Dekompressionsstopp

Ein Dekompressionsstopp ist ein vorgeschriebener Halt in festgelegter Tiefe während des Aufstiegs, der so lange dauert, bis der Körper genug Inertgas abgeatmet hat, um weiter aufsteigen zu dürfen. Anders als der freiwillige Sicherheitsstopp ist er verbindlich: Wer ihn auslässt, taucht mit einer Gasübersättigung auf, die der Aufstiegsplan gerade vermeiden sollte.

Wann ein Dekompressionsstopp vorgeschrieben ist

Nötig wird er, sobald die Nullzeit überschritten ist — dann spricht man von einem Deko-Tauchgang. Bis zu diesem Punkt ist ein direkter Aufstieg zur Oberfläche jederzeit zulässig; danach nicht mehr. Tiefe und Dauer der Stopps gibt der Tauchcomputer oder die verwendete Dekompressionstabelle vor. Beide rechnen mit einem Gewebemodell, und verschiedene Modelle kommen für denselben Tauchgang zu unterschiedlichen Stoppzeiten. Verbindlich ist immer das Gerät oder die Tabelle, mit der geplant wurde — Werte aus zwei Quellen zu mischen ist der klassische Planungsfehler.

Im Sporttauchen soll dieser Fall die Ausnahme bleiben. Dekompressionspflichtiges Tauchen gehört zum technischen Tauchen und setzt eigene Ausbildung voraus, weil der Weg an die Oberfläche für die Dauer der Stopps versperrt ist. Das verändert die gesamte Planung: Der Gasvorrat muss die Stoppzeit mit Reserve abdecken, und für den Fall eines Ausfalls braucht es ein zweites, unabhängiges System.

Den Stopp in der Praxis halten

Ein Dekompressionsstopp verlangt, eine Tiefe über Minuten hinweg genau zu halten — bei Strömung, Wellengang und im Freiwasser oft ohne jeden optischen Bezugspunkt. Zwei Hilfsmittel sind deshalb Standard: eine sorgfältig eingestellte Tarierung, damit die Tiefe nicht ständig nachkorrigiert werden muss, und eine vom Grund oder vom Boot aus gesetzte Leine beziehungsweise eine Dekoboje mit Spule, an der sich die Gruppe orientieren kann. Ein halber Meter Abweichung ist unkritisch; ein Auf und Ab von mehreren Metern macht die Rechnung des Computers zunichte.

Auch die Umgebungsbedingungen gehören in die Planung. Die Stopps liegen im flachen Bereich, wo Wellengang am stärksten wirkt und die Wassertemperatur im Sommer zwar angenehm, im Winter dagegen der begrenzende Faktor sein kann. Wer eine halbe Stunde bei acht Grad auf sechs Metern steht, braucht einen anderen Anzug als für den Grundzeitteil des Tauchgangs.

Dekompressionsgase verkürzen die Stopps

Der Übergang auf ein sauerstoffreicheres Gemisch während der Stopps ist im technischen Tauchen üblich. Der höhere Sauerstoffanteil senkt den Inertgasanteil im Atemgas und vergrößert damit das Druckgefälle, mit dem der gelöste Stickstoff aus dem Gewebe herausdiffundiert — die Stoppzeit fällt entsprechend kürzer aus.

Die Grenze setzt der Sauerstoff selbst. Divers Alert Network bezeichnet einen Sauerstoffpartialdruck bis 1,4 ATA als unbedenklichen Bereich für den Arbeitsteil des Tauchgangs und beschreibt das Atmen von reinem Sauerstoff auf 20 Fuß, also rund 6 Metern, als gängige Praxis für den Dekompressionsstopp; dort liegt der Partialdruck bei etwa 1,6 ATA. Deshalb wird reiner Sauerstoff nicht tiefer als in diesem Bereich eingesetzt. Der Gaswechsel selbst ist ein eigener Arbeitsschritt mit fester Reihenfolge und Kontrolle durch den Partner, weil ein Wechsel auf das falsche Gemisch in der falschen Tiefe zu den schwersten Fehlern im technischen Tauchen zählt.

Wenn ein Stopp ausgelassen wurde

Ein versäumter oder abgebrochener Dekompressionsstopp ist ein Anlass, den Tauchgang als möglichen Tauchunfall zu behandeln — auch dann, wenn zunächst keine Beschwerden auftreten. Die deutschsprachige Leitlinie „Tauchunfall“ nennt als Erstmaßnahme bei Verdacht die sofortige Atmung von 100 Prozent Sauerstoff oder dem Atemgas mit dem höchsten verfügbaren Sauerstoffanteil und weist ausdrücklich auf milde Frühzeichen wie auffällige Müdigkeit oder Hautjucken hin. Wie mit einem versäumten Stopp im Wasser umzugehen ist, regeln die Ausbildungsorganisationen unterschiedlich; maßgeblich ist die Vorgabe des eigenen Verbands.

Quellen

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