Dekompressionsphase

Taucher steigt langsam und waagerecht ausgerichtet zur hellen Wasseroberfläche auf, eine lange Blasenkette zieht nach oben.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Die Dekompressionsphase ist der dritte Abschnitt eines Tauchgangs: der Aufstieg, in dem der Umgebungsdruck abnimmt — mit allen Haltezeiten, die dazugehören. Sie ist der Abschnitt mit dem höchsten Risiko, und sie beginnt nicht erst am ersten Stopp, sondern mit dem ersten Meter, den der Taucher nach oben zurücklegt.

Die dritte der drei Druckphasen

Das Lehrbuch für Forschungstaucher von König und Lipp gliedert jeden Tauchgang nach dem, was der Umgebungsdruck tut: Kompressionsphase (der Druck steigt), Isopressionsphase (der Druck bleibt gleich), Dekompressionsphase (der Druck sinkt). Für die dritte nennt das Buch ausdrücklich das Austauchen mit gegebenenfalls Haltezeiten auf Austauchstufen.

Diese Einteilung ordnet die Schäden. In der Kompressionsphase drohen Unterdruckbarotraumata, in der Isopressionsphase die atemgasbedingten Vergiftungen — und in der Dekompressionsphase der Tauchunfall. Für Sporttaucher mit häufigem Tiefenwechsel schlägt dasselbe Buch anstelle der Isopression den Begriff Variophase vor; an der Dekompressionsphase ändert das nichts.

Was in dieser Phase geschieht

Während Abstieg und Grundzeit hat der Körper Inertgas aufgenommen, überwiegend Stickstoff. Fällt der Umgebungsdruck, kehrt sich das Gefälle um: Der Partialdruck des gelösten Gases im Gewebe liegt nun über dem Umgebungsdruck. Geschieht die Druckentlastung langsam genug, wandert das Gas gelöst über das Blut zur Lunge und wird abgeatmet. Geschieht sie zu schnell, fällt es unterwegs als freie Blase aus.

Entscheidend ist dabei nicht die absolute Tiefe, sondern die Änderungsrate. Deshalb ist der flache Teil des Aufstiegs der heikle: Zwischen zehn Metern und der Oberfläche halbiert sich der Absolutdruck, zwischen vierzig und dreißig Metern ändert er sich nur um ein Fünftel. Dieselbe Geschwindigkeit in Metern je Minute bedeutet oben eine viel stärkere Entlastung als unten.

Die beiden Schadensbilder

König und Lipp ordnen der Dekompressionsphase zwei Hauptformen zu, die zusammen den Tauchunfall bilden:

  • Dekompressionskrankheit. Sie entsteht nach längerem Aufenthalt in Tiefen über sechs Metern mit entsprechender Stickstoffsättigung. Kehrt der Taucher zu schnell zurück, bilden sich Blasen in Blut und Gewebe; mögliche Folgen sind Schmerzen und neurologische Ausfälle.
  • Arterielle Gasembolie. Sie entsteht durch Überdehnung der Lungenbläschen mit Einriss des Lungengewebes. Gasblasen gelangen in die Blutgefäße, werden über das Herz verteilt und bleiben in den sich verzweigenden Arterien stecken.

Die deutschsprachige Leitlinie „Tauchunfall“ der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin fasst beide als Ereignis zusammen, das durch den Abfall des Umgebungsdrucks beim Tauchen hervorgerufen wird. Für die Erste Hilfe unterscheidet sie zwischen beiden Formen nicht — es gelten dieselben Maßnahmen.

Wie schnell darf der Aufstieg sein

Hier gehen die Quellen auseinander, und das sollte man wissen, bevor man eine Zahl als gesetzt behandelt.

DAN hält fest, dass es keine einheitliche Rate gibt: U.S. Navy und NOAA nennen 30 Fuß je Minute, also rund neun Meter je Minute; die Ausbildungsverbände arbeiten mit 30 bis 60 Fuß je Minute, also etwa neun bis achtzehn Meter je Minute. König und Lipp führen dagegen eine nach Tiefenbereichen gestufte Tabelle mit Höchstwerten, die unten deutlich über diesen Zahlen liegen und nach oben hin abnehmen. Gemeinsam ist beiden Darstellungen das Prinzip: Je flacher, desto langsamer.

Als Tauchlehrer rate ich, sich an die Vorgabe des eigenen Tauchcomputers zu halten und den letzten Abschnitt bewusst zu dehnen. Wer eine Zahl braucht, nimmt die kleinere — bei Sicherheitsgrenzen ist das immer der richtige Weg.

Wie oft die Phase durchlaufen wird

Ein Rechteckprofil durchläuft die drei Phasen genau einmal. Ein Sägezahnprofil mit mehrfachem Auf und Ab wechselt dagegen ständig zwischen Kompression und Dekompression — und jeder dieser Aufstiege ist eine Dekompressionsphase im Kleinen. Das ist der sachliche Kern des Rats, Jo-Jo-Profile zu vermeiden: Nicht die Zahl der Meter zählt, sondern die Zahl der Druckentlastungen.

Mit dem Auftauchen ist die Phase übrigens nicht zu Ende. Die Entsättigung läuft an der Oberfläche weiter, und die Oberflächenpause gehört rechnerisch noch dazu.

Hinweis: Dieser Eintrag ersetzt keine tauchmedizinische Beratung und keine Ausbildung. Bei Verdacht auf einen Tauchunfall gilt die Leitlinie der GTÜM: Sauerstoff, Lagerung, Notruf.

Wann beginnt die Dekompressionsphase?
Mit dem ersten Meter Aufstieg. Die Einteilung von König und Lipp richtet sich nach dem Umgebungsdruck: Sobald er sinkt, läuft die Dekompressionsphase — unabhängig davon, ob der Tauchgang dekompressionspflichtig ist oder nicht. Der Dekompressionsstopp ist ein Teil dieser Phase, nicht ihr Anfang.
Hat ein Nullzeittauchgang auch eine Dekompressionsphase?
Ja. Die Nullzeit sagt nur, dass kein verbindlicher Zwischenstopp vorgeschrieben ist. Dekomprimiert wird trotzdem — über die gesamte Strecke des Aufstiegs. Der freiwillige Sicherheitsstopp ist genau deshalb üblich geworden.
Warum ist der flache Teil des Aufstiegs der kritische?
Weil sich der Absolutdruck dort am stärksten relativ ändert. Von zehn Metern bis zur Oberfläche halbiert er sich, von vierzig auf dreißig Meter ändert er sich um ein Fünftel. Dieselbe Aufstiegsrate bedeutet oben also eine deutlich größere Druckentlastung je Minute.

Quellen

Zur Quellenlage: Die Aufstiegsgeschwindigkeiten bei König und Lipp stehen im Zusammenhang mit der Vorbeugung gegen Lungenüberdruckbarotraumata und liegen in den tieferen Bereichen über dem, was die heutigen Ausbildungsverbände lehren. Dieser Eintrag nennt deshalb die DAN-Darstellung als maßgeblich und führt die Abweichung, statt sie zu glätten.

Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.