Ein Jo-Jo-Tauchgang ist ein Tauchgang mit mehrfachen, schnellen Tiefenwechseln – einer Folge von Abstiegen und Beinahe-Aufstiegen innerhalb desselben Tauchgangs. Der Begriff ist das deutsche Wort für dieses Profil und wird von der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin so verwendet. Fachlich bedeutsam ist er, weil ein solches Profil das Risiko einer Dekompressionskrankheit erhöht, obwohl die gerechnete Gewebesättigung niedriger ausfällt als bei einem gleich tiefen Rechteckprofil.
Wie die GTÜM das Profil beschreibt
Die GTÜM führt Jo-Jo-Tauchgänge in ihrer Übersicht der DCS-Risiken unter den Risiken während des Tauchgangs und gibt als Beispiel eine Tiefenfolge von 0–30–10–25–10–30–0 Metern an. Der Mechanismus, den sie dazu nennt, ist zweistufig: Schon die Beinahe-Aufstiege innerhalb des Tauchgangs können Stickstoffblasen entstehen lassen. Beim erneuten Abtauchen lösen sich weniger Blasen wieder auf, als neue hinzukommen. Am Ende des Tauchgangs sind deshalb mehr Blasen vorhanden als bei einem Rechteckprofil.
Daraus folgt der Satz, auf den es ankommt: Das Gesamtrisiko ist höher, obwohl die berechnete Sättigung geringer ist. Ein Tauchcomputer, der nach einem reinen Löslichkeitsmodell rechnet, sieht das Profil also günstiger, als es ist – nicht weil er falsch rechnet, sondern weil er eine andere Größe rechnet: gelöstes Inertgas, nicht Blasen.
Warum die Rechnung das nicht abbildet
Dasselbe Bild ergibt sich, wenn man ein Jo-Jo-Profil durchrechnet. Ein Skript zur theoretischen Bewertung eines Jo-Jo-Profils in der Fischzucht geht von sehr schnellen, wiederholten Tiefenwechseln aus: Abtauchgeschwindigkeiten über 20 Meter pro Minute, Auf- und Abstiege im Abstand von einer bis fünf Minuten. Gerechnet wird ein Profil mit 15 Metern Grundtiefe, 8 Minuten Grundzeit, fünf solcher Abschnitte und einer Gesamtlaufzeit von 46,5 Minuten.
Mit handelsüblicher Planungssoftware ergibt dieses Profil weder einen Dekompressions- noch einen Sicherheitsstopp. Ergänzt man das Modell um sehr schnelle Kompartimente – 70 Sekunden, 2 Minuten und 9 Minuten Halbwertszeit – und verlängert die Halbwertszeiten bei Aufstiegen, um Mikroblasen zu berücksichtigen, verlangt bereits der erste Aufstieg einen Stopp von etwa einer Minute. Nach der vollständigen Serie wächst die Stoppzeit auf über vier Minuten in etwa vier Metern Tiefe. Die Verfasser halten ausdrücklich fest, dass Standardmodelle und Tauchcomputer die Inertgasbelastung bei solchen Profilen nicht mehr richtig verfolgen.
Beide Quellen sagen damit dasselbe mit verschiedenen Mitteln: Das Risiko sitzt in den schnellen Geweben und in der Blasenbildung, und beides steht nicht auf dem Display.
Wo Jo-Jo-Profile entstehen
Im Berufstauchen entstehen sie aus der Arbeit: Flaschen, Werkzeug und Netze wechseln, wie es das gerechnete Beispiel aus der Teichwirtschaft beschreibt. Im Sporttauchen entstehen sie unabsichtlich. Typisch sind drei Lagen: der Tauchgang an der Steilwand, bei dem man dem Fisch nach unten und dem Licht nach oben folgt; der Ausbildungstauchgang, bei dem Übungen in unterschiedlichen Tiefen abgearbeitet werden; und der Fototauchgang, bei dem das Motiv die Tiefe bestimmt.
In der Ausbildung sehe ich den Fehler am häufigsten bei Tauchern, die ihre Tarierung noch nicht beherrschen: Sie pendeln um ihre Solltiefe, ohne es zu merken. Das ist kein Jo-Jo-Profil im Sinne der GTÜM-Definition, aber es ist der Anfang davon – und es ist der Grund, warum eine saubere Tarierung nicht nur eine Stilfrage ist.
Was daraus folgt
Die GTÜM ordnet in derselben Übersicht einen zu schnellen Aufstieg als „einen genauso schwerwiegenden Verstoß“ ein wie das Auslassen eines vorgeschriebenen Dekompressionsstopps, und sie hält die Aufstiegsgeschwindigkeit für die schnellen Gewebe und das Blut für besonders wichtig. Ein Jo-Jo-Profil besteht aus genau solchen Aufstiegen, nur mehrfach. Die praktische Folge ist deshalb schlicht: Tiefenwechsel planen statt zulassen, den tiefen Teil nach vorn legen und von dort gleichmäßig flacher werden – und wenn das Profil doch gezackt ausgefallen ist, den Tauchgang konservativ beenden, statt sich auf die Nullzeitanzeige zu verlassen.
Abgrenzung
Die beiden Begriffe liegen nah beieinander, sind aber nicht deckungsgleich. Das Sägezahnprofil beschreibt die Form des Profils – eine Folge von Zähnen in der Tiefenkurve, ohne Angabe darüber, wie schnell und in welchem Abstand sie entstehen. Der Jo-Jo-Tauchgang ist davon der Fall mit Tempo: Die Modellrechnung setzt Abtauchgeschwindigkeiten über 20 Meter pro Minute und Wechsel im Abstand von einer bis fünf Minuten voraus, und die GTÜM beschreibt ihn über wiederholte Beinahe-Aufstiege. „Jo-Jo-Tauchgang“ ist zugleich das Wort der deutschen tauchmedizinischen Quelle; „Sägezahnprofil“ steht in der Literatur zur Profilform. Wer die Begriffe gleichsetzt, verliert das Merkmal, auf das es ankommt: nicht die Zacke, sondern ihre Geschwindigkeit.
Vom Wiederholungstauchgang unterscheidet sich das Jo-Jo-Profil dadurch, dass die Tiefenwechsel innerhalb eines Tauchgangs liegen, ohne Oberflächenpause dazwischen.
Quellen
- GTÜM: DCS-Risiken – Beispielprofil 0–30–10–25–10–30–0 m, Mechanismus der Beinahe-Aufstiege, Verhältnis von Risiko und gerechneter Sättigung, Einordnung der Aufstiegsgeschwindigkeit
- On the theoretical evaluation of one yo-yo diving profile on air for fish-farming (divetable.info) – Definition über Abtauchgeschwindigkeit und Wechselabstand, gerechnetes Profil, schnelle Kompartimente, Stoppzeiten im modifizierten Modell
Zur Quellenlage: Die zweite Fundstelle ist eine Modellrechnung für das Berufstauchen, kein Verbandsstandard und keine klinische Studie; ihre Zahlen gelten für das dort gerechnete Profil und sind nicht auf einen Sporttauchgang übertragbar. Zur Frage, wie viele Tiefenwechsel ein Profil zum Jo-Jo-Profil machen, nennt keine der beiden Quellen einen Grenzwert.
