Vollgesichtsmaske

Tauch-Vollgesichtsmaske mit grossem Sichtfenster, Innenmaske, integrierter zweiter Stufe und fuenfarmiger Kopfspinne auf einer grauen Werkbank.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Eine Vollgesichtsmaske ist eine Tauchmaske, die Augen, Nase und Mund gemeinsam unter einem Sichtfenster einschließt und die zweite Stufe des Atemreglers fest in den Maskenkörper integriert. Der Taucher hält kein Mundstück mehr zwischen den Zähnen, sondern atmet durch Nase oder Mund in einen geschlossenen Luftraum. In den Regeln für Hilfeleistungsunternehmen ist sie der Regelfall, im Sporttauchen die Ausnahme.

Wie sie aufgebaut ist

Der Maskenkörper besteht bei der Divator von Interspiro aus Naturkautschuk oder Silikon, die Sichtscheibe aus Polycarbonat. Ein breiter, weicher Dichtrand folgt den Gesichtskonturen von der Stirn über die Wangen bis unter das Kinn. Gehalten wird die Maske von einer Bänderung aus Gummi mit fünf Bändern und Edelstahlschnallen; der VDST-Beitrag zur Vollmaske nennt dieselbe Bauform „5-Punkt Maskenspinne“. Interspiro gibt für dieses Modell 230 × 160 × 110 Millimeter und 0,8 Kilogramm an.

Die zweite Stufe sitzt nicht am Schlauch, sondern an der Maske. Bei der Divator verbindet ein Bajonettverschluss beide Teile. Damit entfällt der Unterschied, der sonst zwischen Atemregler und Lungenautomat die Handhabung bestimmt: Was der Taucher im Mund hat, ist nicht mehr ein Mundstück, sondern die gesamte Maske.

Innenmaske, Totraum und Auftrieb

Unter dem großen Sichtfenster sitzt eine kleinere Innenmaske über Nase und Mund. Interspiro beschreibt ihren Zweck ausdrücklich: Sie hält den Totraum und damit die Rückatmung von Kohlendioxid klein. Das ist kein Nebenaspekt: Je größer der Totraum, desto mehr ausgeatmetes Kohlendioxid kommt mit dem nächsten Atemzug zurück — der Mechanismus, an dessen Ende die Hyperkapnie steht. Roland Zbinden führt auf dekostop.ch ein kleines Innenvolumen aus demselben Grund als erstes Kaufkriterium.

Dieselbe eingeschlossene Luft wirkt auch auf die Tarierung. Interspiro nennt als Vorzug der volumenarmen Sichtscheibe, dass sie den Auftrieb verringert, den die Luft in der Maske erzeugt. Eine Vollgesichtsmaske ist damit ein Ausrüstungsteil, das die Tarierung mitbestimmt.

Überdruck und kaltes Wasser

Den Automaten gibt es bei Interspiro in einer Normaldruck- und einer Überdruckausführung. Die Überdruckausführung hält den Maskeninnendruck über dem Umgebungsdruck und verringert so die Gefahr, dass Wasser eindringt; der Hersteller hebt das besonders für kontaminiertes Wasser hervor. Ein Rückschlagventil im Einatemkanal hält Wasser aus dem Automaten fern, wo es gefrieren und das Ventil offen blockieren könnte. Eingedrungenes Wasser wird über den Spülknopf ausgeblasen.

Der VDST-Beitrag ordnet die Vereisungsgefahr allerdings anders zu: Probleme seien eher an der ersten Stufe zu erwarten als an der Maske. Bei Minusgraden könne die Maske beschlagen; der Beschlag verschwinde nach einigen Atemzügen wieder, bleibe er bestehen, gehöre die Innenmaske kontrolliert.

Wo sie vorgeschrieben ist

Die DGUV-Regel zum Tauchen mit Leichttauchgeräten in Hilfeleistungsunternehmen führt als Mindestausrüstung ein „autonomes Leichttauchgerät mit Vollmaske oder unter besonderen Bedingungen auch Mundstückgarnitur mit separater Tauchmaske“ auf und formuliert in Abschnitt 5.7.5: „Grundsätzlich sollten Vollmasken verwendet werden.“ Die Mundstückgarnitur bleibt die Ausnahme und „kann verwendet werden, wenn die Wasserverhältnisse eine gesundheitliche Gefährdung nicht befürchten lassen“.

Der Grund steht im selben Abschnitt: „In Gewässern mit besonderen Gefahren und Erschwernissen darf nur mit einer betriebsbereiten Sprecheinrichtung getaucht werden.“ Für das Tauchen unter Eis verlangt die Regel „grundsätzlich eine Sprechverbindung zum Taucher bzw. zur Taucherin“. Die Sprechverbindung ersetzt dort sogar die Leinenzugzeichen — bis auf das Notzeichen; bei drahtlosen Verbindungen bleibt die Signalleine erforderlich. Eine Maske, die Nase und Mund einschließt, ist die bauliche Voraussetzung dafür, dass der Taucher sprechen kann.

Für die Maske selbst benennt die Regel keine eigene Norm. Sie verweist für Leichttauchgeräte auf DIN EN 250, DIN EN 15333 und DIN EN 13949; Interspiro führt für die Divator die EN 250 einschließlich des Abschnitts zum Verhalten in kaltem Wasser an.

Was dem Sporttaucher bleibt

Der VDST nennt als Vorzüge, dass die Atemluft durch die Nasenatmung angefeuchtet und erwärmt wird, dass der Kiefer entspannt bleibt und der Druckausgleich deshalb oft leichter fällt, und dass der Verlust des Atemreglers entfällt. Zbinden führt zusätzlich die geringere Gesichtsauskühlung und den Schutz vor kontaminiertem Wasser an. Beide heben denselben Punkt hervor, der die Maske in der Tauchmedizin interessant macht: Der geschlossene Luftraum schützt den Atemweg, wenn der Taucher das Bewusstsein verliert — etwa bei einem Krampfanfall infolge von Hyperoxie.

Dem steht als Nachteil ein eingeschränktes Sichtfeld gegenüber, das Zbinden ausdrücklich für die Kirby-Morgan-Bauform nennt.

Was geübt werden muss

Eine Vollgesichtsmaske nimmt dem Taucher eine Fertigkeit ab und gibt ihm dafür eine andere auf. Ablegen, Wiederaufsetzen und Ausblasen stehen in der DGUV-Regel ausdrücklich als Ausbildungsinhalt, und der VDST bietet seit dem Sommer 2024 einen eigenen Spezialkurs an, in dem genau das trainiert wird — dazu der Wechsel auf das Backup-System.

Dieses Backup ist der Kern der Sache. Der VDST-Beitrag empfiehlt, zusätzlich zur Vollmaske einen herkömmlichen Backup-Atemregler und eine Backup-Tauchmaske mitzuführen. Zbinden löst dasselbe Problem anders und zählt ein herausnehmbares Mundstück in der Maske zu den Kaufkriterien, weil es Bailout, Gaswechsel und Atempausen ohne Maskenwechsel erlaubt. Eine Schnellkupplung am Schlauch kann nach dem VDST-Beitrag unter Wasser an- und abgekoppelt werden und sogar den Partner versorgen, ohne dass dieser die Maske abnimmt. Vor jedem Tauchgang gehört nach der DGUV-Regel die Dichtheit geprüft — Vollmaske, Schlauchverbindungen und Anschlüsse, augenscheinlich auf Wassereintritt und Luftaustritt.

Als Tauchlehrer sehe ich den entscheidenden Unterschied nicht in der Maske, sondern im Kopf: Wer gelernt hat, bei einem Problem das Mundstück zu halten, muss mit der Vollmaske das Gegenteil trainieren — erst auf das Backup wechseln, dann das Problem lösen. Diese Reihenfolge sitzt nicht nach einem Kurstag. Sie gehört ins Hallenbad, danach freischwebend, und sie gehört aufgefrischt.

Kann ich mit einer Vollgesichtsmaske unter Wasser sprechen?
Nicht ohne zusätzliche Technik. Die Maske schafft nur die Voraussetzung, weil Nase und Mund im Luftraum liegen. Die Übertragung übernimmt eine Sprecheinrichtung — kabelgebunden über die Signalleine oder, wie der VDST-Beitrag beschreibt, per Ultraschall zum Partner und zur Oberfläche. Die DGUV-Regel verlangt für Gewässer mit besonderen Gefahren und für das Tauchen unter Eis eine betriebsbereite Sprechverbindung.
Brauche ich trotzdem einen zweiten Atemregler?
Ja. Der VDST-Beitrag empfiehlt zusätzlich zur Vollmaske einen herkömmlichen Backup-Atemregler und eine Backup-Halbmaske; der Wechsel darauf gilt nach solidem Training als Routine. Die Alternative ist ein herausnehmbares Mundstück in der Maske selbst, das Roland Zbinden zu den Kaufkriterien zählt, weil es Bailout und Gaswechsel ohne Maskenwechsel erlaubt.
Ändert die Vollgesichtsmaske meine Bleimenge?
Sie kann es. Interspiro nennt als Vorzug der volumenarmen Sichtscheibe ausdrücklich, dass sie den Auftrieb verringert, den die in der Maske eingeschlossene Luft erzeugt — ein größeres Maskenvolumen wirkt entsprechend in die andere Richtung. Die Bleimenge gehört nach dem Wechsel deshalb neu eingetariert.

Quellen

  • DGUV Regel 105-002: Tauchen mit Leichttauchgeräten in Hilfeleistungsunternehmen (Mai 2025) — Mindestausrüstung (5.6.1), Vorrang der Vollmaske und Sprecheinrichtung (5.7.5), Eistauchen (5.7.7), Leinenzugzeichen (5.9.3), Dichtheitsprüfung (6.1), Ausbildungsinhalte (Anhang 3). Die Regel gilt für Hilfeleistungsunternehmen, nicht für das Sporttauchen.
  • Interspiro: Divator-Vollgesichtsmaske, Produktblatt — Materialien, Maße, Innenmaske und Totraum, Auftrieb der Sichtscheibe, Bajonettverbindung, Rückschlagventil, Überdruckausführung, EN 250. Herstellerquelle zu einem einzelnen Modell; die Angaben sind nicht ohne Weiteres auf andere Bauarten übertragbar.
  • VDST sporttaucher: „Voll im Bild“ (2024) — Fünf-Punkt-Maskenspinne, Nasenatmung und Druckausgleich, Backup-Atemregler und Backup-Halbmaske, Schnellkupplung, Beschlagen bei Minusgraden, Spezialkurs Vollmaske. Der Beitrag schreibt den Namen des befragten Trainers an zwei Stellen unterschiedlich.
  • dekostop.ch: Vollgesichtsmaske (VGM / FFM) — Kaufkriterien, Innenvolumen und Kohlendioxid, herausnehmbares Mundstück, Schutz des Atemwegs bei Bewusstlosigkeit, eingeschränktes Sichtfeld. Praktikerquelle eines Tauchlehrers; für den Schutz des Atemwegs bei Bewusstlosigkeit liegt dieser Darstellung keine Studie zugrunde.

Eine eigene europäische Norm, die ausschließlich die Tauch-Vollgesichtsmaske zum Gegenstand hätte, nennt keine der hier herangezogenen Quellen; die DGUV-Regel führt Normen für das Leichttauchgerät, nicht für die Maske. Ein Vergleich der Verbandsstandards von CMAS, SSI, PADI und TDI zur Vollgesichtsmaske liegt dieser Darstellung ebenfalls nicht zugrunde.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.