Skullen

Waagerecht schwebender Taucher bewegt die schräg gestellten Flossenblätter in einer flachen, schaufelnden Seitwärtsbewegung, die Hände bleiben ruhig.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Skullen bezeichnet im Tauchsport eine schaufelnde Hin- und Herbewegung der schräg gestellten Flossenblätter, mit der ein Taucher die Tiefe hält oder langsam ändert, ohne sich dabei vorwärts zu bewegen. Der Name ist aus dem Rudern und dem Synchronschwimmen entlehnt. Wer die Technik beherrscht, braucht für kleine Höhenkorrekturen weder den Inflator noch den Oberkörper.

Wie die Bewegung abläuft

Alert Diver beschreibt den Ablauf in der Darstellung zur effizienten Schwimmtechnik: Die Beine sind leicht gestreckt, die Flossen bewegen sich in einer horizontalen Schaufelbewegung. Je nachdem, wie die Blätter dabei angestellt werden, entsteht Wasserdruck über oder unter der Flosse — und damit eine Kraft nach unten oder nach oben. Nach dieser Darstellung lässt sich damit auf- und abwärts schwimmen, „ohne Ihren BCD oder Oberkörper zu verwenden“.

Entscheidend ist der Winkel, nicht die Kraft. Das Blatt arbeitet wie eine Schaufel, die bei jedem Richtungswechsel umgestellt wird; der Vortrieb der beiden Halbbewegungen hebt sich dabei auf, der Auftriebsanteil nicht. Das ist der Grund, warum die Technik als eine der kombinierten Techniken geführt wird: Sie steht neben den Flossenschlägen, nicht an ihrer Stelle.

Die Quellen benutzen das Wort verschieden

Wer „Skullen“ oder „Sculling“ nachschlägt, findet drei Verwendungen, und sie gehen auseinander. Das sollte man wissen, bevor man den Begriff in einem Team benutzt:

  • Als Tiefenkorrektur — so die deutschsprachige Darstellung von Alert Diver: Auf- und Abwärtsbewegung durch schaufelnde Flossen, hilfreich beim Ändern der Tauchtiefe.
  • Als anderer Name für den Helicopter Turn — so TDI, wo die Drehung um die eigene Achse in Klammern „sometimes referred to as a sculling kick“ genannt wird.
  • Als Rückwärtsbewegung — so eine Ausbilderin des British Sub-Aqua Club in einem Beitrag bei Divernet, die „sculling to back away from something underwater“ als die Gewohnheit beschreibt, von der der Reverse Frog Kick wegführt.

Alle drei Verwendungen meinen eine schaufelnde, nicht eine schlagende Bewegung — aber sie meinen verschiedene Richtungen und verschiedene Zwecke. Im Wasser ist deshalb das Zeigen zuverlässiger als das Wort.

Wozu es gut ist

Der Nutzen liegt in der Feinarbeit. Eine Tiefenkorrektur um einen halben Meter über ein empfindliches Riffdach, das Halten der Höhe beim Fotografieren, das langsame Absinken an eine Stelle, ohne den Inflator zu bedienen und ohne Luft abzulassen, die man kurz darauf wieder braucht: Dafür ist Skullen gedacht. Beim Dekompressionsstopp ohne Leine hält es die Tiefe stabiler, als ein ständiges Spiel mit dem Jacket es könnte.

Es ersetzt die Tarierung allerdings nicht. Wer dauerhaft schaufeln muss, um auf Tiefe zu bleiben, ist falsch gewichtet — die Bewegung verdeckt dann einen Fehler, statt ihn zu lösen. Und wer dabei mit den Händen arbeitet, wirbelt in Bodennähe genau das auf, was die ganze Mühe um die Flossentechnik vermeiden soll. Die deutschsprachige Darstellung von SSI zu den Flossentechniken sagt zu allen dort behandelten Techniken dasselbe: Die Arme bleiben aus dem Spiel.

Abgrenzung zu den Flossenschlägen

Die Flossentechniken, die der Vortrieb- und Richtungsarbeit dienen, sind eigene Bewegungen: der Frogkick als Hauptantrieb der erfahrenen Taucher, der Backkick für die Rückwärtsbewegung, der Helicopter Turn für die Drehung auf der Stelle, der Flutter Kick als Standard im Sporttauchen. Skullen steht quer dazu, weil es nicht der Fortbewegung in der Ebene dient, sondern der Lage in der Senkrechten. Alert Diver führt in derselben Reihe außerdem den Crab Kick für die Seitwärtsbewegung und den Shuffle Kick für sehr enge Stellen.

In der Ausbildung sehe ich den gleichen Ablauf wie bei jeder Feintechnik: zuerst die Tarierung in Ordnung bringen, dann im Mittelwasser üben, wo kein Grund zum Aufwirbeln da ist, und erst danach am Riff oder über dem Seeboden. Wer es umgekehrt versucht, übt in einer Wolke.

Quellen

Zur Quellenlage: Eine Norm oder eine verbandsübergreifende Festlegung des Begriffs gibt es nicht; die vier herangezogenen Darstellungen sind Fachbeiträge von Verbänden und Fachportalen. Eine deutschsprachige Verbandsdefinition des Wortes „Skullen“ liegt nicht zugrunde — die ausführlichste deutschsprachige Beschreibung stammt von Alert Diver. Die Angabe, welche Blattstellung welche Kraftrichtung erzeugt, gibt diese Darstellung sinngemäß wieder; eine strömungsmechanische Quelle dazu liegt nicht zugrunde.

Skullen mit den Flossen oder mit den Händen?
Im Tauchsport ist die Flossenvariante gemeint. Die deutschsprachige Darstellung von Alert Diver beschreibt die Bewegung ausdrücklich für die Flossenblätter, und die Flossentechniken bei SSI und TDI kommen durchgehend ohne Handeinsatz aus. Mit den Händen zu schaufeln funktioniert zwar, wirbelt in Bodennähe aber Sediment auf und blockiert die Hände, die für Lampe, Finimeter oder Zeichen gebraucht werden.
Ist Skullen dasselbe wie der Helicopter Turn?
Das hängt davon ab, wen man fragt — und das ist keine Spitzfindigkeit, sondern eine echte Uneinheitlichkeit. TDI nennt den Helicopter Turn in Klammern auch „sculling kick“. Alert Diver führt Skullen dagegen getrennt davon als Technik zum Ändern der Tiefe auf und beschreibt den Helicopter Turn als Drehung um die Körperachse. Im Team lohnt es sich deshalb, die Bewegung zu zeigen statt sie zu benennen.
Brauche ich Skullen, wenn ich richtig tariert bin?
Als Ersatz für die Tarierung nicht — wer dauernd schaufeln muss, um die Tiefe zu halten, hat ein Gewichtungsproblem. Als Feinwerkzeug schon: Für eine Korrektur um wenige Dezimeter ist die Flossenbewegung schneller und sparsamer als Luft in das Jacket zu geben und sie gleich wieder abzulassen. Nach der Darstellung von Alert Diver ist genau das ihr Zweck, nämlich die Tiefe ohne Jacket und Oberkörper zu ändern.
Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.