Stageflasche

Als Stageflasche aufgerüstete Aluminium-Tauchflasche mit Längsgurt, Edelstahlschelle, zwei Karabinerhaken und Atemregler.
Illustration, mit Google Gemini erzeugt.

Eine Stageflasche ist eine zusätzlich mitgeführte Tauchflasche, die unterwegs deponiert und auf dem Rückweg wieder aufgenommen wird. Sie verlängert die Strecke, die ein Taucher in eine Höhle, ein Wrack oder einen Stollen hineintauchen kann, über das hinaus, was das selbst getragene Gas erlaubt. Vom Gerät her unterscheidet sie sich nicht von einer Dekoflasche.

Der Zweck: Eindringstrecke, nicht Dekompression

DAN beschreibt die Stageflasche als das Mittel, die Eindringtiefe in Overhead-Umgebungen zu erweitern — Höhle, Wrack, Mine. Das Verfahren ist immer dasselbe: Die Flasche wird an vorher festgelegten Punkten deponiert, abhängig von Druck oder Zeit, und auf dem Rückweg wieder aufgenommen. Alle Teammitglieder müssen sich nach derselben Quelle vor dem Tauchgang auf ein Verfahren einigen. Bei starker Strömung kann es sinnvoll sein, die Flasche weiter ins System hineinzutragen, damit das Gas dort schneller verfügbar ist.

SDI beschreibt das Vorgehen aus der Praxis des Höhlentauchens noch deutlicher: Stageflaschen werden bei einem Vorbereitungstauchgang entlang einer festgelegten Route deponiert und erst bei einem späteren Tauchgang genutzt; nach dem großen Tauchgang bleiben sie oft liegen und werden bei einem eigenen Aufräumtauchgang eingesammelt. Das ist der Unterschied zur Dekoflasche, die im Freiwasser nach Möglichkeit am Taucher bleibt.

Drei Begriffe, ein Gerät — und ein Sprachstreit

Nach DAN unterscheiden sich Deko-, Stage- und Bailoutflasche nicht baulich, sondern durch den Zweck: Die Dekoflasche trägt das Gas für die gestuften Dekompressionsstopps, die Stageflasche verlängert die Eindringstrecke, die Bailoutflasche hält Notgas für den Ausfall eines Kreislaufgeräts bereit. Die Abgrenzung im Einzelnen steht im Eintrag Dekoflasche.

Im Sprachgebrauch halten sich die Organisationen daran nicht einheitlich, und das ist für den Leser wichtiger als die saubere Definition:

  • DAN benutzt „Stage“ eng — nur für die deponierte Flasche zur Streckenverlängerung.
  • SDI benutzt „Stage“ als Sammelbegriff und zählt darunter Deko-Gas, Travel-Gas für den Abstieg mit hypoxischem Trimix, eine zusätzliche Bottom-Mix-Flasche als Reserve, den Hauptvorrat eines Tauchscooter-Tauchers, Bailout-Gas für Kreislaufgerätetaucher, die Pony-Flasche des Sporttauchers und die Buddy-Flasche des Solotauchers.
  • SSI nennt in seiner Darstellung zum Rigging als Inhalt der Stageflasche das Dekompressionsgas, das für den sicheren Aufstieg nötig ist — also genau das, was DAN der Dekoflasche zuordnet.

Praktisch heißt das: Wer „Stage“ sagt, muss im Team sagen, welches Gas gemeint ist. DAN nennt die saubere Benutzung der Begriffe ausdrücklich keine Sprachpflege, sondern Teamsicherheit.

Größen und Werkstoff

SDI nennt als die beiden häufigsten Flaschen die Alu 80 und die Alu 40 und begründet das mit Kosten, Robustheit, Verfügbarkeit, Gasvolumen und gutem Auftriebsverhalten: Beide haben im Wasser nur ein geringes scheinbares Gewicht und liegen nah am Körper. Die Umrechnung ins metrische Maß geht zwischen den Quellen leicht auseinander — SDI gibt 80 cuft mit 11 Litern und 40 cuft mit 6 Litern an, DAN dieselben Flaschen mit 11,1 und 5,7 Litern; als Stageflasche nennt DAN gelegentlich auch 72 cuft, also 10 Liter. Stahl kommt nach DAN selten zum Einsatz, weil Stahlflaschen negativen Auftrieb haben.

Befestigung

Die Anforderung formuliert SDI zuerst negativ: Die Flasche muss strömungsgünstig liegen und darf an Leinen, Kelp, Booten, Wracks oder Felsen nicht hängenbleiben; Ventil und erste Stufe müssen jederzeit erreichbar sein. Eine Stageflasche braucht eine erste Stufe mit Finimeter auf kurzem Schlauch und eine zweite Stufe; bei Kreislaufgerätetauchern kommt ein Inflatorschlauch hinzu. Bevorzugt wird die seitliche Befestigung mit zwei Karabinerhaken nah am Körper — eine Montage auf dem Rücken verdeckt die Flasche und erschwert Ventilkontrolle und Blick darauf.

Als traditionelle Lösung beschreibt SDI die Methode aus dem nordfloridianischen Höhlentauchen: zwei Karabinerhaken an einer Schnur, die über den Flaschenhals läuft und unten mit einer Edelstahlschelle fixiert wird. Der untere Ankerpunkt wird so gesetzt, dass der Abstand zwischen dem Clip am Flaschenhals und dem unteren Anker dem Abstand der D-Ringe an Schulter- und Hüftgurt entspricht; fertige Bausätze sind nach dieser Darstellung auf etwa 185 Zentimeter Körpergröße ausgelegt und müssen häufig gekürzt werden. Zwei Hinweise aus derselben Quelle haben Gewicht: Der Tragegriff dient nur zum Bewegen der Flasche im Wasser, getragen wird sie am Ventil — sonst leiert die Schnur aus oder reißt. Und alle empfohlenen Varianten lassen sich im Notfall durchschneiden, weil keine Metall-auf-Metall-Verbindung besteht; Karabinerhaken können verklemmen, besonders in Salzwasser. Zum Sidemount-Aufbau nennt SDI eine Butt Plate und ein Bungee, das den Flaschenhals an die Körperseite zieht.

Gasplanung

Der Sinn der deponierten Flasche steht und fällt mit der Rechnung, die zu ihr führt. Für Overhead-Umgebungen ist die Drittelregel der Rahmen, in dem Deponierpunkte überhaupt festgelegt werden; DAN formuliert für Bailoutflaschen in Overhead-Umgebungen die entsprechende Bedingung, dass der Taucher immer genug Gas haben muss, um die nächste Flasche zu erreichen. Welches Gemisch in welche Flasche gehört und ab welcher Tiefe es geatmet werden darf, richtet sich nach der maximalen Einsatztiefe; zur Kennzeichnung von Nitrox-Flaschen und zum Gaswechsel siehe Deko-Gas. Für jeden Flaschentyp ist nach DAN zusätzliche Ausbildung erforderlich — siehe technisches Tauchen.

Aus der Ausbildung

Als Tauchlehrer achte ich an der Stageflasche vor allem auf das Ablegen und Aufnehmen, nicht auf das Schwimmen damit. Eine Flasche, die im Flachwasser sauber am Körper liegt, ist schnell gelernt; eine Flasche, die in schlechter Sicht an der richtigen Stelle wieder aufzunehmen ist, bleibt eine Verfahrensfrage — welcher Clip zuerst, an welcher Seite der Leine, wer kontrolliert mit. Das gehört vorher an Land durchgesprochen und im Freiwasser geübt, bevor es in einer Überkopfumgebung zum ersten Mal nötig ist. Und: Eine deponierte Flasche ist kein Gasvorrat, solange niemand weiß, wo genau sie liegt.

Quellen

Zur Quellenlage: Für Stageflaschen gibt es weder eine Norm noch einen verbandsübergreifenden Standard; alle Angaben zu Größen, Gurten und Verfahren geben die Praxis der jeweiligen Organisation wieder. Die drei Quellen benutzen das Wort „Stage“ unterschiedlich weit — der Eintrag führt diesen Unterschied und glättet ihn nicht. Die Millimeter- und Zentimeterangaben zu Ankerpunkten und Bausatzlängen beziehen sich auf ein bestimmtes Rigging und sind hier nur als Beispiel genannt. Die Umrechnungen von cuft in Liter stammen aus den Quellen selbst und gehen zwischen ihnen um bis zu 0,3 Liter auseinander.

Was ist der Unterschied zwischen Stageflasche und Dekoflasche?
Nach DAN der Zweck, nicht das Gerät: Die Stageflasche verlängert die Eindringstrecke in Höhle oder Wrack und wird unterwegs deponiert und auf dem Rückweg aufgenommen; die Dekoflasche trägt das Gas für die Dekompressionsstopps und bleibt im Freiwasser möglichst am Taucher. SSI benutzt „Stage“ allerdings für genau die Flasche mit dem Dekompressionsgas — wer den Begriff hört, sollte deshalb nachfragen, welches Gas gemeint ist.
Warum Aluminium und nicht Stahl?
Wegen des Auftriebs. Stahlflaschen haben nach DAN negativen Auftrieb und kommen deshalb selten als zusätzliche Flasche zum Einsatz. SDI nennt für die Alu 80 und die Alu 40 ausdrücklich das gute Auftriebsverhalten als Grund: Beide haben im Wasser nur ein geringes scheinbares Gewicht und liegen nah am Körper, was die Wasserlage weniger stört.
Wo wird eine Stageflasche deponiert?
An Punkten, die vor dem Tauchgang festgelegt sind — nach DAN abhängig von Druck oder Zeit, und mit einem Verfahren, auf das sich das ganze Team vorher geeinigt hat. Bei starker Strömung kann die Flasche weiter ins System hineingetragen werden, damit das Gas dort schneller verfügbar ist. SDI beschreibt zusätzlich die Praxis, Flaschen bei einem eigenen Vorbereitungstauchgang entlang der Route auszulegen.
Über Tauchbuddy 8 Artikel
Der Tauchbuddy erzählt in der Reihe „Mein erster …“, wie sich die ersten Nacht-, Wrack- und Trockentauchgänge anfühlen, und stellt die Fragen, die man sich als Taucher im ersten Jahr stellt.