Ein Sägezahnprofil ist ein Tauchgang, bei dem der Taucher mehrfach auf- und wieder absteigt, statt die Tiefe in eine Richtung zu verlassen. Der Name beschreibt die Form der Tiefenkurve, ohne etwas darüber zu sagen, wie schnell die Zacken entstehen. Genau darin liegt der Unterschied zum Jo-Jo-Tauchgang, der denselben Verlauf mit Tempo meint — mit Abtauchgeschwindigkeiten über 20 Meter pro Minute und Wechseln im Abstand von einer bis fünf Minuten. Beide bezeichnen kein Planungsverfahren, sondern einen Fehler mit eigenem Risiko.
Was das Profil von den anderen unterscheidet
Die enzyklopädische Darstellung der Profilformen fasst es knapp: Bei einem Sägezahnprofil steigt der Taucher während des Tauchgangs mehrfach auf und ab. Darin liegt der Unterschied zum Multileveltauchgang, der ebenfalls die Tiefe wechselt — aber nur in eine Richtung: Er steigt auf und bleibt oben. Und er unterscheidet sich vom Rechteckprofil, das die Tiefe überhaupt nicht wechselt.
Das ist mehr als eine Formfrage. Beim Multileveltauchgang bringt jeder Aufstieg einen Gewinn, weil die flachere Stufe weniger Inertgas aufnimmt. Beim Sägezahn wird dieser Gewinn sofort wieder eingetauscht, und der Weg nach oben und zurück kostet zusätzlich.
Warum weniger Sättigung mehr Risiko bedeuten kann
Hier liegt der Punkt, der im Kursraum regelmäßig überrascht. Die Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin führt Jo-Jo-Tauchgänge — Tauchgänge mit mehreren deutlichen Tiefenwechseln in kurzer Zeit — ausdrücklich unter den Risikofaktoren der Dekompressionskrankheit auf. Begründung: Schon während des Tauchgangs kommt es durch die mehrfachen Beinahe-Aufstiege zur Bildung von Stickstoffblasen. Das Risiko ist dadurch erhöht, obwohl die Gewebesättigung geringer ausfällt als bei einem gleich tiefen Rechteckprofil.
Eine Rechnung über die Sättigung allein geht an dieser Gefahr also vorbei. Entscheidend ist nicht, wie viel Gas im Gewebe steckt, sondern ob daraus Blasen geworden sind. Sind erst einmal Mikroblasen vorhanden, erhöht jeder weitere Auf- und Abstieg das Risiko zusätzlich. Wie stark, hängt von der Aufstiegsgeschwindigkeit ab, von Höhe und Dauer des Ausflugs nach oben, vom Sättigungsgrad der Gewebe und in gewissem Maß von der Zeit, die der Taucher danach wieder auf Tiefe verbringt.
Beziffern lässt sich diese Erhöhung nicht. Die Übersicht der Profilformen hält für den Stand 2016 ausdrücklich fest, dass eine genaue Abschätzung nicht möglich sei. Belegt ist dagegen der Befund im Dopplernachweis: Solche Profile gehen mit erhöhten Zahlen venöser Blasen einher.
Woraus ein Sägezahn in der Praxis entsteht
Kaum jemand plant ein solches Profil. Es entsteht nebenbei, und fast immer aus einem von vier Gründen. Erstens aus mangelhafter Tarierung: Wer die Tiefe nicht halten kann, pendelt. Zweitens aus dem Motiv: Unterwasserfotografen folgen einem Tier nach unten, kommen hoch, sehen das nächste. Drittens aus der Topografie: An einer Riffwand oder einem Steilabfall ist der Weg nach unten immer offen. Viertens aus dem Ablauf: wiederholte Kontrollblicke zur Oberfläche, Übungen an der Leine, Partnersuche.
Als Tauchlehrer sehe ich den Fall am häufigsten bei Tauchern kurz nach dem Grundkurs — nicht aus Übermut, sondern weil die Tarierung noch Arbeit macht. Das ist der Grund, warum die Tarierübung mehr Sicherheitsgewinn bringt, als ihr Platz im Kursplan vermuten lässt.
Was man dagegen tun kann
Die Regel ist einfacher als ihre Begründung: Die Tiefe wird in eine Richtung verlassen. Wer aufgestiegen ist, bleibt oben. Wenn ein zweiter Abstieg unvermeidlich ist, gehört er an den Anfang des Tauchgangs und nicht ans Ende, und der Aufstieg danach wird langsam geführt.
Der Tauchcomputer hilft dabei nur begrenzt. Einige Geräte rechnen gegen Verstöße bei der Aufstiegsgeschwindigkeit eine Korrektur, was die Profilübersicht ausdrücklich als willkürlichen Ausgleichsversuch bezeichnet. Das Gerät zeigt also ein Warnsignal, es bildet die Blasenbildung aber nicht ab. Verlassen kann man sich darauf nicht.
Dasselbe gilt für die Vorstellung, ein Sägezahn sei innerhalb der Nullzeit unbedenklich. Die Nullzeitgrenze ist eine Aussage über die Sättigung, nicht über bereits vorhandene Blasen. Der Sicherheitsstopp bleibt auch bei einem solchen Tauchgang Pflicht — er behebt den Fehler nicht, aber er mildert ihn.
Quellen
- GTÜM: DCS-Risiken — Jo-Jo-Tauchgänge als Risikofaktor, Blasenbildung durch mehrfache Beinahe-Aufstiege, Einordnung gegenüber dem Rechteckprofil.
- Dive profile (englische Wikipedia) — Definition des Sägezahnprofils, Einflussgrößen der Risikoerhöhung, fehlende Bezifferbarkeit (Stand 2016), Dopplerbefund, Korrekturrechnung einiger Tauchcomputer.
Zur Quellenlage: Die beiden Quellen benutzen unterschiedliche Wörter — die deutsche Verbandsquelle spricht vom Jo-Jo-Tauchgang, die enzyklopädische vom Sägezahnprofil. Deckungsgleich sind die Begriffe nicht: Das Sägezahnprofil bezeichnet die Form, der Jo-Jo-Tauchgang den schnellen Fall davon; die belegte Abgrenzung steht im Eintrag Jo-Jo-Tauchgang. Eine deutschsprachige Fundstelle, die den Ausdruck „Sägezahnprofil“ selbst definiert, liegt diesem Eintrag nicht zugrunde. Die Studien hinter dem Dopplerbefund sind in der Profilübersicht benannt, liegen diesem Eintrag aber nicht im Original zugrunde.
