Albert A. Bühlmann

Schematisches Tauchprofil: Abstieg auf 40 Meter, Grundzeit, danach Aufstieg mit Zwischenstopps auf 12, 9, 6 und 3 Metern Tiefe, wobei die flacheren Stufen länger dauern.
Schematisches Aufstiegsprofil — Tiefe und Dauer der Stufen gibt der Tauchcomputer oder die Dekompressionstabelle vor.

Albert A. Bühlmann (1923–1994) war ein Schweizer Arzt und Physiologe, dessen Dekompressionsmodell die Bezeichnung ZH-L trägt und in Tauchcomputern bis heute rechnet. Er leitete die Forschung zur Überdruckphysiologie am Universitätsspital Zürich, begleitete Hannes Kellers Tieftauchversuche und veröffentlichte 1983 das Standardwerk, aus dem die verbreiteten Koeffizientensätze stammen.

Werdegang

Bühlmann studierte an der Universität Zürich und arbeitete zur Pathophysiologie von Atmung und Kreislauf. Nach Darstellung des CMAS-Fact-Sheets schuf er 1960 mit Unterstützung der französischen und der US-amerikanischen Marine das Labor für Überdruckphysiologie am Universitätsspital Zürich. Sein Forschungsgebiet umfasste die Atemphysiologie sowohl in Höhenlagen als auch unter Überdruck — zwei Bedingungen, die derselbe Umgebungsdruck-Zusammenhang verbindet.

Die Zusammenarbeit mit Hannes Keller

Ab 1959 arbeitete Bühlmann mit dem Schweizer Mathematiker und Taucher Hannes Keller zusammen; er schlug die geeigneten Atemgase vor, mit denen Keller in Tiefen vorstieß, die bis dahin als unerreichbar galten. Der bekannteste dieser Versuche führte vor die kalifornische Insel Santa Catalina und erreichte 305 Meter — nach Angabe der englischen Wikipedia 1000 Fuß im Jahr 1962, nach Darstellung des Vereins Historisches Druckkammerlabor am Universitätsspital Zürich im Jahr 1961. Diese Tieftauchversuche weckten, wie der Verein festhält, das Interesse verschiedener Industriezweige an der Arbeit von Menschen unter Wasser.

Höhenversuche

Bühlmanns Arbeiten erstreckten sich ausdrücklich auf das Tauchen über dem Meeresspiegel. Die englische Wikipedia nennt Versuche mit Schweizer Militärtauchern am Silvaplanasee auf 1800 Metern und eine Expedition zum Titicacasee auf 3800 Metern im Jahr 1987. Für ein Rechenmodell, das mit dem absoluten Umgebungsdruck arbeitet, ist der Bergsee keine Sonderanwendung, sondern die Probe darauf, ob die Bezugsgröße richtig gewählt ist.

Das Werk von 1983

Dekompression – Dekompressionskrankheit erschien 1983 bei Springer in erster Auflage; die englische Übersetzung folgte ein Jahr später. Die englische Wikipedia nennt zwei Folgebände in den Jahren 1992 und 1995. Fortgeführt wurde das Werk unter dem Titel Tauchmedizin von Bühlmann gemeinsam mit Ernst B. Völlm und Peter Nussberger; die fünfte Auflage erschien 2002 bei Springer, also nach Bühlmanns Tod.

Was ZH-L bedeutet — und woran sich die Quellen scheiden

Über den Buchstaben ZH sind sich die Quellen einig: Er steht für Zürich. Beim L gehen sie auseinander. Das CMAS-Fact-Sheet löst die Notation als ZH für Zürich, L für linear auf, die Zahl als Anzahl der Koeffizientenpaare a und b, die angehängten Buchstaben A, B und C als Versionen. Die englische Wikipedia liest dieselbe Abkürzung als Zürich (ZH), limits (L) und die Zahl der Gewebekompartimente beziehungsweise M-Wert-Sätze. Beide Lesarten sind in der Literatur verbreitet; dieser Eintrag stellt sie nebeneinander, statt eine davon zur richtigen zu erklären.

Praktisch folgenlos ist der Streit ohnehin: Gemeint ist in beiden Fällen dasselbe Modell mit sechzehn Rechengrößen. Die Version C wurde nach Darstellung des CMAS-Fact-Sheets für Tauchcomputer entwickelt — sie ist der Grund, weshalb Bühlmanns Name heute im Menü handelsüblicher Geräte auftaucht.

Warum er im Lexikon steht

Kaum ein anderer Name der Tauchmedizin begleitet den Sporttaucher so unauffällig durch jeden Tauchgang. Die Nullzeit auf dem Display, die Stufen, die ein Computer bei überzogener Grundzeit fordert, die Auswahl zwischen konservativeren und weniger konservativen Einstellungen — all das geht auf ein Modell zurück, das in einem Zürcher Klinikkeller entstanden ist und dessen Koeffizienten veröffentlicht wurden, statt Betriebsgeheimnis zu bleiben. Genau diese Offenlegung ist der Grund für seine Verbreitung.

Rechnet mein Tauchcomputer nach Bühlmann?
Viele Geräte tun es, aber nicht alle. Neben den ZH-L-Varianten sind Modelle im Umlauf, die auf anderen Ansätzen aufbauen. Welches Rechenverfahren ein bestimmtes Gerät verwendet, steht in seiner Anleitung; die Herstellerangabe ist hier die einzige verlässliche Auskunft.
Was unterscheidet die Versionen A, B und C?
Es sind unterschiedliche Sätze von Koeffizienten für dasselbe Modell. Das CMAS-Fact-Sheet ordnet die Unterschiede den Jahren 1983 bis 1986 zu und hält fest, dass Version C für den Einsatz in Tauchcomputern entwickelt wurde. Die Einzelheiten stehen im Lexikoneintrag zu ZH-L16.
War Bühlmann selbst Taucher?
Dazu ist in den für diesen Eintrag herangezogenen Quellen keine Angabe enthalten. Belegt ist seine Rolle als Arzt und Physiologe, der die Gasgemische und Dekompressionsverfahren für die Versuche anderer berechnete und begleitete.

Quellen

Zur Quellenlage: Das Jahr des Rekordtauchgangs vor Santa Catalina wird in den beiden hier genannten Quellen unterschiedlich angegeben (1962 gegenüber 1961); der Eintrag nennt deshalb beide. Die Lebensdaten stehen nur in der englischen Wikipedia, deren Infobox beim Sterbedatum von ihrem eigenen Fließtext abweicht — dieser Eintrag beschränkt sich daher auf die Jahreszahlen 1923 und 1994. Eine schweizerische Primärquelle mit Lebensdaten liegt nicht vor. Die Auflösung der Notation ZH-L ist in zwei verbreiteten Lesarten dokumentiert, die hier beide wiedergegeben sind.

Weiter im Lexikon: ZH-L16 · Bühlmann-Algorithmus · M-Wert · Halbwertszeit · Kompartiment · Dekompressionstabelle

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.