphysiologie beieinanderliegen.

Quellen

  • CIA: „Christian Lambertsen and the Secret Story Behind Scuba“ — Geburtsmonat Mai 1917 und Sterbejahr 2011, Studium an Rutgers und an der University of Pennsylvania, Prototyp und Erprobungen, Vorführung vor der Navy Experimental Diving Unit im Januar 1941 und vor SOE und OSS ein Jahr später, erste OSG-Klasse im Mai 1943, Bahamas und Guantánamo 1944, Dienst 1944 bis 1946, Prägung des Begriffs SCUBA 1952, die späteren Gremien und Ehrungen.
  • US Army Special Operations Command: Dr. Christian J. Lambertsen — längere Verweildauer und Blasenfreiheit als Zweck des Geräts, Zuteilung zur OSS Maritime Unit, Burma, Institute for Environmental Medicine, Zusammenarbeit mit NOAA und NASA, Innovationspreis des USSOCOM, Special Forces Tab 2022.
  • Wikipedia: Lambertsen Amphibious Respiratory Unit — Aufbau des Geräts mit Sauerstoffflasche, Absorberkanister, zwei Atembeuteln und Vollgesichtsmaske, Patentanmeldung vom 16. Dezember 1940 und Erteilung vom 2. Mai 1944, Umbenennung in SCUBA 1952, Hinweis auf Gagnan und Cousteau 1943. Wiki-Quelle.

Zur Quellenlage: Ein genaues Geburts- und Sterbedatum nennt keine der drei Darstellungen; die CIA gibt den Geburtsmonat Mai 1917 und das Sterbejahr 2011 mit einem Alter von 93 Jahren an. In der Quellenliste des Wikipedia-Artikels stehen daneben zwei Pressemeldungen mit unterschiedlichen Altersangaben — welche zutrifft, ist aus den herangezogenen Darstellungen nicht zu entscheiden. Die Angaben der CIA und des US Army Special Operations Command gehen auf dieselbe militärhistorische Überlieferung zurück; eine davon unabhängige wissenschaftshistorische Arbeit liegt dieser Fassung nicht zugrunde. Zum Abschlussjahr des Medizinstudiums machen die beiden Darstellungen unterschiedliche Angaben, weshalb hier keine Jahreszahl dafür steht.

Hat Lambertsen das Tauchgerät erfunden?
Nicht das Gerät, das heute gemeint ist. Er entwickelte ein geschlossenes Sauerstoff-Kreislaufgerät, das LARU, und prägte 1952 dafür den Begriff SCUBA. Der moderne Lungenautomat des offenen Systems geht nach der englischsprachigen Wikipedia auf Émile Gagnan und Jacques-Yves Cousteau und deren Arbeit von 1943 zurück und hat mit Kreislaufgeräten nichts zu tun. Das Wort stammt also aus der einen Linie, die Sache, die es heute bezeichnet, aus der anderen.
Warum wollte das Militär ein Kreislaufgerät statt Pressluft?
Wegen der Blasen und der Standzeit. Die Darstellung des US Army Special Operations Command nennt genau diese beiden Vorzüge: Das Gerät verlängerte die Verweildauer unter Wasser und ließ keine verräterischen Blasen an die Oberfläche. Für einen Schwimmer, der sich einem Schiff oder einem Strand nähern soll, ist die aufsteigende Blasenfahne eines offenen Systems das Gegenteil dessen, was er braucht.
Wofür steht die Abkürzung SCUBA?
Für „Self-Contained Underwater Breathing Apparatus“ — Tauchgerät mit eigener, vom Taucher mitgeführter Atemgasversorgung. Lambertsen verwendete die Beschreibung nach der CIA-Darstellung 1952 in einem Beitrag für die National Academy of Sciences. Das Merkmal, das die Abkürzung benennt, ist die Unabhängigkeit von einer Versorgung durch die Oberfläche, nicht die Bauart des Geräts.
Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.