Mitteldruck

Erste Stufe eines Tauchatemreglers mit eingeschraubtem Pruefmanometer an einem Niederdruckabgang.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Der Mitteldruck ist der Druck, auf den die erste Stufe eines Atemreglers den Flaschendruck absenkt und mit dem sie die zweite Stufe, den Inflator und die übrigen Niederdruckverbraucher versorgt. Er ist kein fester Druck, sondern ein Überdruck: Die erste Stufe hält ihn um einen gleichbleibenden Betrag über dem Umgebungsdruck — und genau diese Kopplung macht ihn für den Taucher wichtig.

Warum der Mitteldruck ein Relativdruck ist

Die zweite Stufe gibt Atemgas auf Umgebungsdruck ab. Damit sie das kann, muss auf ihrer Zuleitung immer derselbe Unterschied zum Wasser ringsum anliegen — sonst wird das Atmen in der Tiefe schwer und an der Oberfläche unkontrolliert. Deshalb geben alle herangezogenen Darstellungen den Mitteldruck nicht als absoluten Wert an, sondern als Betrag über dem Umgebungsdruck: DiverTown schreibt ausdrücklich „above ambient pressure“, die deutschsprachige Wikipedia „über dem Umgebungsdruck“.

Der Mitteldruck ist damit ein Relativdruck im Sinne des Eintrags Überdruck. In vierzig Metern steht die erste Stufe auf einem deutlich höheren Absolutdruck als an der Oberfläche; der für die zweite Stufe nutzbare Unterschied bleibt derselbe. Zwischen Flaschendruck und Mitteldruck liegt dagegen der weitaus größere Sprung: Aus 200 bis 300 bar wird ein einstelliger bis knapp zweistelliger Wert.

Welche Werte genannt werden — und warum sie auseinandergehen

Eine verbindliche Zahl gibt es nicht; jeder Hersteller legt den Sollwert seiner Baureihe selbst fest. Die Spannen der zugänglichen Darstellungen decken sich nur teilweise:

  • Scubapro nennt im eigenen Serviceleitfaden „approximately 125-145psi (8.6-10bar)“.
  • DiverTown gibt im selben Text zwei verschiedene Spannen an — „8 to 10 bar (116 to 145 psi) above ambient pressure“ und als engeren Standardbereich „between 9 and 10 bar“.
  • Die deutschsprachige Wikipedia führt eine deutlich weitere Spanne von „rund 4 bis 12 bar (abhängig vom Hersteller) über dem Umgebungsdruck“ und nennt „etwa 8 bar“ als typisch.
  • Eine deutsche Praktikerdarstellung aus dem Reglerservice nennt „9 – 11,5 bar“.

Die Untergrenzen reichen damit von 4 bis 9 bar, die Obergrenzen von 10 bis 12 bar. Gemeinsam ist allen Darstellungen nur der Kernbereich um 9 bis 10 bar. Für den einzelnen Regler zählt deshalb nicht die Literaturspanne, sondern der Sollwert, den der Hersteller für dieses Modell angibt — und die Frage, ob der gemessene Wert stabil bleibt.

Was ein falscher Mitteldruck anrichtet

Ein zu hoher Mitteldruck drückt die zweite Stufe gegen ihren eigenen Sitz auf: Der Automat bläst ab, zunächst nur als leises Perlen, später als Freiflow. Dieselbe Praktikerdarstellung ordnet einem zu hoch eingestellten Mitteldruck außerdem Vereisungsreklamationen zu, neben Feuchtigkeit in der ersten Stufe.

Ein zu niedriger Mitteldruck fällt umgekehrt auf: Der Inflator füllt das Tarierjacket träge, und der Atemwiderstand steigt, besonders bei hohem Durchfluss. DiverTown nennt beide Richtungen in einem Satz — frei abblasende Automaten und langsames Füllen von Jacket oder Trockenanzug seien Anzeichen dafür, dass der Mitteldruck „too high or too low“ sei.

Wie er gemessen wird

Gemessen wird mit einem kleinen Prüfmanometer, das in einen freien Niederdruckabgang der ersten Stufe geschraubt wird. Scubapro verlangt von seinen Technikern, vor dem Zerlegen „the pre-service intermediate pressure of the first stage“ festzuhalten — der Wert vor dem Service ist der aussagekräftigste, weil er den Zustand nach der Saison zeigt.

Die deutsche Praktikerdarstellung beschreibt denselben Schritt im Fachbetrieb und hängt eine Dichtheitskontrolle an: Der Regler bleibt mindestens dreißig Minuten unter Druck, danach wird das Flaschenventil geschlossen und am Finimeter beobachtet, ob der Druck steht. Auffällige Druckverluste ohne hörbares Abblasen führen zur Blasenprobe im Wasserbecken.

Wie oft ein Regler in den Service muss

Auch hier gehen die Angaben auseinander, und zwar innerhalb derselben Quelle. Scubapro empfiehlt ausdrücklich „its regulators be serviced by a trained technician every 24 months or 100 dives“, spricht an anderer Stelle desselben Textes aber von einem jährlichen Service. Die deutsche Praktikerdarstellung hält fest, dass für Atemregler keine verbindlichen Intervalle vorgeschrieben seien, Dichtungen, Ventile, Sinterfilter und Federn aber spätestens nach zwei Jahren ersetzt werden sollten.

Als Tauchlehrer rate ich zu einem eigenen Mitteldruckmanometer in der Kiste. Es kostet wenig, und es beantwortet die Frage, die sich am Steg sonst nicht beantworten lässt: Bläst der Automat ab, weil er zu fein eingestellt ist, oder weil die erste Stufe nicht mehr hält? Wer den Wert einmal im Jahr notiert, sieht die Verschlechterung, bevor sie im Wasser auffällt.

Ändert sich der Mitteldruck mit der Tiefe?
Der absolute Druck in der Niederdruckleitung steigt mit der Tiefe, der Mitteldruck als Betrag über dem Umgebungsdruck bleibt gleich. Genau so geben ihn die Darstellungen an: als Wert „über dem Umgebungsdruck“. Ein an Land gemessener Wert von zehn bar bedeutet also zehn bar über dem Luftdruck, nicht zehn bar absolut.
Warum nennen die Hersteller verschiedene Werte?
Weil der Sollwert zur Konstruktion der zugehörigen zweiten Stufe gehört. Der Mitteldruck muss hoch genug sein, um den Automaten bei hohem Durchfluss zu versorgen, und niedrig genug, dass dessen Ventil geschlossen bleibt. Beides hängt von Federn, Sitzen und Hebelverhältnissen des jeweiligen Modells ab. Maßgeblich ist deshalb die Herstellerangabe für genau diese Baureihe.
Kann ich den Mitteldruck selbst einstellen?
Messen und einstellen sind zweierlei. Das Messen mit einem Prüfmanometer ist unkritisch und verlangt kein Werkzeug am Regler. Das Einstellen greift in den Hochdruckteil ein; Scubapro verweist dafür durchgehend auf den geschulten Techniker. Wer einen auffälligen Wert misst, hat damit den Befund — die Korrektur gehört in den Fachbetrieb.

Quellen

Zur Quellenlage: Für den Mitteldruck liegt keine Verbands- oder Normfundstelle vor; die Werte stammen aus einer Herstellerquelle, zwei Fachportalen und einem Wiki, deren Spannen auseinandergehen. Der Normtext EN 250 liegt dieser Darstellung nicht zugrunde. Die Angaben von unterwasserwelt.de sind eine Praktikerquelle aus dem Reglerservice, die von DiverTown ist in sich nicht widerspruchsfrei. Der Zusammenhang zwischen zu hohem Mitteldruck und abblasender zweiter Stufe wird von keiner der genannten Quellen ausdrücklich hergestellt; er folgt aus der Funktionsbeschreibung beider Stufen.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.